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Temperatur am Mac anzeigen – so geht's

04.02.2022 | 15:20 Uhr | Stephan Wiesend

GPU und CPU Ihres Macs oder Macbooks sind stark belastet und werden heiß? Wir zeigen, wie Sie die Temperatur anzeigen.

Ein Macbook Pro oder Mac Mini ist meist flüsterleise, gelegentlich wird es aber plötzlich sehr warm und die Lüfter springen an. Das ist meist kein Problem und schnell vorbei, manchmal erscheint die starke Auslastung allerdings rätselhaft – und der Besitzer eines nagelneuen Macbook Air M1 fragt sich beispielsweise, ob sich sein lüfterloser Mac eigentlich für Dauerlast und Gaming eignet.

Warum auf die Temperatur achten?

Für den Mac-Besitzer sollte die Temperatur interner Komponenten nach Ansicht von Apple eigentlich völlig irrelevant sein: Wird die GPU oder ein anderes Bauteil zu heiß, springen schließlich automatisch die Lüfter an und die Grafikkarte wird gekühlt. Wird sie zu heiß, schaltet sich der Rechner in Notfall einfach ab.

Das ist aber unter Umständen nicht ganz so einfach: Der neue Mac Mini M1 ist ja vielleicht nicht nur für gelegentliche Büroarbeiten gedacht, sondern soll ein 5K- oder 6K-Display ansteuern, stundenlang Videodateien oder RAW-Fotos bearbeiten – und diese Aufgabe auch mehrere Jahre erfüllen. Manch erfahrener Anwender will außerdem einfach wissen, warum bei bestimmten Aufgaben die Lüfter anspringen und wie er dies verhindert. Ein Besitzer eines älteren Macbook Pro sollte zudem die unnötige Überhitzung seines alten Macbooks vermeiden – neigt die GPU mancher Intel-Modelle doch zu Hitzeschäden.

Ursache bestimmen

Sucht man nach der Ursache einer hohen Auslastung und Überhitzung eines Macs, genügte meist der schnelle Blick auf die Aktivitätsanzeige. Vorwiegend ist es die CPU, die komplett ausgelastet ist und für hohe Temperaturen im Mac-Gehäuse sorgt. Bei modernen Macs ist es aber etwas komplizierter geworden. Immer mehr Programmaktivitäten werden auf die Grafikkarte ausgelastet, die dann auch intensiv beansprucht wird – während sich die CPU geradezu langweilt. Dank Technologien wie Metal kann ein Programmierer nämlich viele rechenaufwendige Prozesse auf die GPU auslagern, die bestimmte Aufgaben dann schneller abarbeiten können als die CPU des Macs.

Wandelt man etwa mit Quicktime ein MP4-Video um, übernimmt bei modernen Macs die Grafikkarte diese Rechenarbeit. Aber auch beim Sichten von Fotos in Apples Bildverwaltung oder Bildbearbeitung wird die Mac-GPU stärker beansprucht als oft vermutet. Größtenteils sind es nur wenige Millisekunden, in denen eine App eine GPU belastet. Das ist für das Absolvieren einer Rechenaufgabe wie der Darstellung eines Fotos völlig ausreichend und entlastet die CPU. In einigen Fällen kann die GPU aber lange Minuten komplett ausgelastet sein und erhitzt sich schnell. Diese Fälle gilt es nun festzustellen.

Wie intensiv wird die GPU belastet?

Um Klarheit über die aktuelle GPU-Last zu erhalten, steht unter Monterey eine etwas versteckte Funktion der Aktivitätsanzeige zur Verfügung: Startet man das Dienstprogramm "Aktivitätsanzeige", findet man unter dem Menüpunkt „Fenster“ den Eintrag „GPU-Verlauf“.

Dieses Fenster der Aktivitätsanzeige ist sehr nützlich, wenn man wissen will, ob ein Programm oder eine Webseite die GPU gerade stark beanspruchen. Dazu zeigt eine Verlaufsanzeige die GPU-Last der letzten Sekunden als Grafik an. In unserem Beispielbild sieht man etwa zwei Erhebungen, eine kleine und eine sehr große: Bei der ersten Erhebung handelt es sich um die Grafik-Auslastung durch Apple Fotos. Das Aufrufen einiger Bilder beansprucht nämlich auch die GPU – wenn auch nur sehr kurze Zeit und nur um wenige Prozent. Weit stärker ist dagegen die Auslastung bei der zweiten Aktion: Hier exportieren wir mit iMovie ein Videoprojekt als MP4-Datei. Die CPU wird zwar auch belastet, die GPU sogar zu knapp 90 Prozent.

Hier wird die GPU erst durch Apple Fotos ein wenig, später durch einen Video-Export sehr stark belastet.
Vergrößern Hier wird die GPU erst durch Apple Fotos ein wenig, später durch einen Video-Export sehr stark belastet.

Will man genauere Informationen, was die GPU auslastet, muss man die Aktivitätsanzeige befragen. Aufgelistet wird dies in der Spalte "% GPU", die man erst einblenden muss. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste auf eine der Spalten. Man erhält nun eine Übersicht der Anzeigeoptionen eingeblendet. Aktiviert man die GPU-Spalte, wird jetzt die GPU-Aktivität jeder App angezeigt. Tipp: Die neue Anzeige wird nach der Aktivierung ganz rechts in der Übersicht angeordnet, das ist etwas unkomfortabel. Man kann die Anordnung aber per Drag-and-Drop ändern und die GPU-Anzeige neben die CPU-Anzeige setzen.

Die Auflistung der GPU-Aktivität muss man in der Aktivitätsanzeige erst aktivieren.
Vergrößern Die Auflistung der GPU-Aktivität muss man in der Aktivitätsanzeige erst aktivieren.

Das verrät uns leider noch nicht, wie heiß die GPU genau wird.

Wie stark erhitzt sich die GPU überhaupt?

Eigentlich ist jeder Mac mit bis zu hundert Sensoren ausgestattet, die unter anderem die Temperatur von Grafikkarte und GPU überwachen. Es gibt einige Tools, die diese Daten auswerten und auch die Temperatur der Grafikkarte anzeigen können – oft gibt es sogar mehrere Temperatursensoren pro Grafikkarte, was zu Verwirrungen führen kann.

Kostenlos nutzbar ist etwa die Shareware Macs Fan Control , die in seinem Hauptfenster die wichtigsten Temperaturwerte auflistet. Man kann sogar einen bestimmten Sensorwert in der Menüleiste einblenden. Auf Wunsch kann das Tool außerdem die Lüfter kontrollieren und früher anspringen lässt: Ein Gamer könnte mit der Software beispielsweise eine höhere Lüfterdrehzahl einstellen und so für bessere Kühlung sorgen. Nebenbei kann man so testen, ob die Lüfter funktionieren.

Auch die M1-Macs werden unterstützt.
Vergrößern Auch die M1-Macs werden unterstützt.

Die Temperatur anzeigen kann ebenfalls die Software iStat Menus , die aber 11 Euro kostet. Sehr genaue Messungen der Intel-CPUs ermöglicht zudem die Software Intel Power Gadget , die vom CPU-Hersteller Intel selbst stammt. Die Software Sensei von Cindori beherrscht diese Funktion (und viele weitere Funktionen) ebenfalls, nimmt dafür aber 29 Dollar pro Jahr.

Empfehlenswert ist auch der 5,49 Euro teure System Monitor von Marcel Bresink, der in der App Store-Version aber ebenfalls nur die CPU-Temperatur ausliest – eine Einschränkung durch Apple. Man muss über die Webseite den System Monitor Plus herunterladen, dann kann man die Anzeige über die Einstellungen dieser App freischalten und in der Menüleiste einblenden.

Grundsätzlich sind aber die von solchen Tools gelieferten Temperaturdaten immer mit ein wenig Misstrauen zu betrachten. Laut Marcel Bresink sollten diese Daten außerdem nur mit gewissen Abständen abgerufen werden (etwa fünf Sekunden), da sonst schon das Auslesen der Sensordaten das System zusätzlich belastet.

Warum diese Überprüfung in der Praxis trotzdem sinnvoll sein können, zeigen wir an zwei Beispielen:

Exportieren wir mit unserem Mac Mini von 2018 ein größeres Video als MP4-Datei, erhöht sich die Temperatur der GPU nach 10 Minuten immerhin auf 76 Grad. Das Gehäuse des Macs wird etwas wärmer, das bleibt aber wie die GPU-Temperatur noch im Rahmen. Soll doch das Aluminiumgehäuse nicht nur gut aussehen, sondern auch die Wärme ableiten. Längeres Encoding ist mit diesem Gerät also kein Problem.

In einem zweiten Beispiel prüfen wir das Verhalten unter maximaler Grafik-Last und starten dazu den Grafikbenchmark Unigine Valley. Hier fällt auf, dass schon nach acht Minuten die Grafikkarte eine Temperatur von 85 Grad erreicht. Das ist relativ hoch und ab dieser Schwelle erhöht das System folgerichtig auch die Lüfterdrehzahl. Das ist nach unserer Einschätzung noch vertretbar, aber nicht ideal. Für Gamer wäre es besser, wenn der Lüfter schneller hochdrehen würde, wenn auch dafür der Mac Mini sehr lange flüsterleise bleibt. Ein besorgter Nutzer könnte nun per Macs Fan Control die Lüfter früher hochdrehen lassen, als dies die Automatik von Apple vorgibt. Bei einem Macbook Air M1 ohne Lüfter hat man diese Möglichkeit natürlich nicht.

Die App Macs Fan Control zeigt die aktuelle Temperatur einer Grafikkarte.
Vergrößern Die App Macs Fan Control zeigt die aktuelle Temperatur einer Grafikkarte.

Sonderfall: Alte Macbook Pro mit zwei Grafikkarten

Viele Macbook Pro mit 15-Zoll-Bildschirm besitzen zwei Grafikkarten: Eine relativ langsame integrierte Intel-Grafikkarte und eine zweite eigenständige und leistungsstarke GPU – aktuell von AMD. Letztere liefert mehr Leistung, verbraucht aber viel Akku-Energie und wird meist schnell sehr heiß. Für den Anwender ist es deshalb manchmal nützlich, den Wechsel zwischen integrierter und diskreter Grafikkarte im Auge zu behalten. Welche Grafikkarte gerade aktiv ist, sieht man etwa im Fenster „Über diesen Mac“. Oft wird der Wechsel durch den Start eines bestimmten Programms ausgelöst, das die schnelle Grafikkarte nutzen kann. Dazu gehört Final Cut Pro, aber auch iMovie, Indesign und Photoshop sind dafür verantwortlich. In der Aktivitätsanzeige kann man unter der Rubrik „Energie“ erfahren, welche App diese „heiße“ Grafikkarte angefordert hat. Bei diesen Apps erscheint nämlich in der Spalte „Erfordert Hochleistungs-GPU“ der Eintrag „Ja“.

In der Aktivitätsanzeige erfährt man, welche App den Wechsel der GPU ausgelöst hat.
Vergrößern In der Aktivitätsanzeige erfährt man, welche App den Wechsel der GPU ausgelöst hat.

Bei Nutzung eines externen Monitors wird diese Grafikkarte ebenfalls automatisch aktiviert, was nebenbei zu sehr kurzen Akku-Laufzeiten führt.

Sonderfall Thunderbolt-Monitor

Was man nicht vergessen sollte: Auch andere Komponenten wie SSD und andere Module können überhitzen. Ein Beispiel: Nutzt man einen externen Monitor, treten vor allem beim älteren Macbook Pro Retina 15-Zoll gelegentlich seltsame Performance-Einbrüche auf. Schuld ist daran aber nicht die Grafikkarte, wie viele vermuten, sondern der für die Thunderbolt-Schnittstelle zuständige Brücken-Chip. Die Datenübertragung zum externen Monitor belastet ihn nämlich bei intensiver Nutzung so stark, dass der Thunderbolt-Chip sehr heiß wird. Dies führt dann dazu, dass die CPU heruntertaktet, um die Systemlast zu reduzieren und die Kühlung zu steigern.

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