2587104

Fake-Airpods: So unterscheiden Sie echte Airpods Pro von gefälschten

30.05.2021 | 10:30 Uhr | Stephan Wiesend

Gefälschte Airpods Pro sind weit verbreitet, wir zeigen woran Sie einen falschen Kopfhörer erkennen.

Apples Airpods sind sehr begehrt, leider aber auch teuer. Im Apple Store verlangt Apple noch immer 279 Euro, selbst als Schnäppchen im Online-Handel muss man knapp 200 Euro veranschlagen.

Oft gibt es die beliebten weißen Kopfhörer jedoch noch viel günstiger, etwa auf Ebay für 159 Euro – angeblich nagelneu und originalverpackt. Immer öfter entpuppt sich das vermeintliche Schnäppchen dann aber als Produktfälschung, die dem teuren Original täuschend ähneln. Produktfälschung sind kein neues Problem, Airpods Pro sind aber ungewöhnlich stark betroffen und man findet verdächtige Angebote auf zahlreichen Verkaufsplattformen. Für Produktfälscher scheint dank hohen Preisen und großer Nachfrage dieses Modell ideal zu sein – bleibt doch selbst bei hohem Fälschungsaufwand noch eine gute Gewinnspanne übrig. Hergestellt werden die Kopien offenbar in rauen Mengen. Auch einer unserer Leser fiel auf ein solches Angebot herein und bemerkte erst zu spät den Betrug. Wie wir uns überzeugen konnten, handelt es sich in der Tat um eine hervorragende Kopie, die wir uns etwas näher angesehen haben.

Der erste Eindruck – Verpackung und Zubehör

Bei manchen Kopien von Apple Produkten hat man es leicht: Die Verpackungsqualität ist oft mangelhaft, bei der Beschriftung fallen Tippfehler wie „Dseigned by Apple“ oder Übersetzungsfehler auf. Die Fälscher haben aber dazugelernt, bei der uns vorliegenden Verpackung fanden wir erst auf den zweiten Blick einige Ungereimtheiten. Statt „Compatible with iOS device, iPad OS device, Apple Watch, or Mac“ stand auf dem Etikett etwa „Compatible with iOS device. Apple Watch. or Mac“ und „Kompatibel mit iOS- und iOS-Geraten“  – vor allem fehlende Umlaute sind wohl ein typischer Fehler. Ein Foto einer Originalverpackung kann man sich übrigens ohne Probleme über das Web besorgen, etwa hier . Zugegeben: Wer liest schon grundlos solche Etiketten?

Seriennummer prüfen

Man muss das Gerät aber gar nicht erst auspacken, als ersten Schritt kann man die Seriennummer überprüfen. Diese ist auf der Seite der Verpackung zu finden und kann über eine Webseite von Apple eingegeben werden. Bei unserem Fake-Gerät wurde diese sofort bemängelt und das Gerät als Kopie entlarvt.

Laut Berichten funktioniert diese Prüfung aber leider nicht immer, offenbar nutzen manche Fälscher von Apple nicht bemängelte  Seriennummern . Hier kann man erst nach dem Öffnen des Kartons und einigen Prüfungen ganz sichergehen.

Bei seltsamen Tippfehlern – und nicht nur dann – sollte man die Seriennummer überprüfen.
Vergrößern Bei seltsamen Tippfehlern – und nicht nur dann – sollte man die Seriennummer überprüfen.

Lieferumfang und Zubehör prüfen

Auf den ersten Blick wirken die meisten Fake-Geräte völlig in Ordnung, auch das Zubehör ist vollständig. Bei unserem Testgerät finden sich alle üblichen Papiere und Anleitungen, echt aussende Airpods Pro inklusive Gehäuse, ein wie üblich umständlich eingewickeltes Lightning-Kabel nebst Alternativ-Stöpseln.

Kleine Details fallen auf, etwa schlechte Druckqualität.
Vergrößern Kleine Details fallen auf, etwa schlechte Druckqualität.

Schon bei den beiliegenden Anleitungen wird mancher aber wohl misstrauisch: Die Druckqualität ist bei unseren Anleitungen nur mäßig, vor allem bei den Abbildungen sehen wir ein recht grobes Druckraster und unscharfe Schrift. Bei Apple-Beilagen sehr ungewöhnlich – eigentlich ist dies aber noch kein wirklicher Beweis...

Firmware testen

Noch seltsamer ist die Firmware des Gerätes. Bei unserem Gerät lautet sie 0A2097 – eine ID, die von Apple nie verwendet wurde. Laut Berichten ist auch ein Update der Geräte so nicht möglich. Hier sollte man weitere Tests durchführen.

Werden sie vom iPhone oder Mac sofort erkannt?

Was bisher wohl kaum ein Fake-Airpod besitzt, ist ein sogenannter W1-Chip, ein Spezialchip von Apple. Dieser sorgt dafür, dass Airpods fast sofort von einem iPhone, iPad oder Mac erkannt und eingebunden werden. Öffnet man die Ladehülle, sollte ein nahes iPhone deshalb sofort die Airpods erkennen und verbinden. Auch bei unserem Airpod öffnet sich auf unserem iPhone ein Fenster. Der große Unterschied: Wir werden angewiesen, die Taste auf der Rückseite des Gehäuses zu drücken. Erst dann werden die Ohrhörer von iOS eingebunden. Bei einem Original würde dieser zusätzliche Tastendruck entfallen.

Ein solcher Tastendruck sollte eigentlich nicht notwendig sein.
Vergrößern Ein solcher Tastendruck sollte eigentlich nicht notwendig sein.

Auch die zusätzliche Nutzung an einem Mac Mini ist (mangels W1-Chip) nur unzuverlässig möglich, der Wechsel zwischen Mac und iPhone gelingt nur über das Bluetooth-Menü und es gibt Probleme mit der Erkennung des Mikrofons.

Tückisch: Das iPhone geht offensichtlich davon aus, Airpods Pro vor sich zu haben und zeigt die üblichen Anleitungen für die Nutzung. Tippt man unter Bluetooth auf das Infosymbol neben dem aufgelisteten Gerät, öffnen sich außerdem die Voreinstellungen der Airpods.

Funktionalität testen

Der aufschlussreichste Test ist wohl das Überprüfen der Funktionalität. Das Problem: Je nach Qualität des Fakes unterstützen die Geräte mal mehr, mal weniger Funktionen. Bei den Funktionstests gelingen Fakes oft sogar einige Täuschungen. So kann der Passtest für Ohreinsätze bei unserem Testgerät vollständig durchgeführt werden. Der Trick dabei: Der Test gelingt immer. Auch wenn man nur einen der Ohrhörer trägt, wird optimaler Sitz beider Ohrhörer bescheinigt.

Seltsam: Der Test ist immer erfolgreich.
Vergrößern Seltsam: Der Test ist immer erfolgreich.

Eine der aufwendigsten Funktionen der Pro-Modelle ist aber die Geräuschunterdrückung, die auf den hochwertigen Mikrofonen der Airpods basiert. Zu unserer Überraschung kann man diese Funktion sogar aktivieren und auch die Option Transparenz einschalten. Wie wir schnell feststellen, hören wir aber nicht den geringsten Unterschied bei aktivierter und deaktivierter Geräuschunterdrückung – ein offensichtlicher Bluff.

Leider scheint dieser Test nicht immer zu funktionieren: Manche der Betrugsopfer berichten von einer funktionierenden Geräuschunterdrückung, anscheinend gibt es mittlerweile Fakes mit echten Mikrofonen.

Allgemein scheinen die Produktfälscher aber vor allem an den Mikrofonen zu sparen: Ein kurzes Test-Diktat liefert haarsträubende Tonqualität, für Telefonate sind die Ohrhörer so nicht geeignet – sofern man nicht ausschließlich zuhören will. Wie zu erwarten ist außerdem die Audioqualität sehr mäßig und nicht auf dem Niveau aktueller Bluetooth-Kopfhörer. Musikhören macht damit mangels Klarheit und Bass wenig Freude, offensichtlich haben die Fälscher Bauteile minderer Qualität verbaut. Da verwundert es kaum, dass die neue Funktion 3D-Audio gar nicht erst angezeigt wird und nebenbei auch das drahtlose Aufladen nicht funktioniert.

Schade: Auch als Zweitgerät taugen solche Fakes nicht und können eigentlich nur noch zurückgeschickt oder entsorgt werden.

Ein Blick ins Innere

Es gibt weitere Hinweise: Schnell fallen uns einige Verarbeitungsmängel auf. Die kleine Plastik-Abdeckung auf der Außenseite fällt nach einigen Minuten Nutzung plötzlich ab (lässt sich aber leicht wieder anstecken). Die Kappe unten an den „Stielen“ lässt sich relativ leicht abziehen und enthüllt das Innere. Laut iFixit müssten wir hier eigentlich auf ein hochwertiges kleines Mikrofon stoßen. Stattdessen sehen wir aber eine Leiterplatte mit der Aufschrift dxc-t18U8 – und kein Mikrofon, was die fehlende Aufnahmemöglichkeit erklärt. Wie andere Tests vermuten, haben manche Airpods nämlich keine Mikros und nutzen den Lautsprecher als Mikrofon – was im Prinzip funktioniert aber die horrende Qualität erklärt. Für eine weitere Analyse müsste man das Gehäuse aufbrechen, was wir aber hier vorerst verschieben.

Hier sollte sich eigentlich ein kleines goldenes Mikro befinden.
Vergrößern Hier sollte sich eigentlich ein kleines goldenes Mikro befinden.

Und was nun?

Was aber tun, wenn man seine neuen Ohrhörer als Niete identifiziert hat? Ist der Onlineshop oder Ebay-Verkäufer noch immer aktiv, sollte eine Rückgabe oder Erstattung versucht werden. Meist lassen sich Verkäufer mit etwas Nachdruck und mehrfachen Bestehen auf Ersatz dann doch zu einer Erstattung des Kaufpreises überreden. Bemerkt der Käufer die Fälschung erst nach Ablauf der Widerrufsfrist, wird es allerdings etwas schwieriger. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um einen offensichtlichen Mangel, den den Verkäufer beheben muss. Eine Anzeige ist ebenfalls möglich, allerdings sollte man hier nicht zu viel erwarten: Der Streitwert ist schließlich recht niedrig. Eine Alternative ist eine Meldung bei Apple . Verzichten sollte man bei solchen Schnäppchen aber auf Bezahlvarianten ohne Käuferschutz, etwa eine Barzahlung.

Macwelt Marktplatz

2587104