2487229

Kindersicherung für Mac und iPhone: So funktioniert Apples Bildschirmzeit

13.02.2020 | 13:33 Uhr | Stephan Wiesend

Die Funktion Bildschirmzeit erfasst nicht nur die am iPhone oder Mac verbrachte Zeit, darüber können Eltern auch die Nutzungszeiten ihrer Kinder reglementieren.

Eltern stehen oft vor der Frage, ob sie Ihrem Kind wirklich uneingeschränkten Zugriff auf Web, Soziale Medien und App Stores gewähren sollen. Pädagogisch kann man darüber wohl endlos debattieren, zumindest technisch sind Beschränkungen auf bestimmte Nutzungsarten oder begrenzte Nutzungszeiten bei Apple-Geräten kein Problem. Dass man für einzelne Nutzer bestimmte Beschränkungen oder Zugriffszeiten festlegt, ist schließlich auch in Firmennetzen und seit Jahrzehnten üblich.

Ungewöhnlich ist bereits der Name, statt einer „Kindersicherung“ findet man die entsprechenden Funktionen unter der Familienfreigabe und der neuen Option "Bildschirmzeit": Unter macOS Catalina und iOS gibt es eine eigene Systemeinstellung für diese Aufgabe.

Der Hintergrund: Apple stand schon unter starker Kritik durch Eltern- und Lehrer-Organisationen, junge Nutzer von iPhone und Mac würden durch süchtig machende Glitzerspiele oder zeitfressende Gruppen-Aktionen zu viel Zeit mit ihren Apple-Geräten verschwenden. Als Lösung hatte Apple deshalb mit iOS 12 die Funktion "Bildschirmzeit" vorgestellt, die ab macOS Catalina aber auch auf dem Mac verfügbar ist. Hier folgt Apple einem eher offenen Konzept: Man will nicht gleich auf Sperren und Restriktion setzen, sondern auf Information über die eigenen Nutzungsgewohnheiten – und bezieht ja in die Auswertung alle Nutzer mit ein, auch die Eltern.

Hat man die Zugriffszeit begrenzt, sieht man nach dem Ablauf ein graues Programmfenster.
Vergrößern Hat man die Zugriffszeit begrenzt, sieht man nach dem Ablauf ein graues Programmfenster.

1. Schritt:  Familienfreigabe aktivieren

Will man die Apple-Geräte einer Familie verwalten, ist die Nutzung der Familienfreigabe die Grundlage. So bietet schon die Familienfreigabe einige Funktionen einer Kindersicherung: Allerdings geht es dabei nicht um Zeit, sondern Kontrolle von Inhalten und Ressourcen: Per Freigabe können Eltern nicht nur Apps, Filme und Musik und iCloud-Speicher freigeben, sie können auch den Zugriff auf Inhalte und Apps reglementieren.

Eine der Einschränkungen durch die Familienfreigabe ist die Kaufanfrage.
Vergrößern Eine der Einschränkungen durch die Familienfreigabe ist die Kaufanfrage.

Über die Systemeinstellung „Familienfreigabe“ kann man außerdem die Kaufanfrage aktivieren: Ein Familienangehöriger kann dann nur Käufe, Filme aber auch Bücher aus den Stores installieren, nachdem er Eltern um Erlaubnis gefragt hat: Diese werden über jeden Einkauf per Sofortnachricht informiert, sehen was gekauft wird und müssen erst zustimmen. Diese Option kann aber wohl auch schnell lästig für die Eltern werden...

Auch die sensible Standort-Ortung wird hier verwaltet und man kann festlegen, ob man für Kinder die Bildschirmzeit aktivieren – was aber auch über die Systemeinstellung "Bildschirmzeit" möglich ist.

2. Schritt: Bildschirmzeit aktivieren

Mit der neuen Funktion "Bildschirmzeit" richtet sich Apple an Eltern. Über eine zentrale Funktion kann ein Elternteil (oder beide) nicht nur seine eigene Nutzungszeit erfassen, er kann über ein Ausklappmenü auch auf die iPhones, iPads, Macs und Apple TVs einer Familie zugreifen und ihre Nutzungszeit kontrollieren. Sowohl die Dauer der Nutzung wird dabei erfasst, über eine Grafik sieht man die Nutzungsdauer für einzelne Tage oder eine Woche. Auf die Minute kann man hier den Zeitaufwand für Produktivitäts-Apps wie Mail, Word und Excel mit Spiele-Apps und Social Media vergleichen. Das ist aber noch nicht alles: Unter Aktivierungen sieht man, wie oft der Ruhezustand beendet wurde, unter Mitteilungen die Menge der Benachrichtigungen.

Man kann über die Bildschirmzeit eine ganze App-Kategorie reglementieren, etwa die Nutzung von Sozialen Netzwerken.
Vergrößern Man kann über die Bildschirmzeit eine ganze App-Kategorie reglementieren, etwa die Nutzung von Sozialen Netzwerken.

Man kann aber auch sehr einfach die Nutzung reglementieren. Auf Wunsch sperrt man dabei nur den Zugriff auf bestimmte Erwachsenenbereiche wie Ballerspiele und Ab-18-Filme, alternativ können aber auch Nutzungszeiten oder die Nutzung bestimmter Apps begrenzt werden. Apples Bildschirmzeit hat aber nach unserem Eindruck einen aufklärenden Aspekt und appelliert an die Einsicht der Nutzer: Sie werden durch Benachrichtigungen und eine Statistikfunktion über das eigenene Verhalten informiert – etwa wie viele Ferientage sie mit "Candy Crush" oder "Company of Heroes" verbracht haben.

Die Verwaltungs-Funktionen stehen sowohl über Catalina als auch iOS zur Verfügung.
Vergrößern Die Verwaltungs-Funktionen stehen sowohl über Catalina als auch iOS zur Verfügung.

Grundlage Apple-ID

Bei früheren Versionen war die Kontrolle eines Kinder-Macs noch sehr umständlich, so musste man am Mac für jedes Kind erst mühsam eigene Benutzer anlegen und für diese dann einzelne Rechte vergeben. Es gab auch keine Rückmeldungen. Viel einfacher funktioniert dies über die Apple ID eines Kindes: Nutzt man die Familienfreigabe oder haben Kinder ein eigenes iPhone, iPad oder Mac, hat heute wohl jedes Kind eine eigene Apple ID. Sind aber die Eltern angemeldet, können Sie die Geräte komfortabel und sogar ferngesteuert konfigurieren. Eigene Apple-IDs sind sehr empfehlenswert, da man über sie auch die Vorlieben und Favoriten mehrerer Familienmitglieder trennen kann. Was nützen etwa Film-Vorschläge, wenn sich mehrere Familienmitglieder eine Apple-ID teilen. Für Kinder unter 16 Jahren gibt es schließlich sogar eine eigene Apple ID inklusive Online-Account, die ein Elternteil für das Kind anlegen kann.

Einschränkungen durch Bildschirmzeit: Die Auszeit

Eine sehr strikte Nutzungseinschränkung ist die Auszeit: Man kann vorgeben, dass ein Gerät nur zu bestimmten Zeiten nutzbar ist: Etwa von 7:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Über eine Auswahlfläche kann man hier auch bestimmte Zeiten für einzelne Tage eingeben, etwas eine längere Nutzungszeit für Freitag und Samstag. Eine Mitteilung, dass die Auszeit gleich beginnt, wird fünf Minuten vor Beginn eingeblendet. Orientieren können sich Eltern dabei am Tagesdurchschnitt: Die übliche Nutzungszeit an einem Tag wird nämlich in einer Spalte eingeblendet und kann für einzelne Tage aufgelistet werden – sogar die Nutzung einzelner Webseiten. Die Auflistung der Websitedaten kann man aber unter Optionen deaktivieren.

Über die Auszeit kann man die Nutzung nach bestimmen Uhrzeiten verbieten.
Vergrößern Über die Auszeit kann man die Nutzung nach bestimmen Uhrzeiten verbieten.

 Einschränkungen durch Bildschirmzeit: App-Limits

App-Limite sind für Eltern gedacht, die ihren Kindern nicht mehr als „zwei Stunden Gaming pro Tag“ zugestehen wollen oder sich Sorgen um die Social-Media-Aktivitäten machen. Hier sind recht feine Einstellungen möglich: Man kann die Zeitbeschränkung gleich auf bestimmte Kategorien wie „Spiele“ oder „Soziale Netzwerke“ begrenzen, man kann aber auch die Nutzung bestimmter Webseiten einschränken – etwa einen Webdienst.

Die Dauer eines App Limits kann frei gewählt werden.
Vergrößern Die Dauer eines App Limits kann frei gewählt werden.

Einschränkungen durch Bildschirmzeit: Immer erlaubt

Damit ein Kind aber in einem Notfall auch nach 22:00 Uhr noch telefonieren kann, gibt es einige Ausnahme-Funktionen. Immer erlaubt sind als Standard Telefon, Nachrichten-App, Karten und Facetime. Will man allerdings auch diese Funktionen reglementieren, muss man dies hier eigens tun.

Die Telefon-Funktion sollte immer verfügbar sein.
Vergrößern Die Telefon-Funktion sollte immer verfügbar sein.

Einschränkungen durch Bildschirmzeit: Inhalt & Datenschutz

Welche Inhalte ein Familienmitglied per Stores und Internet nutzen kann, werden hier vorgenommen. Bei der Reglementierung des Webzugriffs kann man statt einem unbeschränkten Zugriff „nicht jugendfreie Inhalte“ ausgrenzen oder nur einzelne Webseiten zulassen. Hier kann man einzelne Webseiten ergänzen, dreizehn sind  vorausgewählt wie Blinde Kuh, Geolino, Kika, Kidsweb und Disney (?). Einige weitere Dinge kann man hier deaktivieren, etwa „Anstößige Sprache in Siri & Lexikon“ oder Mehrspielerspielen in Game Center.

Man kann sogar einzelne Funktionen sperren.
Vergrößern Man kann sogar einzelne Funktionen sperren.

Unter der Rubrik Stores sind die üblichen Jugendschutz-Einstellungen möglich, unter Apps finden sich einige interessante Zusatzoptionen für iOS: Man kann hier nämlich gezielt bestimmten Apps die Nutzungserlaubnis entziehen: Mail, Safari, Facetime, Wallet, CarPlay, iTunes Store, Podcasts, AirDrop und Bildschirmaufnahme. Deaktivieren kann man zudem den Books Store, Siri & Diktat sowie die Kamera-Funktion! Weitere Konfigurationsänderungen kann man unter „Andere“ verhindern, etwa dass ein Kind Codes abändert oder den Account verändert.

Schwachpunkt: Geräte mit alten Systemen

Voraussetzung für diese Vorgaben der Nutzungszeit ist aber ein iOS-Gerät mit mindestens iOS 12: Nutzt das Kind ein älteres Gerät, sind die Zeitbeschränkungen hier nicht wirksam und es werden auch keine Warnungen angezeigt. Was auch unter iOS 9 funktioniert sind aber die alten Reglementierungen der Familienfreigabe des App Stores: Auch auf einen alten Gerät muss ein Kind um Erlaubnis für eine App-Installation bitten und es gelten vorgegebene Alterseinschränkungen.

Fazit

Mit der Verfügbarkeit unter Catalina bietet die Bildschirmzeit jetzt ein Rundum-Paket, um die Geräte von Familienmitgliedern zu verwalten aber auch zu kontrollieren. Welche dieser Funktionen man aber nutzen will – oder auch gar keine – bleibt Eltern selbst überlassen. Vor allem das Thema Privatsphäre ist angesichts der erschöpfenden Auswertungsoptionen recht heikel.

Macwelt Marktplatz

2487229