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Magazine der Zukunft werden zu Computerspielen

29.06.2010 | 10:56 Uhr |

Magazine der Zukunft werden zu Computerspielen

"Es ist erst der Anfang", sagt Joe McCambley. "Wir stehen vor einer kreativen Revolution im Magazindesign." McCambley ist Gründer und Creative Director von The Wonderfactory. Die New Yorker Agentur hat unter anderem die iPad-Applikation für das Time Magazine erstellt - und Ende 2009 das erste iPad-Magazin für Sports Illustrated, das auf der Webseite in einem Film präsentiert wird. Hier begutachten Besucher zum Beispiel die Funktion des kontextsensitiven Kreismenüs, "ein Tool, das mir immer die Frage beantwortet, was ich noch gerne zu diesem Text, Video oder Bild wissen möchte." Es ist ein kurzer Blick in die Zukunft der Magazine.

Mit der ungewöhnlichen Umsetzung eines digitalen iPad-Magazines hat das Vivmag heftige Reaktionen provoziert, doch auch gezeigt, was am iPad möglich ist.
Vergrößern Mit der ungewöhnlichen Umsetzung eines digitalen iPad-Magazines hat das Vivmag heftige Reaktionen provoziert, doch auch gezeigt, was am iPad möglich ist.

McCambleys Prognose nach den ersten Monaten mit dem iPad: Die Magazine der fernen Zukunft vermischen narrative und interaktive Elemente, werden so zu einer Art Computerspiel. "Denken Sie an Magazine als 3D-Umgebungen." Andere US-Verlage setzen bereits heute auf den Einsatz aufwändiger Bewegtbilder. Vivmag zum Beispiel, ein rein digitales Magazin, produziert für einen Artikel über sexuelle Ängste 3D-modellierte Schwarz-Weiß-Clips im Stil des Films "Sin City". Die Kamera fliegt durch eine düstere Szenerie, bevor der Streifen stoppt - und der Text erscheint. Auch wenn manche Kritiker die Gestaltung als übertrieben geißeln hat der Verlag auch enthusiastische Rückmeldungen erhalten: "Die Leser begeistert, dass sie die Geschichte noch näher erleben", erzählt Jeanniey Mullen, Marketingchefin von Vivmag-Anbieter Zinio. "Für bestimmte Publikationen wie unterhaltende Magazine halten wir diese Blockbuster-Gestaltung für die Zukunft."

Auf dem Weg zum Magazin der Zukunft benötigt es noch die Navigationselemente und Metaphern bisheriger Zeitungen oder Zeitschriften, damit die Leser sich umgewöhnen. Zum Beispiel das Rascheln beim Blättern. Ob Sports Illustrated oder Vivmag, verschiedene Navigationswege sind essentiell. "Interaktive Medien haben keine automatische Leselogik wie ein Print-Heft. Es gibt einen Anfang und kein Ende", erklärt McCambley. Daher muss jeder User möglichst schnell seine Logik finden. Sports Illustrated zum Beispiel erlaubt es, Seiten neu anzuordnen und über eine Vorschaufunktion schnell durch das Magazin zu blättern.

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