1042921

Tipps gegen Zwangspausen am Mac

25.12.2016 | 08:02 Uhr |

Strandball statt Pfeilspitze - wenn der Mac nicht mehr reagiert, gibt es keine einfachen Patentrezepte, aber viele Hilfen für Mac-Besitzer mit ein bisschen Ausdauer und Spürsinn.

Die offizielle Bezeichnung für das drehende Gebilde in Regenbogenfarben ist " rotierender Warte-Cursor ". Inoffiziell dürfte die unschöne Animation einige Dutzend Namen führen; von Strandball über Diskus bis zu "Spinning pizza of doom". Und was das nervöse Unbehagen beim Anblick dieses Cursors sprunghaft erhöht, ist, dass die Ursachenforschung dieser Warteschleife der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen absolut nahe kommt.

Warte-Cursor

Einfach formuliert: Der Warte-Cursor wird sichtbar, wenn der Mac überfordert ist. Oder offiziell: Der Warte-Cursor wird automatisch eingeblendet, wenn das aktive Programm mehrere Sekunden lang nicht mehr auf Befehle reagiert.

Für Techniker: Im Hintergrund verteilt Window Server alle Ereignisse (Mausbewegung, Tastatur, Netzaktivität) an das aktive Programm. Werden die Ereignisse nicht verarbeitet, gibt es einen Stau in der Warteschlange für Ereignisse. Wird der Stau zu lang, wird der Warte-Cursor eingeblendet.

Oder wie es Apple (wenig hilfreich) in den Unterlagen für Hersteller formuliert: "Software-Entwickler sollten Situationen vermeiden, in denen ein Programm den Warte-Cursor anzeigt. Für die Analyse steht Spin Control zur Verfügung; ein Programm, das ermittelt, welche Teile einer Software die Verzögerung verursachen."

Was steckt hinter diesen Tipps

Wenn man den Mac neu startet (oder sich wenigstens über das "Apfel-Menü" ab- und wieder anmeldet), werden alle Programme dieses Benutzers beendet und der Arbeitsspeicher freigegeben. In Ausnahmefällen (bei Programmen, die als "Zombie" unkontrolliert weiterlaufen) muss es ein Neustart sein, da dann wirklich der Arbeitsspeicher kurz komplett geleert wird und dann das Betriebssystem neu von der Festplatte in den Arbeitsspeicher geladen wird.

Die Aktivitätsanzeige nennt sehr hohe RAM-Last "Speicherdruck".
Vergrößern Die Aktivitätsanzeige nennt sehr hohe RAM-Last "Speicherdruck".

Der Trick dahinter ist, dass jede Software ganz oder teilweise in den Arbeitsspeicher geladen werden muss, um zu funktionieren. Wenn alle Speicherchips (der "echte" Arbeitsspeicher) belegt sind, bietet OS X nach einigen Tricks "virtuellen" Arbeitsspeicher an. Darunter versteht man spezielle Dateien, die auf der Festplatte gespeichert werden und die für das Betriebssystem ähnlich aussehen wie "echter" Arbeitsspeicher. Gravierender Nachteil des virtuellen Speichers ist aber die Geschwindigkeit: Festplatten mit rotierenden Magnetscheiben sind um den Faktor 100 oder 1000 (oder mehr!) langsamer als Speicherchips - sprich: Die Software läuft 100 oder 1000 Mal langsamer als normal. Jeder winzige Befehl dauert enorm lange und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass bei jedem Befehl der Warte-Cursor sichtbar wird, weil andere Befehle nicht oder verzögert ausgeführt werden. SSDs sind zwar deutlich schneller, aber auch hier bremst der Zugriff auf den virtuellen Speicher den Rechner aus. Mit Tricks wie so genanntem komprimiertem Speicher wird dieser Effekt ebenfalls verzögert, trotzdem ist es kein Zufall, dass fast alle aktuellen Macs mindestens 8 GB Arbeitsspeicher besitzen.

TIPP 4 GB Arbeitsspeicher (RAM) sind die Untergrenze auf einem aktuellen Mac mit Sierra , aber bei vielen offenen Programmen oft zu wenig. 8 GB oder mehr sollten es schon sein dann laufen selbst speicherhungrige Programme wie Parallels mit Normalgeschwindigkeit. Besprechen Sie mit Ihrem Händler, was die Erweiterung des Arbeitsspeichers für Ihren Mac kosten würde. Apple Einstiegsmodell des Mac Mini hat nur 4GB fest verbauten Arbeitsspeicher, weshalb man das Modell eigentlich nur für Surfen und Büroarbeiten empfehlen kann.

Festplatte ohne Schlaf

Wer gerade eine Denkpause vor dem Mac einlegt, benutzt keines der Programme aktiv. Sind zusätzlich keine Hintergrundprogramme aktiv, schaltet sich der Motor eine herkömmlichen Festplatte ab und der Lesekopf wird sicher geparkt. Das spart Strom und soll den Motor der Festplatte schonen, doch umgekehrt bedeutet es, dass man kurz warten muss, bis der Motor die Festplatte wieder auf volle Drehzahl gebracht hat. Da diese Einstellung für alle Festplatten gilt, wird dies besonders bei mehreren externen Festplatten oder bei den stromsparenden Mini-Festplatten ohne eigenes Netzteil zum Verhängnis: Wenn ein Programm Zugriff auf eine solche Festplatte will, werden in der Regel alle aufgeweckt und Mac-OS X wartet (mit dem bekannten Cursor), bis die Festplatten ansprechbar sind. Ein Tausch der internen Festplatte gegen eine SSD hat schon bei vielen Macs zu einem echten Geschwindigkeitssprung geführt.

Die Tücken der Software

Auch wenn die Hardware durchaus ausreicht, gibt es Software, die die gesamte Rechenzeit für sich beansprucht. Die Ursache dafür kann ineffizienter Programmcode, ein lahmer Hintergrundprozess oder ein unnützes Plug-in sein. Ob der Warte-Cursor auf Grund von Softwarefehlern gezeigt wird, wird spätestens nach einigen Minuten klar: Die Anwendung hängt oder stürzt gar ab. Im Zweifelsfall hilft die Software Aktivitätsanzeige (im Ordner "Programme/Dienstprogramme"). Die Programmliste zeigt ("Befehlstaste-1" oder "Fenster > Aktivitätsanzeige"), ob ein Programm unangemessen viel Rechenpower verbraucht.

Hohe CPU-Last kann den Mac ausbremsen.
Vergrößern Hohe CPU-Last kann den Mac ausbremsen.

Sortiert man die Aktivitätsanzeige mit einem Klick auf den Spaltenkopf nach "% CPU" steht der Schuldige am Listenanfang und Programme, die gar nicht mehr antworten, werden in rot dargestellt. Oft muss man hier einfach nur etwas warten, so sind Safari oder Microsoft-Office-Programme oft rot markiert. Mit Auswahl in der Liste und "Prozess beenden" kann man solche Programme beenden. Alternativ ruft man mit der Tastenkombination "cmd-alt-esc" ein ähnliches Fenster auf, das hängende Programme in rot listet. Der Knopf "Sofort beenden" schafft im Zweifelsfall Abhilfe. Falls jedoch Systemprozesse hängen, gibt es nur eine Abhilfe: Der Rechner muss neu gestartet werden.

Befehl/Wahl/Escape-Taste öffnet ein Fenster zum gewaltsamen Beenden einer App.
Vergrößern Befehl/Wahl/Escape-Taste öffnet ein Fenster zum gewaltsamen Beenden einer App.

Wenn gar keine Anwendung mehr antwortet, hilft nur noch ein Reset: Durch Halten der Einschalttaste für mehrere Sekunden kann der Rechner ausgeschaltet und anschließend neu gestartet werden.

Browser und ihre Plug-ins

Die meisten neuen Browser warnen, dass das Laden der Inhalte riesige Datenmengen bringt oder unbrauchbare Skripte nutzt. Der Knopf "Stopp" sollte den Ladeprozess beenden und der Browser wieder normal arbeiten. Bei Safari und Firefox steht das graue Stoppsymbol mit dem "X" ganz rechts in der Adresszeile, bei Chrome ist er auf der linken Seite zu finden.

Beim Blockieren von Pop-up-Fenstern im Browser oder Plug-ins hilft nur noch, das Programm zwangsweise zu beenden und, wenn man die Webseite nutzen muss, die Pop-up-Fenster für diese Webseite zuzulassen.

Fazit & Tipps gegen Wartepausen

Wenn der Warte-Cursor nur gelegentlich aufblinkt, könnte man ihn auch als Aufforderung zu einer Pause ansehen. Falls der Warte-Cursor allerdings zu häufig zuschlägt, sind unsere sieben Tipps ein guter Ansatz, das Problem anzugehen. Eine detaillierte Analyse und Fehlerbehebung ist aber im Zweifelsfall nur etwas für den Fachmann.

1. Starten Sie den Mac neu

2. Reduzieren Sie die Zahl aktiver Programme

Am schnellsten geht das mit dem „Programmwechsler“: Drücken Sie einmal die Kombination aus Befehl- und Tab-Taste und halten Sie dann die Befehlstaste fest (für alle weiteren Schritte). Drücken Sie dann die Tab-Taste so oft, bis das gewünschte Programm mit dem weißen Rand markiert ist und drücken Sie zuletzt die Taste „Q“, um dieses Programm zu beenden. Tipp: Oft genügt es bereits, Safari zu beenden.

3. Stecken Sie alles ab, was Sie derzeit am Mac nicht nutzen (Festplatten, USB-Sticks, Scanner) und werfen Sie Netzvolumes, CDs oder DVDs aus. Das Auswerfen einer Time-Machine-Festplatte können wir nur eingeschränkt empfehlen.

Denken Sie daran, dass Sie bei OS X alle Geräte „ordentlich“ abmelden müssen: Ziehen Sie also Festplatten, USB-Sticks oder CDs mit der Maus in den Papierkorb oder wählen Sie das Symbol im Finder aus und rufen Sie dann den Befehl „Ablage > ... auswerfen“ auf.

4. Prüfen Sie den freien Speicherplatz auf der Festplatte

Öffnen Sie ein neues Fenster im Finder; unten im grauen Rahmen des Fensters wird der freie Speicherplatz als „xxx GB verfügbar“ genannt (falls nicht, wählen Sie in dem Fenster links oben unter „Geräte“ die Festplatte aus). Weniger als 5 GB sind besorgniserregend, bei weniger als 2 GB besteht akut die Gefahr, dass der Mac unbenutzbar wird. In diesem Fall sollten Sie sofort Dateien auslagern (Externe Festplatte, DVD, USB-Stick) und den Papierkorb löschen – bis wieder wenigstens „5 GB verfügbar“ sind.

5. Setzen Sie maximale Leistung ein (für ältere Macs)

Wer noch an einem der Macbooks mit zwei Grafikkarten sitzt, sollte in den Energiespareinstellungen („Apfel-Menü > Systemeinstellungen > Energie sparen“) die Option "Automatischer Wechsel der Grafikmodi" deaktivieren. Beim Macbook Pro wird auf die zweite Grafikkarte geschaltet, die den Bildschirmaufbau deutlich schneller bewältigt, was aber die Batterielaufzeit beschränkt.

6. Lassen Sie die Festplatten nicht in den Ruhezustand

In den Systemeinstellungen ist voreingestellt (unter dem Punkt „Energie sparen“), dass die Festplatten „wenn möglich in den Ruhe- zustand [versetzt werden]“. Für optimale Leistung deaktivieren Sie diese Option und prüfen, ob dann einige oder alle Wartepausen mit drehendem Warte-Cursor entfallen. Bei einem Mac mit SSD oder Fusion Drive können Sie sich dies allerdings sparen.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

1042921