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NFT: FAQ zum neuen Krypto-Hype für digitale Kunst

10.05.2021 | 14:23 Uhr | Steffen Zellfelder

Revolution der Kunstbranche oder die nächste Krypto-Blase? Non-Fungible Tokens (NFT) sind zurzeit in aller Munde. Unser FAQ erklärt, was es mit es mit den kryptografischen Wertmarken auf sich hat, was man damit machen kann und wer sie braucht.

Dieser Hype sucht seinesgleichen: Die Nachfrage nach NFT schießt aktuell durch die Decke. Dabei wittern Künstler, Anleger und Sammler neue Chancen, denn die virtuellen Wertmarken reißen die Tore zu einem potentiell gewaltigen Zukunftsmarkt auf. Für ein NFT des Grafikers Mike „Beeple“ Winkelmann wurden bereits 69 Millionen US-Dollar bezahlt, auch Memes wechseln für sechsstellige Beträge den Besitzer.


Was sind NFT und was kann man damit machen?

NFT ist die Abkürzung für „Non-Fungible Token“. Zu Deutsch: „Nicht-austauschbare Wertmarken“. Anders als Bitcoin oder jeder Geldschein, sind NFT einzigartig und nicht gleichwertig. Das eine NFT kann deswegen fast wertlos sein, während ein anderes für 69 Millionen Dollar an einen Unternehmer in Singapur versteigert wird.

Während Kryptowährungen also gehandelt werden können wie normales Geld, zeigen NFT legale Besitzrechte und Eigentümer digitaler Werke und Medien auf. NFT lassen sich zudem kryptografisch signieren und erhalten damit ein Copyright. Ob Bilder, Musik-Stücke, Tickets für virtuelle Events oder Benutzernamen und Gegenstände in Computerspielen: NFT machen alle diese digitalen Güter handelbar und beurkunden rechtswirksame Besitzansprüche. Sie werden aktuell überwiegend als Teil der Ethereum-Blockchain gespeichert.


Wer erstellt NFT und wo kann man sie kaufen?

Auf verschiedenen Online-Marktplätzen wie OpenSea , Mintable oder Rarible kann man NFT kaufen und verkaufen, gespeichert werden sie in einer digitalen Wallet – ähnlich wie man es von Kryptowährungen kennt. Mit dem richtigen Gespür kann man damit richtig Geld machen: Die anfangs noch kostenlosen CryptoPunks, eigentlich nur verpixelte Konterfeis zum Sammeln, gehen momentan für umgerechnet rund 50.000,- € über die virtuelle Ladentheke. Man muss NFT auch nicht als Unikate verkaufen, für jedes Werk lassen sich beliebig viele Tokens erstellen - mit entsprechender Auswirkung auf den Marktwert natürlich.

CryptoPunks, eigentlich nur verpixelte Konterfeis zum Sammeln, werden jetzt teuer verkauft.
Vergrößern CryptoPunks, eigentlich nur verpixelte Konterfeis zum Sammeln, werden jetzt teuer verkauft.
© Rokas Tenys

NFT kann jeder selbst erstellen und verkaufen. Vorausgesetzt, man verfügt über ein entsprechendes digitales Werk und findet einen Abnehmer. Auf einer Handelsplattform lädt man dazu Dateien wie MP3, GIF oder PNG hoch, bezahlt eine kleine Gebühr (in Form einer Kryptowährung) und kann seine NFT anschließend in der Wallet ablegen. Weil die Tokens dann Teil der Blockchain sind, muss man sie nicht auf der gleichen Plattform verkaufen, bei der man sie erstellt hat. Überhaupt besteht keine Veräußerungspflicht, jeder kann mit NFT zum Sammler eigener Kunstwerke werden.


Was verbindet NFT mit Ethereum?

Die meisten NFT werden aktuell als Teil der Ethereum-Blockchain gespeichert. Ethereum zählt wie Bitcoin zu den Kryptowährungen und bietet in seiner Blockchain Raum für zusätzliche Informationen, auf die NFT angewiesen sind. Theoretisch können aber auch andere Blockchains für NFT genutzt werden. Bei der Kryptowährung Tron wurden entsprechende Tokens mit dem Standard TRC-721 bereits im Dezember vergangenen Jahres vorgestellt – wohl auch als Reaktion auf den Boom von ERC-721, dem Ethereum-Protokoll für NFT.


Und was hat NFT mit Kunst zu tun?

Manche in der Kunstbranche feiern NFT schon als Game-Changer, tatsächlich öffnet die damit verbundene Digitalisierung des Kunstmarktes ein paar rostige Tore. Zum einen entstehen immer mehr Kunstwerke im virtuellen Raum, seien das Memes, Grafiken oder Gegenstände in Computerspielen. NFT erlauben hier eine klare Feststellung von Besitzansprüchen und ermöglichen neue Modelle der Monetarisierung. Gleichzeitig hat der Kunstmarkt ein generelles Nachfrageproblem und da kommt der Hype gerade recht: Beim Verkauf von Beeples 69-Millionen-Dollar-Werk tummelten sich beispielsweise fast ausschließlich Neukunden im Auktionshaus.

Mit NFT ergeben sich auch neue Investitionsmöglichkeiten in Kunstobjekte. Inhaber können etwa prozentuale Anteile an Werken per NFT verkaufen, ohne selbst das Besitzrecht aufgeben zu müssen. Auch Museen könnten neue Finanzierungsformen entwickeln: Anteile an Werken großer Künstler ließen sich mit NFT anteilig veräußert, während das betroffene Objekt an Ort und Stelle bleibt. Eigentümer können mit NFT auch Tantiemen für ihre digitalen Werke festlegen und erhalten dann bei jedem Weiterverkauf einen Anteil des Verkaufspreises.


Aber kann man die digitalen Objekte nicht einfach kopieren?

Klar, das geht. Digitale Güter wie Bilder, Videos oder Memes kann jeder ohne Weiteres kopieren. Auch wenn Besitzer, Copyright oder die Einzigartigkeit solcher Dateien per NFT dokumentiert und bewiesen sind, geht das mit einem einfachen Rechtsklick. NFT geben dem Inhaber aber etwas, dass man eben nicht kopieren kann: Den Besitz und alle damit verbundenen Ansprüche am digitalen Werk. Als praktisches Beispiel: Jeder kann einen Kunstdruck der Mona Lisa bestellen oder zuhause auf einen Kopierer legen, das Original hängt trotzdem nur ein einziges Mal im Louvre in Paris.


Sind NFT also diebstahlsicher?

Ja und nein. Bei NFT ist einfaches „Raubkopieren“, genau wie bei geläufigen Kryptowährungen, praktisch ausgeschlossen. Dafür sorgt die Ethereum-Blockchain. Informationen zu Käufer und Verkäufer oder das Kaufdatum werden, vergleichbar mit der Dokumentation bei der Kontoführung, für jede Transaktion in der Blockchain transparent gespeichert. Besitzer, Einzigartigkeit und Echtheit werden damit quasi virtuell in Stein gemeißelt. Um einen Teil der Blockchain betrügerisch zu manipulieren, müsste ein Übeltäter mindestens 51 % der Rechenleistung im Mining-Netzwerk innehaben. In der Branche gilt dieses Szenario als ziemlicher Super-GAU, das praktische Risiko dafür ist jedoch minimal.

NFT können aber auf die gleiche Weise gestohlen werden, wie Bitcoin oder Ethereum auch: Indem sich ein potentieller Dieb Zugang zu der Wallet verschafft, in der die Tokens abgelegt sind. Mit Kopieren und Einfügen ist es also nicht getan, man braucht schon kriminelle Energie.

Wie eine Blockchain genau funktioniert, und warum sie so sicher ist, erklären wir in diesem Beitrag .


Warum sind NFT mitunter Millionen Euro wert?

Hier wird es spannend und potentiell riskant. Genau wie bei Bitcoin und Co. gehen auch bei NFT die Meinungen weit auseinander. Die einen halten die Tokens für eine unvermeidbare Revolution der Kunstbranche, für andere ist es bestenfalls ein Gimmick mit gewaltigem Verlust-Potential. Obwohl man sich NFT nicht an die Wand hängen kann, wurden die Tokens schon vielfach für horrende Summen verkauft: Jack Dorseys erster Tweet brachte 2,5 Millionen US-Dollar ein, eine Kollektion des Rick-and-Morty-Schöpfers Justin Roiland wechselte für 2,3 Millionen Dollar den Besitzer und das „Disaster Girl“ Zoë Roth hat ein NFT ihrer Meme für immerhin 500.000 US-Dollar veräußert.

So hohe Summen kommen nur zusammen, wenn sich eine entsprechende Nachfrage aufbaut - und die ist aktuell aufgrund des Hype um NFT besonders groß. Das zieht Spekulanten und Sammler an. Zudem ist digitale Kunst sicher ein mächtiger Zukunftsmarkt, NFT rütteln daher sicher auch manche in der Kunstbranche wach. Ein Garant für schnellen Reichtum ist das natürlich nicht, auch bei NFT können sich Blasen bilden und hohe Verluste entstehen – aber eben auch riesige Gewinne.


Ist NFT schlecht fürs Klima?

Aktuell muss man das wohl mit einem Ja beantworten. Auch NFT leiden am Energie-Dilemma vieler Kryptowährungen: Pro Transaktion werden über 80 Kilowattstunden Strom verbraucht und damit rund 33 Kilogramm CO2 ausgestoßen. Das rechnet die Webseite Cryptoart.wtf aus. Zumindest für die Ethereum-Blockchain ist aber Hoffnung in Sicht: Noch in diesem Jahr soll das ressourcenaufwendige Konsensverfahren „Proof of Work“ (PoW) durch „Proof of Stake“ (PoS) ersetzt werden. Damit wird nicht nur eine wesentliche Reduktion des Energieverbrauchs erwartet, auch die Transaktionsgeschwindigkeit nimmt zu: Von derzeit etwa 15 Vorgängen pro Sekunde auf mehrere tausend.


Hat NFT-Kunst Zukunft?

Darüber kann man nur spekulieren, es sieht aber momentan alles danach aus. Wenn digitale Kunst zukunftsfähig ist, dann sind es wohl auch NFT. Theoretisch sind zudem viele weitere Einsatzbereiche möglich. Neben der Funktion als Echtheits-Zertifikat sind die Tokens auch als fälschungssichere Tickets für Events vom Konzert bis zum Erlebnisbad denkbar. Auch nicht-digitale Gegenstände könnten sich damit eines Tages verifizieren lassen und auf Personen sind sie ebenfalls anwendbar: Etwa zur Identifikation bei Behörden oder Ämtern.

Es gibt zudem schon Computerspiele, bei denen NFT die Form von Items, Charakteren oder virtuellen Landstrichen annehmen. Auch die weltgrößte Krypto-Handelsplattform Binance steigt ins Geschäft ein: Noch im Juni 2021 will man einen eigenen Marktplatz für Krypto-Kunst eröffnen. Dabei hat man sowohl den Handel mit hochpreisigen Premium-Artikeln im Blick, wie auch Otto-Normalverbraucher: Ein zweiter Marktplatz für Jedermann soll auch Erschwingliches handeln. Hier will sich Binance zumindest anfangs noch mit einem Prozent Provision begnügen, man setzt also offenbar auf einen wachsenden Markt.

Auch die Deutsche Börse und die Commerzbank haben kürzlich Millionensummen investiert, um neue Marktplätze zu schaffen, auf denen Kunden bald Anteile an digitalen Werken über die Blockchain handeln sollen.


Fazit

NFT in der Kunst und anderswo haben einige Gemeinsamkeiten mit den bekannten Kryptowährungen. Sie werden als Teil einer Blockchain gespeichert, das macht sie fälschungssicher und digital handelbar. Gleichzeitig hängt ihr Wert von einer mitunter stark schwankenden Nachfrage ab, so sind große Wertsprünge möglich. Neben Zockern und Spekulanten bietet das Medium besonders Kunstreibenden aber viele spannende und potentiell lukrative Chancen: Im wachsenden Markt digitaler Werke, von Memes über Zeichnungen bis hin zu virtuellen Items, können Urheber ihre Werke damit besser zu Geld machen und Besitzansprüche zweifelsfrei nachweisen.

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