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iOS 6: So funktioniert Passbook

11.10.2012 | 16:48 Uhr |

Konzertkarten, Flugtickets und Gutscheine kann man ab jetzt mit Apples Passbook verwalten. Wir zeigen, wie und womit das in der Praxis funktioniert.

Das Smartphone von morgen soll nicht nur Kommunikationszentrale, sondern gleichzeitig auch die Geldb├Ârse des Nutzers werden, mitsamt aller Kunden- und Kreditkarten. Noch ist die Praxis weit davon entfernt, doch die Ans├Ątze sind l├Ąngst da. Mobile Bezahlsysteme mit dem Handy werden langsam Realit├Ąt und auch Apple hat einen gro├čen Schritt unternommen, in diesem Bereich mitzumischen. Das Werkzeug dazu: Passbook.

Passbook ist mehr als eine neue Apple-App. Es ist eine Plattform, die sowohl f├╝r Dienstleister, Entwickler und Nutzer viele neue M├Âglichkeiten bringt. Ihre Bordkarten k├Ânnten in Zukunft in Passbook stecken, Konzertkarten, Gutscheine und Kundenkarten ebenso. Wir erkl├Ąren, was Passbook kann und wie es funktioniert.

Was ist so eine Passbook-Karte eigentlich genau? Es handelt sich dabei um eine digital signierte Datei mit der Endung ".pkpass". Es gibt mehrere Wege, wie diese Karten in Ihre Passbook-App gelangen. Sie k├Ânnen diese als E-Mail-Anhang, als Link im Web oder direkt aus einer iPhone-App heraus installieren. Auch am Mac kann man Passbook-Gutscheine ├Âffnen (ab OS X 10.8.2), diese werden dann ├╝ber iCloud auf das iPhone gebracht.

Wer Passbook schon anbietet

Noch ist vieles rund um Passbook graue Theorie. Denn es gibt nur wenige Anbieter, die das System bereits intensiv nutzen. Dazu z├Ąhlt die Fluggesellschaft Lufthansa: "F├╝r uns ist das ein willkommenes Vehikel f├╝r elektronische Bordkarten, aber nicht mehr", erkl├Ąrt uns die Lufthansa auf Nachfrage. Passbook wird dort parallel zu den bestehenden E-Bordkarten wie Strichcodes per Mail, in der eigenen App oder per SMS-Link genutzt, die aktuell insgesamt rund 14 Prozent der Bordkarten ausmachen. Um Passbook mit der Airline zu nutzen, muss man ├╝ber das iPhone einchecken, das System erkennt iOS 6 und bietet Passbook als Option f├╝r die Bordkarte an. Elektronische Bordkarten melden sich dort zeit- und ortsgebunden vor dem Abflug.┬á

Auch HRS, eine Plattform f├╝r Hotelbuchungen, bietet bereits Passbook als Option an. Hier k├Ânnen die Kunden nach einer Buchung aus der App heraus Passbook w├Ąhlen und erhalten eine Karte mit den wichtigsten Angaben zur Buchung, erkl├Ąrt uns das Unternehmen auf Anfrage. N├Ąhert man sich dem Hotel, erscheint die Karte auf dem Sperrbildschirm des iPhones. In Zukunft sollen Kunden noch weitere Informationen zu Ihrem Aufenthalt via Passbook auf das iPhone gesendet bekommen.

So funktioniert Passbook bei der Hotelbuchung mit HRS.
Vergr├Â├čern So funktioniert Passbook bei der Hotelbuchung mit HRS.
© HRS

Auch der Apple-Reseller MStore bietet bereits Rabattgutscheine per Passbook an. In den USA setzt sich Passbook bereits sehr schnell durch. Die Baseball-Liga MLB hat gemeldet, dass bereits jetzt, kurz nach dem Start, zw├Âlf Prozent aller online gekauften Tickets ├╝ber Passbook genutzt werden und rechnet mit noch deutlich mehr im Jahr 2013.

Update: Passbook in der Praxis

Ein Flug mit einer Passbook-Bordkarte zeigt die St├Ąrke des Systems. Auf einem Flug von M├╝nchen nach London probieren wir die Bordkarte per Passbook aus. Einfach ├╝ber die App einchecken und schon erhalten wir die Option, die Bordkarte per Passbook herunter zu laden. Obendrein gibt es die Karten auch noch klassisch per Mail. Aus der Best├Ątigungsmail h├Ątten wir ebenfalls die M├Âglichkeit, die Karte herunter zu laden.

Die Passbook-Bordkarte ist immer griffbereit und enthält alle wichtigen Infos.
Vergr├Â├čern Die Passbook-Bordkarte ist immer griffbereit und enth├Ąlt alle wichtigen Infos.

Die Hilfe durch Passbook ist einfach aber effektiv: schon morgens auf dem Weg zum Flughafen taucht die Karte auf dem Sperrbildschirm des iPhone auf. Mit einem Wisch ├╝ber das Icon ├Âffnen wir so jederzeit direkt die Bordkarte. Die verr├Ąt auf einen Blick unser Gate und unseren Sitzplatz. Mehr Infos brauchen wir am Flughafen nicht. Die Security nickt unser iPhone-Ticket ebenso unger├╝hrt ab wie der Codeleser am Boarding-Schalter.

Am Nachmittag wechselt die Hinflug-Bordkarte mit der R├╝ckflug-Karte und wieder haben wir alle wichtigen Infos direkt auf dem Sperrbildschirm.

Was Passbook kann

Passbook enth├Ąlt f├╝nf verschiedene Arten von Karten: Bordkarten, Gutscheine, Tickets, Guthabenkarten und allgemeine Karten. Die Art des Tickets bestimmt das Aussehen der Karte. Apple will, dass Nutzer anhand des ├äu├čeren auch die Art einer Passbook-Karte erkennen.Die Karten k├Ânnen auf mehreren Wegen auf das iPhone gelangen. Allgemeine Karten wie Gutscheine kann man teilweise frei im Internet herunterladen. Werbevermarkter wie Apprupt wollen beispielsweise Passbook-Gutscheine ├╝ber Onlinewerbung verteilen. Andere Karten, wie personalisierte Tickets oder Bordkarten, m├╝ssen individuell vom Kundensystem des Verk├Ąufers f├╝r den Kunden generiert werden.

Trotz verf├╝gbarer moderner Technik wie Nahfeldfunk oder Clouddienste basiert Passbook im Kern auf einer Jahrzehnte alten Technik: Scancodes. Ein Strichcode enth├Ąlt die n├Âtigen Informationen und dient dazu, dass das Gesch├Ąft den Kunden erkennt. Dazu kann der Anbieter noch einen normalen Text darunter hinterlegen, beispielsweise eine Kundennummer, damit das Gesch├Ąft den Kunden auch ohne Scanner identifizieren kann.

Doch Passbook ist mehr als eine halbanaloge Sammelstelle f├╝r Gutscheine. Denn Apple nutzt hier durchaus die Infrastruktur, die das iPhone bietet: Karten k├Ânnen automatisch aktualisiert werden. Dies funktioniert ├╝ber die Schnittstelle der Push-Benachrichtigungen von iOS. Diese Benachrichtigung vom Anbieter teilt Passbook mit, wenn es ├änderungen gibt und diese l├Ądt dann die Aktualisierung. Zudem k├Ânnen Karten zeit- oder ortsgebunden auf sich aufmerksam machen. Zum Beispiel, wenn man in der N├Ąhe eines Gesch├Ąftes ist, von dem man einen Gutschein in Passbook hat.

Zudem arbeiten Passbook-Karten mit Apps zusammen. Dies funktioniert jedoch nur mit Apps des gleichen Anbieters. Zum Beispiel kann eine Passbook-Karte auf eine App verlinken und umgekehrt. Zudem k├Ânnen Passbook und App auch weitere Daten tauschen, dies geht jedoch nur, wenn App und Passbook-Karte mit dem gleichen Anbieter-Zertifikat bei Apple registriert sind.

Was Passbook nicht kann

Passbook ist kein vollst├Ąndiges System, um Kundenbeziehungen zu verwalten. Dies m├╝ssen die Anbieter selbst bereits haben, deshalb sind aktuell fast ausschlie├člich Unternehmen dabei, die bereits Buchungen digital abwickeln. Passbook bietet lediglich eine moderne Art, Papiertickets oder Kundenkarten iPhone-kompatibel zu ersetzen. Die Intelligenz dahinter muss der Anbieter selbst auffahren. Wie oft ein Passbook-Code wo gescannt oder eingel├Âst wurde: darum k├╝mmert Apple sich nicht, dies muss der Anbieter im Griff haben.

Dies ist ein Gutschein über Passbook, der beim Kauf eingelöst werden kann. Er verfällt nach einem vorgegebenen Zeitraum.
Vergr├Â├čern Dies ist ein Gutschein ├╝ber Passbook, der beim Kauf eingel├Âst werden kann. Er verf├Ąllt nach einem vorgegebenen Zeitraum.

Aber auch kleinere Firmen k├Ânnen den Dienst nutzen: Es gibt bereits erste Dienstleister, die Unternehmen anbieten, auch ohne eigene Entwicklungsabteilung in Passbook zu gelangen. Diese k├╝mmern sich um die Gestaltung der Karten und das n├Âtige Zertifikat, das man bei Apple daf├╝r braucht. Auch die Auslieferung und Aktualisierung der Karten l├Ąuft dann ├╝ber ├╝ber die Nutzeroberfl├Ąche solcher Dienstleister. Das Unternehmen muss dann nur noch eine Karten-Vorlage ausf├╝llen.

Der Anbieter Passdock erkl├Ąrt uns, dass somit beispielsweise auch kleinere Gesch├Ąfte oder ├ärzte ihre Kunden ├╝ber die Push-Funktion einer Passbook-Karte ├╝ber Neuigkeiten informieren, oder ├╝ber Geo-Benachrichtigungen auf sich aufmerksam machen k├Ânnten. Der Weg ├╝ber Drittanbieter funktioniert jedoch nur mit einfachen Passbook-Varianten wie Gutscheinen. Personalisierte Bordkarten kann man ├╝ber diesen Weg beispielsweise nicht erstellen.

Update: Karten selber basteln

Wer m├Âchte, kann eigene Karten f├╝r Passbook anlegen. Beispielsweise mit dem Webdienst "Passmagnet" k├Ânnen Sie sich eine Karte nach einer Vorlage gestalten und herunterladen. M├Âgliche Beispiele: eine Kundenkarte selbst digitalisieren oder Gru├čbotschaften und Partyeinladungen per Passbook verteilen. Denn die Karte kann man per Mail, facebook oder Weblink mit anderen teilen. Das Unternehmen sagt uns auf Anfrage, dass besonders der "Love Pass" sehr beliebt sei. Dies ist eine Liebesbotschaft per Passbook.

Passbook-Karten zum selber basteln.
Vergr├Â├čern Passbook-Karten zum selber basteln.

Bei den Bastelkarten gibt es alle Funktionen: auf Wunsch kann man die Karte mit Ortsinfos verkn├╝pfen (beispielsweise f├╝r Erinnerungen), zudem ist der Nutzer in der Lage, die Karte im Web anzupassen, die ├änderungen ├╝bernimmt die Karte sofort. Derzeit noch ein Haken: die selbst gebastelten Karten sind nicht gesch├╝tzt, wer den Link dazu kennt, kann sie ├Ąndern oder die Daten der Karte lesen. Zudem unterst├╝tzen Anbieter die Scancodes der selbst gebastelten Karten nicht zwingend. Wenn es reicht, die Kundennummer und einige Infos immer dabei zu haben, ist dies aber eine prima L├Âsung.

Fazit

Passbook ist eine prima Erg├Ąnzung und Anlaufstelle f├╝r all die Apps, die bereits Onlinebuchungen und ├Ąhnliche Dienste bieten. Denn hier hat der Nutzer alle Gutscheine und Tickets in einer App. Doch f├╝r eine gr├Â├čere Zahl Passbook-Karten ist uns die App noch etwas zu un├╝bersichtlich. Bei vielen gespeicherten Karten wird es wirr und zudem muss man zum Beispiel die Einstellungen f├╝r Abo und Benachrichtigungen f├╝r jede Karte einzeln regeln (oder in der Benachrichtigungszentrale gleich komplett abschalten).

Hinweis : Wir haben diesen Artikel am 15. November 2012 aktualisiert. Neu sind die Abschnitte "Passbook in der Praxis" und "Karten selber basteln"

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