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Messaging- und Chat-Apps für das iPad

24.02.2014 | 12:33 Uhr |

Während beim iPhone haufenweise Apps für Messaging und Chat zur Verfügung stehen, ist die Auswahl fürs iPad deutlich eingeschränkt. Eine Bestandsaufnahme

Aus Sicht von Apple bieten die aktuell ausgelieferten iOS-Geräte alle Apps, die zur Kommunikation benötigt werden. Über Nachrichten lassen sich Textmitteilungen, Fotos, Audiobotschaften und sogar Filme übertragen, mit Facetime Video- oder Audiotelefonate per Internet erledigen. Dabei kann die Kommunikation über WLAN oder die Mobilfunkverbindung erfolgen – beim iPad ist dann natürlich ein Cellular-Modell mit SIM-Karte und Datenvertrag Voraussetzung.

Geht es nach Apple, reichen für Video- und Audiotelefonie sowie Nachrichtenversand die im Lieferumfang enthaltenen Apps Facetime beziehungsweise Nachrichten.
Vergrößern Geht es nach Apple, reichen für Video- und Audiotelefonie sowie Nachrichtenversand die im Lieferumfang enthaltenen Apps Facetime beziehungsweise Nachrichten.

Grundsätzlich ist die Marketingaussage korrekt, solange der Benutzer in einer reinen Apple-Umgebung zu Hause ist. Beim iPhone erlaubt Nachrichten zwar auch den Versand von SMS und MMS an jedermann, beim iPad ist als „Gegenstelle“ der Kommunikation ein aktuelles iOS-Gerät oder ein Mac gefordert. Unter OS X sorgen die Programme Facetime und Nachrichten für den Schulterschluss.


Wer jedoch einen Freund mit Android-Smartphone oder -Tablet-PC beziehungsweise Windows-Rechner per Video- oder Audiotelefonie erreichen will, guckt mit Apples Lösungen ebenso in die Röhre wie Freunde von Textnachrichten. Sowohl Nachrichten als auch Facetime setzen Hardware und Betriebssystem von Apple voraus.


Zumindest im Bereich der Nachrichten-Apps hat Whatsapp mit seinem gleichnamigen Dienst gezeigt, wie es gehen kann. Die Nachrichten-App gibt es für alle wichtigen mobilen Betriebssysteme, Whatsapp ist der ungekrönte König unter den Nachrichten-Lösungen. Folgerichtig ist Whatsapp nach Facebook auch unter iOS 7 die beliebteste App unter iOS, allerdings nur verfügbar für das iPhone – dazu später mehr. Anlässlich der Digital Life Design (DLD) in München im Januar gab Whatsapp-CEO Jan Koum bekannt, dass der Client 435 Millionen aktive Nutzer habe, davon allein in Deutschland rund 30 Millio­nen. Noch im Dezember des letzten Jahres hätten, so Koum, rund 400 Millionen Benutzer Whatsapp eingesetzt. Stimmen die Zahlen, kommen täglich rund eine Millionen Whatsapp-Benutzer hinzu. Davon kann Apple natürlich nur träumen.


Ähnlich dürfte es sich bei Apples Lösung zum Thema Internet-Telefonie verhalten. Auch Facetime funktioniert nur in reinen Apple-Umgebungen, Übergänge (Gateways) zu anderen wichtigen Diensten gibt es nicht. Hier ist seit Langem im privaten Umfeld Skype der Platzhirsch. Das inzwischen zu Microsoft gehörige Unternehmen bietet kostenlose Nachrichten, Audio- und Videotelefonie zwischen Skype-Nutzern. Das System finanziert sich über Zusatzdienste wie etwa Gateways in das Telefonnetz, Gruppenchats und mehr.

Skype – private IP-Telefonie

Im Gegensatz zu Facetime gibt es Skype nicht nur für alle wichtigen mobilen Betriebssysteme, sondern auch für OS X und Windows. Im privaten Umfeld ist Skype klar das dominierende Angebot für Internet-Telefonie per Audio oder Video. Die Skype-App für das iPad ist ebenso kostenlos wie die Anmeldung bei dem Dienst.
Beim ersten Start erfragt Skype die Erlaubnis, das Mikrofon des iPad zu nutzen, unerlässlich für Telefonie. Push-Benachrichtigungen lassen sich optional einschalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Lösungen aus dem Bereich Messenger und Chat gleicht Skype Ihre Adressen nicht mit dem Server ab. Nach Kommunikationspartnern müssen Sie in der App suchen. Das funktioniert über deren Namen oder – falls bekannt – die E-Mail-Adresse. Gefundene potenzielle Kontakte können Sie nicht sofort mit einem Anruf belästigen, Sie müssen zunächst eine Freigabe durch den gewünschten Partner erbitten. Damit umgehen die Macher von Skype Spam-Anrufe. Hat der Kommunikationspartner eingewilligt, können Sie ihn natürlich anrufen. Skype zeigt zu Ihren Skype-Kontakten deren Status an, etwa ob sie online sind. Im privaten Umfeld ist Skype die Lösung der Wahl und die ideale Ergänzung für Facetime beim iPad.

SIP – geschäftliche IP-Telefonie

Skype bietet neben den kostenlosen Video­telefonaten auch Videokonferenzen mit mehreren Personen, gegen Gebühr. Damit versucht man, auch im Geschäftsumfeld Fuß zu fassen. Gerade in Firmen ist aber seit Jahren mit SIP ein eigenes Protokoll für Internet-Telefonie etabliert. Das Protokoll für IP-Telefonie wird nicht nur von speziellen Telefonen, sondern auch von großen Telefonanlagen unterstützt und findet in vielen Firmen Einsatz. Voraussetzung ist neben der Hardware auch ein Account bei einem SIP-Provider. Benutzer bemerken nicht einmal den Unterschied zu „normalen“ Telefongesprächen.
Telefonate mit anderen SIP-Nutzern sind weltweit kostenlos, Gateways zum Festnetz und Mobilfunknetz bestehen natürlich auch. Weder Apples Facetime noch Skype verstehen das SIP-Protokoll. Für das iPad gibt es einige SIP-
Clients, im Geschäftsumfeld empfehlen wir die mit knapp 12 Euro recht teure Lösung Bria iPad Edition. Bria ist die professionelle Lösung der Wahl, unterstützt die Nutzung mehrerer SIP-Accounts, Multitasking und mehr. Da SIP im privaten Umfeld eine untergeordnete Rolle spielt, reicht hier meist Skype als Lösung neben Facetime.

Messaging & Chat

Bereits vor der Vorstellung des iPad startete der Messenger Whatsapp seinen Siegeszug auf Mobiltelefonen. Schon kurz nach der Vorstellung des Ur-iPad 2010 wurde der Wunsch vieler Nutzer laut, die App auch beim iPad einsetzen zu können. Der Hersteller weigert sich bis heute, eine Version fürs iPad anzubieten. Einen Ausweg bieten Jailbreak-Lösungen, die viele Nutzer aber aus Sicherheitsgründen ablehnen. Inzwischen kursiert ein weiterer „Umweg“ im Internet. Der setzt Bastelwilligkeit, ein iPhone, auf dem Whatsapp nicht genutzt wird, und Experimentierfreudigkeit voraus. Wir empfehlen den Weg nicht, haben ihn nur der Vollständigkeit halber genannt. Direkt aufs iPad oder über iTunes lässt sich Whatsapp nicht laden.
Neben Whatsapp fehlen bei den Messaging-Apps für das iPad weitere, die es nur für das iPhone gibt. Dazu gehört auch das in Asien besonders beliebte Wechat. Nach Angaben des Entwicklers gibt es über 300 Millionen Benutzer. Wer viele Freunde in Asien hat, kann die iPhone-App auch auf das iPad laden und nutzen, per Vergrößerung ist sie dann bildschirmfüllend nutzbar.

Passende Messenger

Natürlich gibt es auch ein paar für das iPad angepasste Messenger, die sich einfach einrichten und nutzen lassen. Dabei lassen wir die Apps der verschiedenen sozialen Netzwerke mit einer Ausnahme aus.
Eine deutsche Entwicklung ist der kostenlose Appme Chat Messenger, den es als Hybridversion für iPhone und iPad gibt. Zur Anmeldung müssen Sie eine Mobilfunknummer angeben, an die ein Verifizierungscode geschickt wird, das betreffende Handy muss lediglich SMS-fähig sein, also kein iPhone. Wie Whatsapp will auch App­me Ihre Kontakte abgleichen, um andere Nutzer zu finden. Bei unseren Versu­chen fand Appme nur 18 Kommunikationspartner, Whatsapp beim selben Adressbestand über 300. Hier müssen Sie Freunde per Mail einladen, den Client zu nutzen.
Fast alle Benutzer verfügen über einen Account bei Facebook, für seine iPhone-Kunden bietet das Unternehmen mit Facebook Messenger eine eigene App zum Chat an – die Facebook-App ist nicht extra zu öffnen. Für das iPad gibt es von Facebook keine Messenger-App, hier empfehlen wir Chat Now Pro für 0,89 Euro. Die hybride App macht auf iPhone und iPad eine gute Figur und tut ihren Job.
Ein Generalist ist seit Jahren die kos­tenlose App IM+, die Chats mit AOL, Yahoo und anderen Diensten erlaubt. IM steht für Instant Messenger, die werbefinanzierte App ist die Schnittstelle zu meist nicht mehr so angesagten Chat-Diensten.

Messaging sicher

Durch die Ereignisse der letzten Monate ist die Sicherheit bei der Kommunikation in den Vordergrund gerückt. Hier gibt es bei sicheren Messengern für das iPhone inzwischen einige Lösungen, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten – beim iPad sieht es schlecht aus. Hier empfehlen wir die iPhone-Version der App Threema
(1,79 Euro), die sich auch am iPad nutzen lässt. Bei der Anmeldung geben Sie Ihre Mailadresse an, an die wird eine Bestätigungsmail geschickt. Wie beim iPhone werden die Schlüsselpaare für die Verschlüsselung aus zufälligem Streichen mit Ihrem Finger über das iPad-Display erzeugt. Threema funktioniert am iPad prima, in iPhone-Display-Größe oder vergrößert.

Fazit

Die Auswahl an Telefonielösungen fürs iPad ist gut, nicht so die bei den Messengern. Besonders schmerzlich vermissen wir eine iPad-Version von Whatsapp. Wie Apple könnte Whatsapp bei der Registrierung alternativ zur Mobilfunknummer die E-Mail-Adresse wählen lassen. Vermutlich wird sich das Unternehmen aber nicht zu einer derartigen Entscheidung hinreißen lassen – sehr schade.

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