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Frogg GmbH: "Online-WWDC funktioniert besser als erwartet"

23.05.2021 | 10:07 Uhr | Peter Müller

Schon seit dem Jahr 2013 besucht Frederik Riedel von Frogg die WWDC – und hofft auf Präsenz im nächsten Jahr. Nur eine Sache müsste dann dringend besser werden als die Jahre bis 2019 …

Larissa Laich und Frederik Riedel arbeiten seit 2011 zusammen: Im Jahr 2015 gründeten sie offiziell die Firma Frogg GmbH und veröffentlichten bereits zahlreiche Apps für iOS und im App Store. Die Einstellung weiterer Entwickler war ein wichtiger Meilenstein für Frogg, um das Unternehmen schneller wachsen zu lassen. Apples WWDC Stipendium hat definitiv ihr Leben langfristig beeinflusst. Durch die Erfahrungen und Kontakte, die wir sie auf ihrer ersten WWDC 2013 knüpfen durften, konnten sie nach und nach ihre Firma aufbauen und ihren Traum erfüllen: Ihre eigenen, sinnvollen Apps zu entwickeln, im App Store anzubieten und davon leben zu können. Dabei teilen sie auch Apples Fokus auf Privatsphäre und Datenschutz: Sie verdienen Geld mit den Apps und Subscriptions, die sie über den App Store anbieten, jedoch niemals mit den Daten ihrer Kunden. 

Weitere Entwickler-Geschichten zur WWDC 2021 können Sie hier finden.

Drei Ihrer Apps sind iRedstone (2,29 Euro) Redpoint (gratis, mit In-App-Käufen) , Homie (gratis, mit In-App-Käufen). Frederik Riedel beantwortet unsere Fragen:

Warst du schon mal live auf der WWDC  in San Francisco oder San Jose und wann war das genau?

Ich hatte die Gelegenheit die WWDC schon sieben Mal in San Francisco und San Jose zu besuchen. Das war in den Jahren 2013 bis 2019. 2020 und 2021 findet die WWDC ja aufgrund von Corona online statt, wo sich jeder aus dem Homeoffice zuschalten kann.

Wie kamst du zur WWDC? Glück bei der Verlosung der Tickets gehabt oder durch Einladung von Apple?

Zur WWDC gekommen bin ich durch Apples WWDC-Stipendium, welches Schülern und Studierenden ein kostenloses Ticket bereitstellt. Ich habe mich 2013 das erste Mal beworben. Als Bewerbung musste ich eine App programmieren, die zeigt, was ich technisch in einer App umsetzen kann und inhaltlich ein wenig über meine Projekte erzählt. Apple hat das anscheinend gefallen und so haben sie mich 2013 das erste Mal auf die WWDC nach San Francisco eingeladen. Für mich war das natürlich ein unglaubliches Erlebnis, zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur zur WWDC fliegen zu dürfen. Dass ich mal bei einer großen Apple-Keynote dabei sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. So viele gleichgesinnte App-Entwickler und Entwickler von Apple zu treffen hat mich unglaublich fasziniert und mich dazu gebracht meine Studienwahl zu ändern: Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Elektrotechnik studieren, habe mich dann aber auf Softwaretechnik festgelegt.

Durch die positiven Erfahrungen habe ich mich in den Jahren 2014, 2015 und 2016 wieder auf das Stipendium beworben und konnte die WWDC abermals besuchen. 2017 war dann ein spezielles Jahr, denn da habe ich im iOS-Safari-Team als Praktikant gearbeitet im Infinite Loop in Cupertino. So konnte ich die WWDC 2017 mal von der anderen Seite miterleben und Entwicklern bei Safari-Fragen weiterhelfen. 2018 habe ich dann wieder über das Stipendium eines der begehrten Tickets ergattern können und 2019 war das erste Jahr, nach meinem abgeschlossenen Studium, dass ich das Ticket selber gekauft habe (bzw. meine App-Firma).

Welche WWDC-Erfahrung hat dir bei der Entwicklung oder Vermarktung deiner Apps am meisten geholfen? Und welche WWDC-Erfahrungen waren für dich nicht so gut?

Auf der WWDC gibt es viele wichtige Anlaufpunkte, um die eigenen Apps weiterzuentwickeln und Kontakte zu knüpfen. So habe ich viele gute Freunde und Gleichgesinnte auf der WWDC kennengelernt, die überall auf der Welt an ihren eigenen Apps und Projekten arbeiten. Das motiviert natürlich ungemein, schafft aber auch neue Möglichkeiten für gemeinsame Projekte und Ideenaustausch. Die Labs, die Apple anbietet, sind für mich die beste Möglichkeit, um frustrierende Probleme mit denen ich z.T. monatelang kämpfen muss, mit den Apple-Ingenieuren, die die entsprechenden Frameworks programmiert haben, zu klären. Diese erkennen dann das Problem oft innerhalb von ein paar Minuten und dann finden wir zusammen eine Lösung. Oftmals in einem anderen Bereich, den ich noch nicht kannte, oder der durch eine unvollständige Dokumentation nicht kennen konnte. Manchmal ist es aber auch ein tieferliegendes Problem in Apples Betriebssystem oder Framework, das dann in einem Software-Update behoben werden muss. Trotzdem ist aber auch in solch einem Fall ein Gespräch sehr sinnvoll, da ich Apple so auf den Fehler aufmerksam mache, und dann mit dem Entwickler in Kontakt bleiben kann, bis das Problem für alle behoben wurde.

Was mir an der WWDC nicht gut gefällt, ist das schlechte Essen, das uns von Apples Catering angeboten wird – das ist eine extrem ereignisreiche Woche und eine gesunde Ernährung wäre eigentlich für alle sehr wichtig, um gut durchzuhalten.

Was war deiner Ansicht darüber hinaus die wichtigste Software-Entwicklung Apples in den letzten Jahren in Bezug auf deine Apps? Was hat am meisten enttäuscht?

Für mich ist die wichtigste Neuerung im Software-Bereich Apples die Bereitstellung von immer mehr iOS-Frameworks auf dem Mac, z.B. via Catalyst. Ich bin kein großer Fan davon iOS-Benutzeroberflächen 1:1 auf den Mac zu übertragen (auch wenn das heutzutage sehr einfach möglich wäre), aber ich finde es super, dass nun endlich iOS-Frameworks wie Homekit auch auf dem Mac verfügbar sind. Dadurch konnte ich mir nämlich einen großen Wunsch erfüllen und eine App programmieren, die Homekit-Accessories und Szenen in der Menüleiste des Macs ablegt, direkt neben Batterie, WLAN & Co. Somit habe ich endlich den schnellen Homekit-Zugriff, den ich mir schon immer gewünscht hatte. Eine andere Technologie, die mich sehr fasziniert, ist SwiftUI. Ich glaube, das hat eine Menge Potential und ist die Zukunft der App-Entwicklung. Jedoch halte ich es für noch nicht ausgereift. Enttäuscht bin ich davon deshalb nicht, aber ich freue mich schon auf die Updates in den nächsten Jahren!

Wie hat dir das reine Online-Event von 2020 gefallen? Ist das deiner Ansicht nach auch in Zukunft das bessere Format oder sehnst du dich schon nach einer realen WWDC im Jahr 2022?

Das Online-Event hat besser funktioniert, als ich erwartet hätte. Die Keynote war super umgesetzt und ich konnte mich mit meinen Fragen in virtuellen Labs direkt an Apple-Ingenieure wenden. Insgesamt ist das natürlich auch deutlich gerechter, wenn die Konferenz für alle Entwickler weltweit offen steht, nicht jeder kann sich jedes Jahr ein Ticket & Flug nach Kalifornien leisten. Jedoch hat mir der soziale Aspekt gefehlt: Meine Freunde zu sehen, uns auszutauschen, und neue App-Entwickler kennenzulernen. Diesen zufälligen Teil kann man virtuell nicht nachstellen. Deshalb freue ich mich auch schon auf die WWDC 2022!

Was erwartest du konkret von iOS 15, iPadOS 15, watchOS 8 und tvOS 15?

Als Benutzer freue ich mich auf mehr Datenschutzeinstellungen und mehr Konfigurationsmöglichkeiten, z.B. beim Control Center. Außerdem denke ich ein Feinschliff bestehender Lösungen und Systeme wäre sinnvoll, um die User-Experience abzurunden, z.B. zusätzliche iCloud-Synchronisierungsmöglichkeiten, z.B. für IMAP-Mail-Accounts oder noch mehr Automatisierungen für die Shortcuts-App (um meine “one sec”-App weiterentwickeln zu können).

Für watchOS wünsche ich mir, dass mehr Frameworks von iOS auch auf der Watch verfügbar sind. In einigen Bereichen ist die Programmierung nämlich noch sehr limitiert auf der Watch.

Was erwartest du konkret vom neuen macOS 12?

Ich hoffe sehr auf eine Überarbeitung und Optimierung einzelner Apps: z.B. Mail, Messages oder das gute alte Festplattendienstprogramm. Außerdem würde ich mich freuen, wenn die Shortcuts-App auch auf macOS Einzug hält, als eine Art Hybrid aus Automator und Shortcuts-App, wie wir sie von iOS kennen. Dann wäre es auch möglich meine “one sec” App endlich auf dem Mac anbieten zu können.

Wirst du deine Apps auch auf den M1-Mac bringen oder genügt dir iOS?

Wo es Sinn ergibt, möchte ich meine Apps auch mehr auf macOS bringen, z.B. meine Processing-App für iOS. Da man hier programmieren kann, wäre eine Umsetzung für macOS (mit Tastatur und größeren Bildschirmen) definitiv sinnvoll. Ich bin jedoch kein großer Fan davon die Benutzeroberfläche 1:1 von iOS zu übernehmen. Dank M1 + Catalyst ist es jedoch sehr einfach die ganzen Services, die im Hintergrund der App laufen (z.B. das Formatieren, Einfärben und Ausführen des Codes), auf den Mac zu bringen. Das nimmt mir sehr viel Arbeit ab und macht den Umzug auf den Mac einen Schritt einfacher.  

Welchen Namen wird Apple dem nächsten Mac-System verpassen, wie lautet dein Tipp?

macOS Monterey

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