2457869

Macbook oder iPad? Was ist das richtige für Studenten und Uni?

26.09.2019 | 08:36 Uhr | Jan Schaller

Bald ist es wieder so weit: Der Semesterstart steht an. Dann werden wieder Hörsäle geflutet, Mensen leer gegessen und lang bekannte Abgabefristen von genervten Dozenten verlängert – Uni eben!

Für etwa eine halbe Million Studenten werden aber auch zum ersten Mal diese ganz eigene Welt betreten und viele Fragen haben. Eine davon dürfte bei vielen die nach dem passenden Rechner sein.

Der Beginn des Studiums ist für viele ein guter Meilenstein, um sich ein neues Gerät zuzulegen. Sollte die Entscheidung dabei schon gefallen sein, dass es ein Produkt von Apple sein soll, haben wir hier eine kleine Auswahlhilfe.

Eine grundsätzliche Entscheidung: Macbook oder iPad für die Uni?

Bevor es um die Frage nach einem konkreten Modell geht, steht die Entscheidung an, ob es ein Macbook oder ein iPad werden soll. Noch vor Kurzem wäre die Diskussion hier schnell vorbei gewesen. Ein iPad ist doch höchstens gut genug, um zu Hause auf der Couch Netflix zu schauen oder mal schnell ein Kochrezept nachzuschlagen?! Diese Zeiten sind längst vorbei. Apples mobile Chips sind der Konkurrenz weit voraus und auch die Software hat in den letzten Jahren einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Mit der Einführung von iPadOS 13 wird sich dieser Trend nochmals verstärken, da beispielsweise das neue Multitasking-System oder Safari deutlich mehr zu überzeugen wissen.

Die Ausgangslage ist also nicht mehr so eindeutig, wenngleich man natürlich sagen muss, dass manche Aufgaben nach wie vor nur auf einem Laptop und damit einem Macbook sinnvoll bearbeitet werden können – Programmieren zum Beispiel. Auf der anderen Seite sind bei den meisten Studiengängen Vorlesungsskripte ein großes Thema und was gibt es besseres als ein digitales Dokument, dass man nach Herzenslaune mit einem Stift bearbeiten kann? Hier hat also wieder das iPad die Nase vorn.

Grundsätzlich rate ich daher zu folgendem Vorgehen: Zu Beginn sollte eine Bedarfsanalyse stehen: Was werden die wichtigsten Aufgaben im Studium sein? Studiere ich etwas Künstlerisches? Dank professioneller Apps wie Procreate könnten iPad und Pencil die perfekte Umgebung für kreatives Arbeiten sein. Erfordert das Studium hunderte Seiten Text zu lesen und zu bearbeiten? Kein Zweifel: das geht viel besser auf dem Tablet. Benötige ich aber vielleicht eine vollwertige Entwicklungsumgebung, wird nach wie vor der klassische Laptop die bessere Idee sein. Wer noch nicht ganz einschätzen kann, was auf ihn oder sie zukommt, kann ja die Erstie-Wochen nutzen, um sich bei höheren Semestern zu erkundigen.

Zusammengefasst lässt sich folgendes sagen: Wer einen Rechner sucht, der in allen Situationen zumindest dafür geschaffen ist, sie zu bewältigen, sollte nach wie vor auf ein Macbook setzen. Man wird nicht so viel Freude damit haben, wenn man kreativ tätig werden möchte oder es darum geht, Skripte in Vorlesungen zu bearbeiten. Aber man wird alles tun können, was erforderlich ist. Auch das Schreiben großer (Abschluss-)Arbeiten mit vielen Referenzen funktioniert auf einem klassischen Computer nach wie vor besser, wenngleich der Vorsprung schrumpft. Wer aber eventuell eh noch einen Laptop oder Desktop-Rechner zu Hause hat und in erster Linie einen Begleiter für unterwegs sucht, sollte dringend einen intensiven Blick auf die aktuellen iPad-Modelle werfen. Der Autor dieser Zeilen verbringt beispielsweise weit mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit vor einem iPad.

Die traditionelle Lösung: ein Macbook

Blickt man einmal in einen beliebigen Hörsaal, so sieht man dort viele, viele Macbooks Air. Das ist auch keine Überraschung, war und ist es doch Apples günstigster Laptop, noch dazu mit ikonischem Formfaktor. Mit seiner Leichtigkeit war es der ideale Begleiter für den Uni-Alltag. Zudem lag es in der Regel unter der psychologisch wichtigen 1000$/€-Grenze.

Im Herbst 2018 legte Apple dann das Air überraschend wieder auf und gleich im Sommer, nach nicht einmal einem Jahr, nochmals aktualisiert, ( Macbook Air 2019 im Macwelt-Test ). Wie schlägt sich die jüngste Version dieses Mac-Klassikers? Die Meinungen gehen auseinander. Toll ist, dass es endlich ein hochauflösendes 13 Zoll Retina-Display bekommen hat. Auch die Bildschirmränder sind geschrumpft, sodass das aktuelle Air moderner aussieht als sein Vorgänger. Farblich hat man nun erstmals die Wahl zwischen Silber, Gold und Spacegrau.

Leider wurden nicht nur die Displayränder schmaler, sondern auch die Ports weniger. Es gibt nun lediglich noch zwei USB-C/Thunderbolt-3-Anschlüsse und einen Kopfhörereingang. SD-Kartenleser oder USB-A-Ports sucht man vergeblich. Ebenso müssen beim Prozessor Abstriche in Kauf genommen werden. Es gibt nämlich nur eine einzige Option: ein 1,6 GHz Dual-Core Prozessor, der zwar für viele Aufgaben ausreichend sein sollte, aber auch schneller an seine Grenzen kommt, als manchem lieb ist. Vor allem für einen Laptop in dieser Preisklasse.

Im Apple Store kostet das 2019er Macbook Air nämlich satte 1249 € für die Version mit einer ziemlich winzigen 128 GB SSD und 1499 €, wenn man eine SSD mit 256 GB Speicherplatz möchte.

Bei derartigen Preisen und einzugehenden Kompromissen ist es nicht abwegig, direkt bei der Pro-Linie zu schauen. Das 13 Zoll Macbook Pro mit 256 GB SSD kostet bei Apple aktuell 1749 € und damit 250 € mehr, als das Air. Dafür bekommt man aber auch deutlich mehr. Neben einem helleren Display ist vor allem der Quad-Core-Prozessor erwähnenswert. Die Verdopplung der Prozessorkerne wird man im Alltag definitiv spüren. Auch der bessere integrierte Grafikchip ist ein Plus. Zusätzlich gibt es die Touch Bar mit Touch ID, beim Air ist nur Touch ID verbaut und eine etwas bessere Batterie. Bei den Ports nehmen sich beide Modelle wiederum nichts. Beim Gewicht unterscheiden sich Air und Pro derweil kaum. Das Air bringt 1250 Gramm auf die Waage, das Pro (13'') 1370 Gramm – 120 Gramm Unterschied also, nicht gerade die Welt.

Vor diesem Hintergrund wäre es zwar übertrieben, vom Kauf eines Macbooks Air kategorisch abzuraten, man sollte sich aber zweimal überlegen, ob das Pro nicht doch die sinnvollere Lösung ist, die auf Dauer mehr Freude bringt.

Die alternative Lösung: iPad mit Tastatur und Apple Pencil

Kommen wir zum iPad. Hier hat sich während der diesjährigen iPhone Keynote bemerkenswertes getan: Es wurden neue Einsteiger iPads (in der Folge iPad (2019)) präsentiert, die nicht nur den Pencil unterstützen, sondern auch über einen Smart Connector verfügen – und somit Apples Smart Keyboard anschließen können. Das ist ein großer Schritt, konnte man die günstigsten iPads vorher doch nur mit einer Bluetooth-Tastatur nutzen. Jetzt ist zum ersten Mal eine komplett integrierte Lösung möglich.

In Sachen Performance muss angemerkt werden, dass Apple nur den A10 Fusion Chip verbaut hat. Im iPad Air steckt der A12 Bionic und in den aktuellen Pro-Modellen sogar der A12X-Chip.

Ansonsten macht das Einsteiger-iPad aber eine hervorragende Figur, vor allem im Vergleich zum iPad Air. Das hat ein etwas größeres und besseres Display (10,5'' statt 10,2'') und eben den besseren Prozessor. Beide unterstützen aber den Pencil der ersten Generation und haben den Smart Connector. Für diese vergleichsweise geringen Unterschiede erscheint mir der Aufpreis nicht gerechtfertigt. Das normale iPad (2019) kostet nämlich 479 € in der Version mit 128 GB – das iPad Air satte 719 €, wenn man 256 GB möchte. 128 GB Speicher gibt es hier nicht und die Einsteigergröße mit 64 GB dürfte für viele zu klein sein. Zudem kostet das Air auch dann noch 549 € und damit 70 € mehr als ein iPad (2019), das mehr Speicher mitbringt.

In beiden Fällen müssen natürlich noch Kosten für den Pencil (99 €) und/oder das Smart Keyboard (179 €) berücksichtigt werden.

Noch ein Wort zum iPad Pro: Wer sich sicher ist, den gesamten Arbeitsalltag unter iPadOS bewältigen zu können (oder vielleicht sogar zu wollen), kann auch auf die iPad Pro schauen, die wirklich tolle Hardware sind und keine Kompromisse machen. Für das 12,9 Zoll (und damit vergleichbar zum 13 Zoll Macbook Air/Pro) große Pro mit 256 GB Speicher werden aber auch schon 1269 € fällig – ohne Tastatur und Pencil.

Fazit: Lieber Einsteiger oder Pro statt Air

Sowohl bei Apples Laptops, als auch den iPads zeigen die Air-Modelle Schwächen. Entscheidet man sich für den Kauf eines Macbooks ist für viele ein Pro-Modell die bessere Wahl, da man für einen vergleichsweise geringen Aufpreis deutlich mehr bekommt.

Bei den iPads vertauschen sich die Vorzeichen. Hier ist für viele das günstigere iPad (2019) die bessere Wahl, da es beim deutlich teureren iPad Air nicht so wahnsinnig viel mehr für Geld gibt.

Ob man nun überhaupt ein iPad kauft oder beim klassischen Macbook bleibt (oder gar beides kauft), muss vom Einzelfall abhängig gemacht werden. Fakt ist aber, dass es schon enorm Spaß macht, die Slides in der Vorlesung direkt auf dem Bildschirm zu annotieren.

Und natürlich wollen wir auch noch darauf hinweisen, dass man – gerade als Student – nicht zwingend Apples Preise zahlen muss. Hier geht es zu einem Artikel, der aufzeigt, wie man Apple Hardware günstiger bekommt .

Macwelt Marktplatz

2457869