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Externe SSD für Mac: Darauf sollten Sie bei portablen SSDs und Gehäusen achten

16.05.2019 | 08:23 Uhr | Stephan Wiesend

Kaufberatung: Bei externen SSDs gibt es immer größere Leistungsunterschiede und neue Themen wie USB-C und QLC-SSDs. Wir erklären, auf was Sie achten sollten.

Als Mac-Besitzer kommt man um externe Speichermedium kaum herum – allein für das Time Machine Backup ist ja ein externes Speichermedium unabdingbar, oft zwingen Apples Speicherpreise zum Auslagern von iTunes-Bibliotheken oder Foto-Archiven – wofür man übrigens keinesfalls die Backup-Festplatte verwenden sollte!

Bei herkömmlichen Festplatten kann man wenig verkehrt machen: Eine externe Festplatte stammt meist entweder von Seagate oder WD und bei Leistung und Preis gibt es kaum Unterschiede. Erwirbt man dagegen  eine externe SSD, gibt es extreme Preisunterschiede und zahlreiche unterschiedliche Schnittstellen. Warum kostet etwa die nagelneue ADATA SD600Q mit 480 GB gerade 72 Euro, die 500 GB bietende G-Technology G-Drive mobile Pro aber 250 Euro? Aktuell gibt es drei unterschiedliche „Preisklassen“, die vor allem von der verwendeten Schnittstelle bestimmt werden.

Discounter-Klasse: Günstige externe SSDs mit alter USB-Schnittstelle

Günstige SSDs gibt es aktuell schon für knapp 30 Euro, dafür erhält man beispielsweise eine kompakte Intenso Portable Premium mit 128 GB, mit 512 GB für 70 Euro. Warum ist sie aber so günstig? Der Grund: Es handelt sich hierbei um ein Auslaufmodell, basierend auf einer alten SSD mit einem günstigen Brückenchip. Intern war in unserem Geräte eine preiswerte SATA-SSD von Adata verbaut (mSata), die Intenso einzeln für 24 Euro verkauft. Allgemein sind externe SSDs mit alter USB-Steckverbindung günstiger, für Gehäuse und Sata-auf-USB-Brückenchip fallen nur niedrige Kosten an. Durch die sehr kompakte Bauweise neigt die SSD zur Überhitzung, weshalb man sie besser nicht als Boot-Festplatte oder für Dauerlast nutzen sollte.

Besonders günstig ist die Intenso Portable SSD Premium
Vergrößern Besonders günstig ist die Intenso Portable SSD Premium

Leider gibt es bei aktuellen Macs manchmal Probleme mit dieser alten USB-Schnittstelle. Bei einem Mac Mini 2018 können schlecht abgeschirmte USB-Kabel für WLAN- oder Bluetooth-Problem sorgen , beim Macbook steht nur eine USB-C-Schnittstelle zur Verfügung. Man benötigt also zusätzlich einen lästigen Adapter.

Vorteile: preisgünstig, wenig Probleme mit Überhitzung, kompatibel mit alten Geräten

Nachteile: relativ groß (bei verbauten 2,5-Zoll-Laufwerken), begrenzt auf SATA-Geschwindigkeit, Adapter für neue Macs erforderlich, mögliche Probleme mit aktuellen Macs

Unsere Empfehlung: Keine Empfehlung, eher für Schnäppchenjäger und alte Rechner

Die Mittelklasse: USB-C-SSDs

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten externe SSDs mit USB-C-Schnittstelle – vorzugsweise sollten man diese von einem Anbieter mit eigener SSD-Produktion kaufen. Besonders interessant sind drei Modelle: Die SSD Portable T5 von Samsung , My Passport SSD von WD und die Extreme Portable Sandisk mit USB-C-Schnittstelle. Ebenfalls empfehlenswert sind die von uns vor kurzem getestete Lacie Portable oder die externe SSD von G-Technology G-Drive mobile SSD. Ein Modell mit zeitgemäßen 1 TB Speicher gibt es für knapp 180 Euro, dabei handelt es sich um ausgereifte Geräte mit wenig Platzbedarf und hoher Zuverlässigkeit. Auch als Boot-Festplatte sind sie verwendbar, etwa um einen Mac Mini oder ein Macbook mit wenig Speicherplatz auszustatten. Intern verbauen die genannten Hersteller relativ leistungsstarken Flash-Speicher.

Diese externen SSDs können wir eigentlich uneingeschränkt empfehlen: Die Leistung ist hervorragend, Modelle von Samsung und G-Technology haben auch einen besonders guten Ruf, was ihre Langzeitstabilität betrifft.

Sony hat schnelle externe SSDs angekündigt
Vergrößern Sony hat schnelle externe SSDs angekündigt

Diese aktuellen externen SSDs sind allerdings eigentlich schon veraltet: Intern basieren sie auf der veralteten Schnittstelle SATA und werden durch ihren internen Brückenchip auf eine maximale Transferrate auf knapp 550 MB/s begrenzt – eine interne SSD eines aktuellen Macs schafft über 2000 MB/s. Aktuell steht eine komplett neue Generation schnellerer Modelle vor der Tür: Von Sony die neuen Modellen namens SL-M und von Sandisk die Extreme Pro – hier werden intern NVMe-SSDs verbaut, was dank neuer Brückenchips eine Transferrate von knapp 1000 MB/s ermöglicht. Leider führt dies nach unseren Erfahrungen auch zu thermischen Problemen, weshalb wir auf erste Tests dieser neuen Modelle gespannt sind. In der Praxis merkt ein Anwender einer Transferrate von 900 statt 500 MB/s außerdem wohl nur wenig, viel wichtiger ist im alltäglichen Einsatz die Zugriffszeit und gute konstante Leistungen: Diese bestimmt, wie schnell ein Programm wie Word oder Photoshop startet oder wie schnell der Mac neu bootet.

Die neu Sandisk Extreme Pro Portable soll bald erscheinen.
Vergrößern Die neu Sandisk Extreme Pro Portable soll bald erscheinen.

Vorteile: preisgünstig, akzeptable Leistung, gute Kompatibilität mit macOS

Nachteile: begrenzte Transferrate, relativ teuer

Unsere Empfehlung: Samsung T5 1 TB für 173 Euro

Die Oberklasse: Thunderbolt-3-Geräte mit Profi-Leistung ab 230 Euro

Selbst höchste Ansprüche erfüllt eine externe SSD mit Thunderbolt-Schnittgestelle. Die bis zu 2500 MB/s schnelle Schnittstelle macht diese Speichermedien vor allem für Video-Profis und Fotografen interessant. Hat man einen Mac mit winziger internen SSD, erhält man per Thunderbolt gleich schnellen und deutlich günstigeren Speicherplatz.  Unterteilen kann man die Thunderbolt-3-Speichergeräte in zwei Kategorien: Mobile Geräte ohne Lüfter und teure Profi-Lösungen mit Lüfter. Eine Übersicht über die aktuellen Modelle haben wir in einem eigenen Artikel bereits vorgestellt .

Besonders die kleinen mobilen Geräte sind mittlerweile bezahlbar geworden, bereits für knapp 220 Euro gibt es die Samsung X5 mit 500 GB Speicher. Achillesferse der schnellen externen SSDs ist allerdings ihre starke Erwärmung: Samsung reguliert dies durch Kühlpads und das schnelle Absenken der Leistung, andere Hersteller setzen auf ein schweres Metallgehäuse, das die Wärme abführen soll. Deutlich größer und schwerer ist etwa die G-Drive Mobile Pro von G-Technology, die selbst höchsten Ansprüchen gerecht wird. Für 1 TB Speicher muss man dann aber schon fast 500 Euro einkalkulieren.

Die X5 von Samsung ist ab 220 Euro zu haben.
Vergrößern Die X5 von Samsung ist ab 220 Euro zu haben.

Vorteile: hohe Leistung, gute System-Einbindung

Nachteile: sehr teuer, schnelle Erwärmung, Kompatibilitätsprobleme mit alten Macs und PCs

Unsere Empfehung: G-Drive Mobile Pro 1TB für 500 Euro oder 

Samsung X5 500 GB für 225 Euro

Die G-Drive Mobile Pro bietet eine Thunderbolt-3-Schnittstelle
Vergrößern Die G-Drive Mobile Pro bietet eine Thunderbolt-3-Schnittstelle

Eigenbaulösung für Sparsame: Externes Gehäuse plus SSD

Gute externe SSDs sind teuer, weshalb so mancher nach Alternativen sucht. Die naheliegende Lösung: Man kauft eine günstige SSD und baut sie in ein externes Gehäuse ein. Durch Überkapazitäten und neue Technologien sind vor allem SATA-SSDs aktuell sehr preiswert, das gilt besonders beim Kauf einer SSD ohne Gehäuse. Hier gibt es im Prinzip zwei Kategorien: Günstige neue SSDs und Auslaufmodelle. Empfehlen würden wir aktuell eher ein Auslaufmodell, etwa ein altes Großserienmodell eines renommierten Herstellers, Die empfehlenswerte und zuverlässige MX500 mit 1 TB Speicher von Crucial gibt es für knapp 120 Euro, eine lahmere Sandisk Plus für knapp 95 Euro. Genügen 120 GB, erhält man schon ab 16 Euro eine brauchbare SSD.

Als Gehäuse würden wir für Mac-Anwender zu einer Version mit USB-C-Schnittstelle raten, damit gibt es bei neuen Macs weniger Probleme. Für 16 Euro gibt es bei Amazon von Raidsonic die Icy Box IB-235-C31. Der Einbau dauert nur wenige Sekunden und ist auch für Einsteiger mit linken Händen kein Problem.

Empfehlung: MX500 1TB plus Icy Box IB-235-C31 für 136 Euro

Besitzer eines älteren Macs oder Macbook benötigen ein Modell mit herkömmlicher USB-Schnittstelle des alten Typs USB-A – hier beginnen die Preise schon ab 9 Euro .

Eigenbaulösung für Profis: NVMe - Schnell aber mit Neigung zur Überhitzung

Nachfolger der SSD mit SATA-Anschluss sind die schmalen kleinen NVMe-SSDs, die Datentransferraten von über 3000 MB/s erreichen – ausgelegt sind sie aber eher für den Einbau in einen Desktop. Auch hier liegt die Idee nahe, einfach eine dieser SSDs zu kaufen und in ein externes Gehäuse einzubauen. Das ist aber deutlich komplizierter als bei den ausgereiften SSDs mit SATA-Anschluss: Das Angebot von NVMe-Gehäusen ist sehr klein: Will man ein Gehäuse mit Thunderbolt-3-Schnittstelle, gibt es nur ein einziges Gehäuse von i-Tec im Fachhandel, das zudem ab 120 Euro kostet. Laut unserem Test ist es dafür erstklassig und der Einbau der SSD sehr einfach.

Nicht viel umfangreicher ist das Angebot von USB-C-Gehäusen für NVMe-SSDs: Im Fachhandel gibt es zwei Gehäuse von Raidsonic und ein Gehäuse von Delock. Wir würden hier das von uns bereits getestete Modell Icy Box IB-1817M-C31 (das silberne, nicht das ältere schwarze Modell) empfehlen – für ab 40 Euro. Über Amazon sind noch zahlreiche weitere Modelle von chinesischen Herstellern verfügbar, hier sind aber Garantie und Support unsicher.

Relativ klein ist auch die Anzahl der empfehlenswerten SSDs: Sehr gut eignet sich etwa die Samsung SSD 970 Evo Plus, die man mit 1 TB Speicherplatz für 208 Euro erhält. Bereits zum halben Preis gäbe es zwar die Crucial P1 oder Intel SSD 660p mit 1TB Speicher, allerdings handelt es sich hier um Modelle mit lahmen QLC-Speicher. In einem unserer Tests neigte die P1 außerdem zu relativ hoher Wärmeentwicklung unter starker Last. Profis wie Videofilmer sollten da nicht am falschen Ende sparen.

(Nachtrag) Achtung: Einige neuere SSDs sind nicht mit der externen Lösung kompatibel, zu hoch ist der Strombedarf: Nicht kompatibel sind die  Samsung 970 EVO PLUS, Samsung 970 PRO, Samsung 960 PRO, Samsung 960 EVO, PILOT XTB – MKNSSDPLXTB-D8

Empfehlung:   Samsung SSD 970 EVO plus 1TB plus i-tec MySafe Thunderbolt 3 für 340 Euro.

oder Samsung SSD 970 EVO Plus 1TB plus Icy Box IB-1817M-C31 für 248 Euro

Das Thunderbolt 3-Gehäuse von i-Tec ist leider relativ teuer.
Vergrößern Das Thunderbolt 3-Gehäuse von i-Tec ist leider relativ teuer.

Tipp: Wie sie eine externe SSD unter macOS Mojave formatieren und nutzen lesen Sie in diesem Ratgeber.

Was man beachten sollte: Preiswerte QCL-SSD und große Datenmengen

Es gibt neue externe SSDs, die sehr günstig sind: Schon für 72 Euro erhält man die nagelneue ADATA SD600Q mit 480 GB. Hier ist aber nicht hohes Alter der Grund für den niedrigen Preis: Adata verwendet eine komplett neue Art von Flash-Speicher. Seit letztem Jahr ist der neue QLC-Flashspeicher auf dem Markt, der seit kurzem auch in externen SSDs verbaut wird. Dazu gehört etwa die P1 von Crucial, die Intel SSD 660p und die Adata Ultimate SU630. Samsung bietet es die neue Samsung SSD 860 QVO 1TB, die man bei Amazon für 110 Euro erhält. Der Vorteil: Auch große SSDs sind plötzlich bezahlbar, die 2TB-Version der QVO ist bereits für 235 Euro zu haben – noch vor einigen Jahren undenkbar.

Dieser Speicher ist allerdings beim Kopieren großen Datenmengen deutlich langsamer und die Lebenserwartung könnte aus technischen Gründen geringer sein. Die Speicherzellen werden stärker beansprucht, was die Lebensdauer beeinträchtigen könnte. Allerdings fehlen hier noch Erfahrungen aus der Praxis. Relevant ist aber wohl eher, dass bei großen Datenmengen die Datentransferrate schnell einbricht: Will man 50 GB an Videodateien auf die SSD kopieren, sinkt das Transfertempo nach einiger Zeit plötzlich stark ab: Bei einer von uns getesteten Samsung 970 QVO 1 TB etwa von über 500 MB/s auf enttäuschende 70 MB/s. Das ist im Alltag oder bei der Nutzung als Systemvolume nicht von Belang, die SSD von Samsung hat ein erstklassiges Cache-System, das diese Schwäche gut kompensiert. Viele Mac-Profis wollen ihre externe SSD aber gerade für das Kopieren von sehr großen Datenmengen nutzen - und für diese Aufgabe ist QLC-Speicher eben nicht ideal: Muss man während eines Videoprojekts ständig riesige Videodaten verwalten, kann das Speichermedium nie schnell genug sein und lahmer Speicher hat schon manchen Feierabend verzögert oder das ganze Team aufgehalten.

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