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Mit dem iPad noch schneller im Netz unterwegs

29.12.2016 | 08:30 Uhr |

Rein theoretisch bieten aktuelle iPads beim Surfen atemberaubende Geschwindigkeiten. Wir erklären, warum das nicht immer problemlos klappt

Netzwerkverbindungen realisiert man am besten über Ethernetkabel, das bietet den größten Datendurchsatz, ist relativ robust und nicht anfällig für Fehler. Diese alte Weisheit aus PC-Zeiten gilt natürlich weiter, hilft aber Benutzern eines iPad nicht, da diese Anbindung nicht zur Verfügung steht. Beim iPad realisieren Sie die Verbindung per WLAN, beim Modell Cellular alternativ unterwegs über die Mobilfunkkarte, mittlerweile bieten alle großen Provider hier das schnelle LTE .

Netzwerk vs. Internet

Schaut man sich die technischen Daten des neuen iPad Pro an, schlägt es sich nicht schlecht. „Das iPad Pro kann sich mit den schnellsten WLAN und Mobilfunknetzen verbinden – und du kannst von fast überall aus im Web surfen, Filme streamen und Dokumente teilen", so Apples Werbung.

Nun zu verallgemeinern, dass Netzwerkverbindungen eines neuen iPad fast so schnell sind wie die eines Windows-PCs oder Macs, ist zwar von der technischen Aussage haltbar, spiegelt aber die Wirklichkeit nicht wider. In lokalen Netzwerken kommunizieren Rechner untereinander, tauschen Daten mit Servern aus, hier spielt eine Gigabit-Verbindung ihre Stärken aus. In den meisten Fällen kommuniziert das iPad aber nicht mit lokalen Rechnern im Netzwerk, sondern mit dem Internet. Selbst wenn man alle störenden Faktoren bei der Betrachtung weglässt und eine optimale Positionierung des iPad zum WLAN-Router voraussetzt, kann das iPad Daten nicht schneller schaufeln, als es der DSL- oder VDSL- beziehungsweise Kabelanschluss erlaubt. Standard-DSL bietet hier beim Download 16 MBit/s, VDSL/Kabel 50 oder 100 MBit/s – da nutzen auch die theoretisch erreichbaren 866 MBit/s nichts.

Einzig interessant ist die Betrachtung innerhalb des lokalen Netzwerks, wenn Sie hier etwa einen Plex-Mediaserver betreiben und Filme in HD 1080p über die App Plex (4,99 Euro) am iPad schauen – per WLAN-Verbindung. Hier schlagen zwischen 15 und 20 MBit/s zu Buche, das schaffen halbwegs moderne Router und auch ältere iPads locker. Lokales Streaming von Audio, Video und Co. ist grundsätzlich kein Problem.

Bequem aber problematisch

WLAN-Verbindungen sind enorm praktisch, schnell eingerichtet und für fast alle Einsatzgebiete geeignet – beachtet man ein paar grundsätzliche Regeln.

Während der Datendurchsatz bei Kabelverbindungen auch in großen Räumlichkeiten über mehrere Etagen recht stabil ist, ist das bei WLANs nicht der Fall: Unsere Fritzbox 7490 mit Unterstützung von bis zu 1300 MBit/s steht im Büro und vermeldet für das iPad Air 2 eine WLAN-Verbindung mit 866 MBit/s. Drei Räume weiter, in der Küche, ist der Wert für das iPad auf 54 MBit/s geschmolzen, eine Etage tiefer gar auf 11 MBit/s. Zugegeben, es handelt sich um einen Altbau, dicke Wände, Stahlbetondecken. Mit dem Wert in der Küche entspricht der mögliche Datendurchsatz etwa unserer VDSL-Anbindung ins Internet mit 50 MBit/s, eine Etage tiefer liegt er gar unter Standard-DSL. Noch schlechter sehen die Werte aus, nimmt man ein iPad Air der ersten Generation hinzu.

WLAN-Verbindungen sind in geschlossenen Räumen problematisch, je mehr Stahlbeton und dicke Mauern, desto schlechter die Verbindung. Viele Benutzer greifen hier zu Repeatern, die schnelle Hilfe versprechen. Geräte wie AVMs Fritzwlan 1750E (oder der günstige TP-Link TL-WA850RE) versprechen bis zu 1300 MBit/s im 5-GHz-Band und 450 MBit/s im 2,4-GHz-Netz. Sie lassen sich wahlweise verkabelt oder per WLAN mit der Fritzbox koppeln, das Netzwerk so erweitern. Wer hier den einfachen Weg über WLAN-Kopplung wählt, erlebt meist eine böse Überraschung: Statt einer erheblichen Optimierung der Bandbreite ist sie nur wenig besser und oft noch schlechter. Bei dieser Art der Kopplung verdoppelt sich das Datenaufkommen im WLAN, die Leistung geht weiter zurück.Vor allem wenn sich mehrere Familienangehörige ein drahtloses Netz teilen, wird es schnell eng.

Eine echte Verbesserung tritt nur ein, wenn Router und der oder die Repeater per Ethernet-Kabel verbunden sind – das betrifft die Lösungen aller Hersteller.

Das schwächste Glied entscheidet

Bei der Konzeption eines WLANs für Ihr(e) iPad(s) ist es wichtig, dass alle Komponenten optimal arbeiten. Der Router muss den Standard WLAN AC unterstützen, eventuell verwendete Repeater auch. Nutzen Sie für das iPad das 5-GHz-Band, es ist weniger „bevölkert“ und bietet etwa mit der Fritzbox bis zu 1300 MBit/s, das 2,4-GHz-band nur 450 MBit/s. Für die Verbindung „nach draußen“ schließlich wählen Sie einen geeignet schnellen Anschluss. Er ist im Zweifel die „Bremse“ und muss aufgestockt werden. So lassen sich über einen DSL-Anschluss mit 6 MBit/s keine HD-Filme aus dem Internet streamen, auch wenn das lokale Netzwerk optimal arbeitet.

Superschnell mit LTE

Ohne Frage gehört dem Standard LTE die Zukunft. Hier ist für die Auswahl des Providers natürlich entscheidend, ob und in welcher Ausbaustufe LTE in Ihrem Einzugsgebiet unterstützt wird.

Wichtig auch: Das iPad Pro 9,7 Zoll unterstützt maximal 300 MBit/s, das größere Modell mit 12 Zoll Diagonale maximal 150 MBit/s. Der Top-Tarif der Telekom bietet die maximale Ausbaustufe von 300 MBit/s, nutzt Ihnen folglich nur bei dem neuesten iPad Pro, ein preiswerterer Tarif tut es bei älteren Geräten auch. Die preisgünstigeren Tarife sind eh gedrosselt, wir sind mit 50 MBit/s sehr zufrieden.

Bandbreite messen

Um herauszufinden, welche Bandbreite Ihnen von Ihrem WLAN ins Internet oder mobil via LTE wirklich zur Verfügung steht, gibt es haufenweise Tools. Wir empfehlen die Webseite speedtest.t-online.de der Telekom. Bei uns waren die Ergebnisse gemischt: Während der Datendurchsatz via WLAN über unsere VDSL-Leitung optimale Ergebnisse liefert, bringt LTE an unserem Wohnort nicht einmal die Hälfte, ein paar Straßen weiter jedoch den optimalen Wert. In allen Fällen liegt ein optimaler Messwert unter dem technisch Machbaren und von den Providern angegebenen, das ist völlig normal und erwartet.

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