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Disney+ ist keine Konkurrenz für Netflix & Co. - sondern eine Ergänzung

28.03.2020 | 13:40 Uhr | Peter Müller

Ein neuer Streaming-Player Disney+ mischt seit dieser Woche in Deutschland den Markt auf. Disneys Vorteil ist das große Archiv. Hier finden Sie unser ersten Eindrücke.

Wie lange die Krise noch andauert, lässt sich schwer sagen – und leider auch, in welchem Zustand wir da wieder herauskommen. Nur eines ist klar: An Langeweile wird keiner sterben. Dabei wird auch sicher das neue Angebot von Disney+ helfen. Über kulturelle Freizeitbeschäftigungen und auch den Sport zu Hause haben wir uns bereits an anderer Stelle ausführlich ausgelassen.

Kunden der Firma Apple haben bezüglich der Unterhaltung per Serie und Film allerdings einen kleinen Nachteil: Die Serien, Dokumentationen und Filme auf Apple TV+ sind bald zu Ende gesehen. So sehr wir uns gerne die jüngste Veröffentlichung " The Banker " noch einmal ansehen würden, jeden Tag nach Feierabend im Home Office und Gymnastikübungen auf dem Wohnzimmerteppich wird das dann doch zu fad. Über die TV-App finden wir zwar auch andere Angebote – doch kosten die Filme im iTunes Store alle etwas, im Kauf oder im Verleih.

Glücklicherweise unterhalten wir noch zwei andere Abos: Amazon Prime und Netflix. Und seit dieser Woche den neuen Dienst, der die bestehenden kräftig aufzumischen verspricht: Disney+.

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Umfangreiches Angebot von Filmen und Serien

Der große Vorteil gegenüber Apple TV+, das anders als Amazon und Netflix ausschließlich auf Eigenproduktionen setzt, ist bei Disney+ der immense Katalog von Filmen und Serien. Darunter Zeichentrickklassiker wie "Susi und Strolch" (samt "Realverfilmung" von 2019), "König der Löwen" (hier ist die animierte Version vom letzten Jahr auch schon dabei) oder der "Glöckner von Notre Dame" (von vor dem Brand). Oder die Animationsfilme der neuen Ära des "Zeichentricks" wie "Die Eisköniging". Oder fast alle Filme aus dem Star-Wars-Universum – lediglich "Der Aufstieg Skywalkers" kommt erst im Sommer dazu. Oder alles von Pixar, die abendfüllenden Spielfilme von "Toy Story" (1-4) bis hin zu "Alles steht Kopf". Wir wünschten, wir hätten diese mit Apple TV+ schon bekommen, aber Apple und Pixar waren über die Person Steve Jobs miteinander verbunden, nicht über die Inhalte der Filme.

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Dazu auch alles aus dem Marvel-Universum: "Avengers", "Black Panther", "Guardians of the Galaxy".

Dokumentation des National Geographic.

Zahlreiche Serien gibt es auch bei Disney+: Neu und recht spektakulär etwa "The Mandalorian", das im Star-Wars-Universum spielt, kurz nachdem die Rebellen dem Imperium für's Erste den Garaus gemacht haben. Klassiker wie die "Simpsons" – in allen Staffeln der letzten 30 Jahre – doch gerade die alten Folgen sollen das junge Publikum irritieren. Nicht nur wegen der Anspielungen auf die Zeitgeschichte, die ja nun längst Geschichte ist, sondern auch wegen des Formats von 4:3, das in den Neunzigern noch üblich war: Was sollen die schwarzen Balken da links und rechts auf dem 55-Zoll-TV?

Alle Staffeln, alle Folgen. Reicht für eine ganze Weile ohne Langeweile.
Vergrößern Alle Staffeln, alle Folgen. Reicht für eine ganze Weile ohne Langeweile.
© Disney

Für die anfangs des 21sten Jahrhunderts Geborenen "High School Musical". Und für die noch Jüngeren natürlich Mickey Mouse – und noch viel mehr.

Kurz gesagt: Man weiß gar nicht, womit man anfangen soll. Immerhin ist der erste Monat Disney+ gratis, danach zahlt man 6,99 Euro im Monat oder 69,99 im Jahr. Festnetzkunden der Telekom kommen weitaus günstiger an die Streams: 5 Euro im Monat sind für diese fällig, aber erst ab dem siebten Monat. Sprich: Das nächste halbe Jahr sehen wir Disney+ gratis – so lange dauern die Ausgangsbeschränkungen hoffentlich nicht.

Fünf Jahre nach de Untergang des Imperiums in einer weit, weit entfernen Galaxie ...
Vergrößern Fünf Jahre nach de Untergang des Imperiums in einer weit, weit entfernen Galaxie ...
© Disney

Ein ähnliches Angebot hatten wir schon letzten Herbst angenommen, mit Magenta Sky Sports HD. Vor allem wegen der derzeit pausierenden Champions League: Da gab es die Spiele zwar nur in Konferenz und vom fantastischen 7:2 der Bayern an der White Hart Lane haben wir daher nur gut 15 Minuten wirklich live gesehen. Beim zweiten großen Sieg in London war das anders, das 3:0 an der Stamford Bridge sahen wir etwa zur Hälfte, da an jenem 25. Februar nur ein weiteres Spiel parallel lief. Heute kommt uns das aber wie aus einer anderen Zeit vor und wir würden sogar Standbilder aus einer leeren Arena in München akzeptieren, wenn denn der Ball bloß wieder rollen könnte. Disney+ ist derzeit das eindeutig bessere Angebot für ein bisschen Eskapismus, den Fünfer ohne Gegenleistung für Magenta Sports sparen wir uns und hoffen auf bessere Zeiten im Sommer und Herbst.

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App mit Gutschein statt Receiver

Die Abwicklung ist im Fall von Disney+ bei der Telekom aber eine andere als im Fall von Magenta Sports. Denn während wir im September nach erfolgter Buchung uns sofort in den Kanal auf dem Telekom-Entertain-Receiver einloggen konnten, lief es nun anders. Nach Abschluss der Bestellung informierte uns die Telekom zunächst per Mail, dass man sich ab dem 24. März ein Konto bei Disney+ anlegen könne, mit dem im Link auf die Seite hinterlegten Gutscheincode. War gleich erledigt und sofort danach hätte das Streamingvergnügen bereits auf dem Laptop beginnen können. Für Filme wie "Findet Dorie!" nutzen wir dann aber lieber den großen Apparat im Wohnzimmer – nach Feierabend, wenn wir unsere Internetleitung nicht mehr für Videokonferenzen mit den Kollegen brauchen.

Und da war der Gedanke, Disney+ über den Receiver der Telekom zu nutzen, nicht der zielführende – nichts zu finden. Aber seit einiger Zeit steht bei uns ein Smart TV von Samsung in der Bude, der hat die App für Disney+ sofort auf die entsprechende Suchabfrage ausgespuckt und installiert – fein. Alternativen für das Wohnzimmer hätte es noch gegeben: Apple TV oder Fire TV Stick oder Cube. Das ist der Vorteil von Disney+ gegenüber Magenta Sports: Geht eben auf beinahe einem jedem Endgerät. Auf bis zu vier Bildschirmen gleichzeitig soll man in 4K streamen können – solange das Hausnetz das erlaubt respektive in diesen Zeiten eben die komplette Infrastruktur da draußen.

Auf bis zu zehn Geräten kann man sich laut Disney+ mit dem einen Account registrieren können. Und wenn wir wieder öfter vor die Tür können, nehmen wir Filme und Serienfolgen auf dem iPad, iPhone oder Macbook mit: Jeder Inhalt lässt sich downloaden. Für einen Vierpersonenhaushalt sind zehn Geräte mehr als ausreichend: Der Fernseher im Wohnzimmer und dann für jeden auf maximal zwei Rechnern oder Mobilgeräten. Die Nummer zehn reservieren wir uns für das Büro, wenn wir da mal wieder hindürfen. In jeder Installation sind die Profile zu sehen, die wir auf dem Fernsehapparat angelegt haben, das hat Disney von Netflix übernommen, Amazon denkt angeblich über Ähnliches nach. Apple regelt das über die Apple ID, mit der man an einem Gerät angemeldet ist.

Mit Profil: Einmal erstellt, auf allen Geräten verfügbar
Vergrößern Mit Profil: Einmal erstellt, auf allen Geräten verfügbar

Bis dahin gilt eben: Daheim bleiben und nach der Arbeit und der notwendigen Bewegung lesen oder in den Fernsehapparat schauen. Angefangen haben wir "The Mandalorian". Die Dialoge sind zwar nicht so üppig und elaboriert wie etwa in einer Dickens- oder Austen-Verfilmung, dennoch haben wir nach ein paar Minuten die Sprache auf Deutsch umgestellt – ab Werk war sie Englisch. Am Abend danach hörten wir gleich die großartige Anke Engelke einen blauen Fisch sprechen, das nächste Mal hören wir uns aber an, wie denn die nicht minder großartige Ellen DeGeneres Dorie interpretiert: Die Sprachauswahl ist leicht über das Menü zu erreichen, mit der Fernbedienung des Smart TV.

Polyglott: Ab Werk ist auf je3dem Gerät erst einmal englisch eingestellt, dann merkt es sich aber die Änderung der Sprache
Vergrößern Polyglott: Ab Werk ist auf je3dem Gerät erst einmal englisch eingestellt, dann merkt es sich aber die Änderung der Sprache

Fazit

Disney+ ist keine Konkurrenz zu AppleTV+, sondern eine Ergänzung. Auch Netflix werden wir wegen einiger großartiger exklusiver Filme und Serien nicht aufgeben, Amazon Prime lohnt sich auch noch anderweitig. Der Nachteil, dass man noch ein weiteres Abo bezahlt, ist angesichts des Preises und der langen Probezeit bei der Telekom keiner, grundsätzlich erhöhen wir das Budget für Heimunterhaltung, während das für aushäusiges Kultur- und Freizeitvergnügen notgedrungen sinkt. Wir wollen nicht hoffen, dass die Krise so lange dauert, bis wir Disneys Angebot dutzende Male komplett gesehen haben und dann am ehesten auf den jüngsten Dienst auf dem Streamingmarkt verzichten könnten.

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