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Evercookies und Supercookies: So werden Sie die Internet-Plagen wieder los

19.01.2017 | 13:41 Uhr |

Haben auch Sie mit skrupelloser Werbung und anderen ID-Tracker im Browser zu kämpfen? Wir zeigen, wie Sie den Kampf gegen lästige Cookies aufnehmen können.

Die Werbung verfolgt uns, ihre Auftraggeber machen uns ausfindig – und das wollen wir um jeden Preis verhindern. Im besten Fall wissen wir um diese Tatsache Bescheid und können mit Hilfe von Opt-Out-Methoden und Drittanbieter-Add-Ons die Tracker blockieren, die ansonsten versuchen, unsere Spuren in den Weiten des Internets aufzuspüren und die Verfolgung aufnehmen.

Das Ökosystem der Online-Werbung beinhaltet viele spezielle Lebewesen. Doch auch als Werbender kann man da schon mal leicht den Überblick verlieren. Die meisten wissen letztendlich gar nicht, wo ihre Werbung überall angezeigt wird. Das sollte sich dringend ändern: Werbende sollten im Besitz der notwendigen Technologie sein, um ihre Netzwerke überprüfen zu können.

Das Problem für den Durchschnittsbürger ist, dass es keine einfache Lösung gibt, um den Kampf gegen zielstrebige Tracking-Systeme gewinnen zu können. Wie Sie vielleicht wissen, verschicken Browser bei jedem Besuch einer Website Cookies – kleine beharrliche Textinformationen – und platzieren sie auf Ihrem Rechner. Das nächste Mal, wenn Sie die selbe Seite wieder besuchen, sendet der Browser die Cookies mit vielen Informationen an den Server. Mit diesem Prinzip können Sie auf Seiten, bei denen Sie einen Account angelegt haben, eingeloggt bleiben oder es werden Seiten-Informationen gespeichert, ohne dass Sie überhaupt einen Account benötigen.

Doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn im Netz hat man auch mit Supercookies zu kämpfen, die nicht mit ein paar Klicks gelöscht oder geblockt werden können. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen Möglichkeiten, sich und Ihren Computer zu schützen.

Evercookie: Ein Cookie wie aus Eisen

Das Evercookie kann mithilfe verschiedener Techniken Daten speichern: Als HTTP-Cookies, Flash-Cookies, sogar in den RGB-Werten von PNG-Dateien können Cookie-Daten platziert werden.

Das Beste, was Sie im Kampf gegen Evercookies unternehmen können, ist das Nutzen des Privat-Modus in Browsern , die nur all diejenigen Arten von lokal gecachter Daten speichern, solange die private Session aktiv ist. Sobald Sie alle Inkognito-Fenster schließen oder den privaten Modus verlassen, werden alle Arten an Cookies gelöscht. Tatsächlich gab der Entdecker des Evercookies, Samy Kamkar, 2010 zu, dass der private Browser-Modus in Safari zu jener Zeit alle Evercookie-Methoden abwehren konnte.

Doch ständig im privaten Modus zu surfen, ist auf Dauer auch keine Lösung. Denn bei manchen Anwendungszwecken benötigt man permanenten Login. Eine Mischung aus privatem und öffentlichem Browsen könnte helfen, doch wird man letztendlich immer noch einen Großteil der Zeit im „öffentlichen“ Browser verbringen.

Seitdem Kamkar seine Entdeckung der diversen Verbreitungsmöglichkeiten der Evercookies veröffentlichte, sind manche davon wieder stillgelegt worden oder sind zumindest leichter auszuschalten, wohingegen andere noch schwieriger zu knacken sind. Am einfachsten können Browser-Cookies gelöscht werden. Man kann selber kontrollieren, wie diese gespeichert werden und somit auch löschen.

Flash und Silverlight als Einfallstore

Evercookies beruhen dahingegen oft auf zwei der wichtigsten Video-Streaming Browser-Plug-Ins: Microsoft Silverlight und Adobe Flash. Diese Plug-ins ermöglichen ihr eigenes Caching und Speichern, sodass die Informationen zwischen Sitzungen und sogar Browsern genutzt werden kann. Falls Sie Silverlight für das Streamen von Videos nicht benötigen, dann können Sie das Plug-in auch deinstallieren.

Diverse andere Methoden beruhen auf Browser Caches und Speicher-Mechanismen von HTML5 , die dafür entwickelt wurden, damit Web Apps einfacher Informationen im Browser speichern können – und das sogar ohne eine bestehende Internetverbindung.

So leicht geht's: Safari-Verlauf löschen
Vergrößern So leicht geht's: Safari-Verlauf löschen

Einfache Cookies löschen

Nicht alle Elemente können Sie als normaler Nutzer löschen, wobei regelmäßig die Caches zu leeren immer hilfreich ist. In macOS bieten sich in Safari zwei Möglichkeiten: eine leichte und eine schwere. Für die leichte Option wählen Sie im Safari-Browser "Safari > Verlauf löschen". Wählen Sie anschließend die Option, den gesamten Verlauf zu löschen und eine Menge Daten und Informationen werden entfernt. Dazu zählen besuchte Seiten und Browser Cookies.

Bei der etwas schwierigeren Alternative muss das Entwickler-Menü in Safari aktiviert sein. Gehen Sie dafür auf "Safari > Einstellungen > Erweitert". Setzen Sie ganz unten einen Haken bei "Menü „Entwickler“ in der Menüleiste anzeigen". Nun wird in der Safari-Menüleiste der Eintrag " Entwickler" angezeigt, worüber Sie den Cache-Speicher leeren können. Aber Achtung: Es erscheint keine Warnung und es gibt auch kein Zurück, sobald die Option gewählt wurde. Der gesamte lokale Speicher sowie alle Browser-Cookies werden gelöscht.

Für Safari auf iOS-Geräten gibt es ebenfalls zwei Methoden, um alle Daten zu löschen, wenn Sie nicht den privaten Surfmodus nutzen: Öffnen Sie Safari und klicken Sie auf das Lesezeichen- Symbol in der unteren Menü-Leiste. Wählen Sie anschließend "Verlauf" und klicken Sie unten rechts auf "Löschen" . Wählen Sie I"nsgesamt" aus. Es werden nun alle Cookies und Webseiten-Daten gelöscht, genauso wie der Verlauf von allen iCloud-Geräten. Alternativ können Sie über die Einstellungen- App im Reiter "Safari "den Verlauf und Websitedaten löschen.

Sie können auch Webseiten spezifische Daten löschen: Klicken Sie auf "Einstellungen > Erweitert > Website-Daten ". Es kann einen Moment dauern, bis die geladenen Daten angezeigt werden. Scrollen Sie nach unten und wählen Sie "Alle Website-Daten entfernen" oder gehen Sie auf "Bearbeiten " in der oberen rechten Ecke und löschen Sie individuell Website-Daten. Bei diesem Vorgang bleiben jedoch die Browser-Cookies erhalten.

Da iOS keine Option bietet, um alle Caches zu löschen, ist man einem größeren Risiko des Evercookie-Tracking ausgesetzt. Daher ist es ratsam, den privaten Surfmodus bei Seiten zu nutzen, mit denen man weniger vertraut ist.

Mehr Sicherheit auf Knopfdruck?

Browser-Entwickler wie Apple könnten durchaus mehr Einfluss auf das Tracking nehmen. Es gibt keinen Grund, weshalb Evercookies existieren sollten: Denn wenn jemand seine Cookies löscht, wurde der Löschvorgang absichtlich durchgeführt. Und jeder Versuch, den Nutzer zu überlisten, ist nicht in dessen Sinne. Derzeit müssen verschiedene Methode angewandt werden, um sich selbst schützen zu können. Eine Option, die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen per Knopfdruck einzuleiten , existiert leider (noch) nicht.

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