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Jeden Drucker für Airprint aktivieren

04.01.2020 | 08:00 Uhr |

Der Druckerkauf ist nichts, was Mac-Anwender gerne tun: Immer neue Geräte mit nicht selten viel zu hohen Betriebskosten buhlen am Markt um die Gunst der Kunden. Wegen Airprint umsteigen? Im Leben nicht! Aber nachrüsten, das geht. Wir zeigen, wie.

Hardwarekäufe sollen ja eigentlich Spaß machen. Man freut sich über ein neues Gerät mit mehr Leistung und geringerem Stromverbrauch, packt es aus, schließt es an und ist (meistens) zufrieden. Nicht so bei Druckern: Deren Kauf kann schnell in höllische Preis-Leistungsvergleiche ausarten: Was kostet das Gerät? Was kostet die Tinte? Welche Funktionen hat der Drucker eigentlich? Soll er scannen? Fotos drucken? Faxen? Denn eigentlich sind Drucker für den Heimbereich und das kleine Büro seit über einer Dekade ausentwickelt, neue Modelle bieten selten einen nennenswerten Mehrwert. Glücklich also, wer einen Drucker besitzt, der funktioniert und günstig im Betrieb ist. Ärgerlich nur, dass das dumme Ding kein Airprint unterstützt – und das iPad Pro immer mehr zum Arbeitsgerät wird.

Airprint ist lästig, aber nachrüstbar

Dass Apple auf Airprint gesetzt hat, hatte ursprünglich einen Grund: iOS erlaubt keine zusätzlichen Drucker, die riesige Druckerbibliothek im CUPS-Druckersystem, das zum Beispiel auf dem Mac vorinstalliert ist, hätte die seinerzeit in puncto Speicher sehr schwach ausgestatteten iPhones und iPads unnötig belastet. Von daher rief man mit Airprint eine Software-Schnittstelle ins Leben, die das Drucken von iOS-Geräten aus leicht macht. Dummerweise setzten die Hersteller Airprint erst spät oder zum Teil bis heute nicht um, weshalb in vielen Haushalten und Büros gute, ältere Drucker stehen, die aber keinen Druck per iPad und iPhone erlauben. Was also tun? Ausmisten ist im Zweifel keine Option, wenn die Geräte noch funktionieren. Stattdessen können Sie Airprint aber nachrüsten.

Von iPad und iPhone auf jedem Drucker drucken

Dafür gibt es mehrere Methoden: Entweder, Sie lösen das Problem per Software und schließen den Drucker an einem Mac an. Anschließend installieren Sie einen Airprint-Treiber wie Handyprint für Mac (Donationware). Den Drucker müssen Sie nun nur noch über Handyprint als Airprint-Drucker freigeben. Das Problem hierbei: Der Mac muss permanent an sein , damit Sie Airprint jederzeit nutzen können. Das ist natürlich mit erheblichen Stromkosten verbunden.

Oder Sie setzen auf eine Drucker-App für iOS: Viele moderne Drucker bieten eine entsprechende Funktion. Zudem gibt es Drittanbieter-Apps für iOS, die eine große Zahl von Druckern unterstützen etwa Printer Pro . Das Problem hier: Die Bedienung ist aufgrund des iOS-Systemdesigns ausgesprochen umständlich, mal eben Drucken per Airprint geht eben nicht. Stattdessen muss das Dokument zunächst an die App übergeben werden und kann erst dann gedruckt werden. Im Notfall geht das – praktisch ist es aber nicht. Weshalb eine dritte Lösung am effektivsten ist.

Mit Handyprint können Sie einen lokalen Drucker für AirPrint freigeben
Vergrößern Mit Handyprint können Sie einen lokalen Drucker für AirPrint freigeben

Den Raspberry Pi als Printserver nutzen

Diese dritte Lösung besteht in der Einrichtung eines Print-Servers mit Hilfe des Bastelrechners Raspberry Pi. Der in der aktuellen Version Raspberry Pi 4 ab knapp 40 Euro erhältliche Bastelrechner ist perfekt für den Einsatz als Printserver geeignet. Da er im Grunde ein Linux-Rechner ist, läuft hier vieles, was auch auf Linux-PCs funktioniert. Und aufgrund seiner kompakten Bauweise verbraucht er deutlich weniger Strom als ein vollwertiger PC als Printserver. Das Raspbian-Betriebssystem ist gratis auf der Raspberry-Pi-Website erhältlich. Mit dem neuen Pixel-Desktop ist das Gerät tatsächlich endlich als vollwertiger Rechner nutzbar. Der Clou: Das System läuft von günstigen Micro-SD-Karten, die Sie schnell austauschen können. Er kann also jederzeit für andere praktische Bastelprojekte hergenommen werden. Allein deshalb lohnt sich die Anschaffung. Als Printserver wird er zwischen Drucker und Netzwerk gehängt und gibt, einmal richtig eingerichtet, den Drucker als Airprint-Drucker frei – der Kauf eines neuen Druckers entfällt also.

Funktioniert mit jedem Raspberry Pi

Übrigens muss es kein aktueller Pi sein: Auch ältere Modelle erfüllen hier problemlos ihren Zweck als Printserver, die Vorgehensweise ist zumindest bei Geräten mit interner WLAN-Karte identisch. Falls Sie also noch einen alten Pi 3 oder neuer herumliegen haben: Wunderbar, nehmen Sie den! Bei älteren Modellen müssen Sie gegebenenfalls noch den WLAN-Adapter anschließen und einrichten, worauf wir an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen. Natürlich müssen Sie den folgenden Workshop nur einmal durchführen, anschließend haben Sie eine „Fire & Forget“-Airprint-Lösung für ihren alten Drucker.

Raspberry-Pi-Printserver: Grundeinrichtung

Um den Raspberry Pi als Airprint-Printserver zu nutzen, müssen Sie ihn zunächst aufsetzen. Dafür benötigen Sie eine MicroSD-Speicherkarte mit mindestens 8 Gigabyte Kapazität, die möglichst flott sein sollte. Anschließend können Sie das Rasbian-Betriebssystem herunterladen. Wenn Sie den Raspberry Pi nur als Print-Server verwenden wollen, empfehlen wir dafür die Minimal-Installation mit „Raspbian Buster Lite“. Tipp: Am schnellsten geht der Download per Bittorrent mit dem ebenfalls kostenlosen Transmission . Danach kann es auch schon los gehen:

1.     Raspbian-Image entpacken

Das Raspbian-Image kommt in Form einer ZIP-Datei. Klicken Sie diese in Ihrem Download-Ordner doppelt an, um sie zu entpacken, sofern Safari das nicht schon automatisch erledigt hat. Sie benötigen die Raspbian-Datei mit der Endung .img für die nächsten Schritte.

2.     Balena Etcher installieren

Zusätzlich benötigen Sie noch das Tool BalenaEtcher , mit dem Sie Image-Dateien ganz einfach auf Speicherkarten packen können. Mounten Sie das Image und kopieren Sie das Programm in Ihren Programme-Ordner.

3.     Raspbian auf Speicherkarte kopieren

Stecken Sie jetzt die MircoSD-Karte in einen Kartenleser an Ihrem Mac. Achtung: Sofern Macs Kartenleser haben, sind diese für normalgroße SD-Karten, Sie benötigen also einen Adapter oder einen separaten USB-Kartenleser. Starten Sie danach Etcher und wählen Sie zunächst die Raspbian-Image-Datei aus. Wählen Sie anschließend das Ziellaufwerk, die MicroSD-Karte. Mit einem Klick auf „Flash“ wird Raspbian auf der Speicherkarte installiert. Gegebenenfalls müssen Sie noch das Administrator-Passwort eingeben und den Zugriff auf die Speicherkarte erlauben.

4.     Raspberry Pi für den SSH-Headless-Betrieb einrichten

Ziehen Sie die Speicherkarte jetzt einmal aus dem Cardreader und stecken Sie sie wieder ein, um sie zu mounten. Im Finder sehen Sie jetzt ein Laufwerk namens „boot“ – das ist die Raspberry-Pi-SD-Karte. Es ist sinnvoll, den Pi für den sogenannten „Headless“-Betrieb einzurichten, denn dann benötigt er weder Tastatur, noch Maus und Monitor, sondern kann direkt vom Mac aus mit dem Terminal gesteuert werden.

Hierfür müssen Sie jetzt zwei Einstellungen vornehmen: Erstellen Sie zunächst mit einem Text-Editor wie CotEditor eine leere Datei und speichern Sie sie mit dem Dateinamen „ssh“ (ohne weitere Zusätze) auf dem Laufwerk „boot“ ab.

5.     Optional: WLAN einrichten

Bei einem Airprint-Server ist es natürlich sinnvoll, diesen per WLAN ansprechen zu können. Der Vorteil dieser Lösung: Sie können den Drucker an einem beliebigen Standort aufstellen und müssen keine Strippen ziehen. Legen Sie deshalb zu diesem Zweck eine Datei namens „wpa_supplicant.conf“ im „boot“-Laufwerk an, die folgenden Inhalt haben muss:

ctrl_interface=DIR=/var/run/wpa_supplicant GROUP=netdev
update_config=1
country=<Insert country code here>
network={
ssid="Mein-WLAN-Name"
psk="Mein-WLAN-Passwort"
}

Ersetzen Sie Mein-WLAN-Name durch den Namen Ihres WLANs und Mein-WLAN-Passwort durch das entsprechende Passwort. Die Informationen in der Datei werden beim ersten Start vom Raspbian-System übernommen. Wenn Sie kein WLAN brauchen, können Sie den Pi einfach per Ethernet-Kabel mit Ihrem Router verbinden.

6.     SD-Karte umstecken und Raspberry Pi starten

Werfen Sie jetzt das Laufwerk „boot“ aus und stecken Sie anschließend die MicroSD-Karte in den Raspberry-Pi. Schließen Sie den Strom an den Kleinstrechner an. Der Raspberry Pi bootet jetzt. Warten Sie deshalb ein bisschen ab, bis Sie die nächsten Schritte durchführen.

7.     Raspberry Pi per SSH ansprechen

Hat alles geklappt, ist der Raspberry Pi jetzt hochgefahren und mit Ihrem WLAN verbunden. Das können Sie optional prüfen, indem Sie in Ihrem Router-Administrationsmenü die Übersicht der verbundenen Geräte ansehen.  Öffnen Sie ein Terminal-Fenster auf dem Mac aus dem Ordner /Programme/Dienstprogramme/ und geben Sie hier „ssh pi@raspberrypi“ ein. Bestätigen Sie mit der Eingabetaste.

8.     Verbindung bestätigen und Passwort eingeben

Bestätigen Sie die folgende Meldung mit „yes“ und drücken Sie die Eingabetaste. Falls der Pi eine DNS-Spoofing-Fehlermeldung ausgibt, müssen Sie noch alte SSH-Keys des Pis aus der Datei /.ssh/known_hosts in Ihrem Mac-Benutzerordner löschen. Anschließend sollte die Verbindung klappen und Sie können das Raspberry-Pi-Standardpasswort („raspberry“) eingeben. Herzlichen Glückwunsch: Sie sind nun per SSH mit dem Pi verbunden und können den Rechner so steuern.

9.     Raspberry Pi aktualisieren

Geben Sie nun folgende Befehle per SSH an den Raspberry Pi. Zunächst aktualisieren Sie das Betriebssystem mit

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade

Dieser Vorgang dauert in aller Regel eine Weile und verlangt möglicherweise zwischendurch Rückmeldung von Ihnen. Sie können hier alles bestätigen.

10.  Print-Server auf dem Pi installieren

Wenn die Updates durchgelaufen sind, können Sie sich an die eigentliche Installation des Print-Servers machen. Dafür muss das Common Unix Printer Driver System, kurz „CUPS“, installiert werden. Geben Sie dazu den Befehl

sudo apt-get install cups

ein und drücken Sie die Eingabetaste. Bestätigen Sie die Nachfrage mit „Y“ (Eingabetaste). Anschließend läuft die Installation durch. CUPS besitzt bereits die nötigen Voraussetzungen für den Airprint-Betrieb, Sie müssen es nur noch korrekt einrichten.

11.  Airprint auf dem Raspberry Pi aktivieren

Nun ist es Zeit, die eigentliche Airprint-Einrichtung zu starten: Hängen Sie den Drucker mit dem USB-Kabel an den Raspberry Pi und schalten Sie ihn ein. Öffnen Sie nun CUPS-Konfigurationsdatei, indem Sie in der Pi-Kommandozeile

sudo nano /etc/cups/cupsd.conf

eingeben. Sie sehen jetzt einen Text-Editor, in dem Sie mit den Cursortasten navigieren können.

Ändern Sie die Zeile

# Only listen for connections from the local machine
Listen localhost:631

in

# Only listen for connections from the local machine
# Listen localhost:631
BrowseAdress @LOCAL
Port 631

Das sorgt dafür, dass der Raspberry Pi künftig alle Drucker im Netz freigibt. Anschließend müssen Sie noch den Zugriff regeln: Suchen Sie in der Config-Datei die drei <Location>-Einträge und fügen Sie jeweils den String

Allow @LOCAL

hinzu wie in folgendem Screenshot.

Speichern Sie die Datei nun ab, indem Sie auf (Ctrl)+(X) tippen und anschließend mit „Y“ bestätigen. Das beendet den Nano-Editor. Bestätigen Sie den Dateinamen mit der Eingabetaste.

Starten Sie den CUPS-Service jetzt mit

sudo /etc/init.d/cups restart

neu.

12.  CUPS-Drucker einrichten

Herzlichen Glückwunsch! Das Schlimmste ist geschafft. Sie können den CUPS-Printserver auf dem Raspberry Pi jetzt von jedem Rechner im Netzwerk via Browser aufrufen, indem Sie http://raspberrypi:631 eingeben. Falls Sie Fehlermeldungen („forbidden“) erhalten, wenn Sie einen Drucker hinzufügen möchten, müssen Sie zunächst den Pi-Standardnutzer „pi“ noch zur Gruppe der Administratoren hinzufügen, indem Sie im SSH-Terminal

sudo usermod -aG lpadmin pi

eingeben. Anschließend sollten Sie den CUPS-Dienst noch einmal mit

sudo /etc/init.d/cups restart

neu starten. Jetzt sollte es gehen. Wählen Sie in der Cups-Weboberfläche „Drucker und Klassen hinzufügen -> Drucker hinzufügen" und wählen Sie die nötigen Einstellungen, um den Drucker einzurichten.

13.  Fehlermeldung „Aktualisierung erforderlich“

Sollte beim Hinzufügen eines Druckers die Fehlermeldung „Aktualisierung erforderlich“ auftreten, hat das mit der voreingestellten Verschlüsselung von CUPS zu tun. Um die Fehlermeldung los zu werden, müssen Sie die Verschlüsselung deaktivieren, indem Sie erneut die CUPS-Konfiguration mit

sudo nano /etc/cups/cupsd.conf

öffnen und hier die Zeile

DefaultEncryption Never

hinzufügen.  Speichern Sie die Datei anschließend ab und starten Sie zur Sicherheit den Raspberry Pi mit

sudo reboot

neu. Anschließend sollte auch das klappen. Sobald der Pi hochgefahren ist, können Sie das CUPS-Webinterface unter http://raspberrypi:631 aufrufen und den angeschlossenen Drucker hinzufügen.

14.  Fertig! Von iPhone und iPad via Airprint drucken

Das war es auch schon: Der Raspberry Pi ist als Airprint-Druckserver eingerichtet. Sobald Drucker und Pi eingeschaltet und hochgefahren sind, können Sie von MacOS, iOS und iPadOS aus drucken, als wäre es ein „echter“ Airprint-Drucker. Übrigens können Sie auf diese Weise auch mehrere Drucker am Pi in Betrieb nehmen, zwischen denen Sie bei Bedarf wechseln können.

Drucker ohne Treiber in Betrieb nehmen

Wenn Sie einen „Standarddrucker“, am besten von HP, besitzen, ist die Chance recht groß, dass er problemlos mit CUPS in Betrieb genommen werden kann. Bei anderen Modellen sieht es leider nicht so gut aus: Manche Exoten werden zwar von CUPS erkannt, können aber nicht korrekt angesteuert werden. In solchen Fällen benötigen Sie eine sogenannte PPD-Datei, die Sie bei der Druckereinrichtung in CUPS auf dem Raspberry Pi laden können. Die finden Sie in aller Regel auf der mitgelieferten CD oder auf der Hersteller-Website unter Linux-Downloads. Falls Sie sie dort nicht finden, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie sie auf Ihrem Mac aufstöbern können: Unter /Library/Printer/PPDs/Contents/Ressources/ liegen die PPD-Files aller Drucker, die im System installiert sind, darunter natürlich auch Ihr regulärer Drucker. Leider klappt das aber auch nicht immer. In solchen Fällen – und wenn sich partout kein Treiber finden lässt – kommen Sie wohl um den Neukauf eines Airprint-Druckers nicht herum.


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