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Nikon Z vs. Canon EOS-R vs. Sony Alpha 7 im Vergleich

26.09.2018 | 15:08 Uhr | Markus Schelhorn

Vollformat-Systemkameras im Datenblatt-Check: Wir vergleichen die Modelle Canon EOS-R, Sony Alpha 7R III und Nikon Z7.

Canon und Nikon haben Sony mit seiner Alpha-7-Serie jahrelang das Feld der spiegellosen Vollformat-Kameras überlassen. Auch Leica bietet mit der Leica SL seit einiger Zeit eine Vollformat-Systemkamera an, die allerdings mit 5900 Euro hochpreisig und somit eher ein Nischenprodukt für zahlungskräftige Kunden ist.

Neu im Ring ist nun auch Panasonic, die nun im Rahmen der L-Mount-Alliance mit Leica und Sigma ebenfalls zwei Vollformat-Sytemkameras vorgestellt haben. Beide Kameras werden Anfang 2019 auf den Markt kommen, die technischen Details sind bislang noch nicht bis in Letzte festgezurrt.

Den Rückstand zu Sony und Leica möchte Canon und Nikon nun mit dem EOS-R-System und dem Nikon-Z-System beseitigen. Canon startet am dem 9. Oktober mit der Kamera EOS-R ( alle Details in diesem Artikel ). Nikon ist mit der Kamera Z7 bereits Ende September am Start, die Z6 folgt im November ( alle Details in diesem Artikel ). Canon und Nikon folgen spät, aber wohl noch rechtzeitig. Denn der Trend geht deutlich hin zu spiegellosen Systemkameras mit einem großflächigen Bildsensor. Kein Wunder also, dass Nikon seine Systemkamera-Serie Nikon 1 mit ihrem Winzlings-Bildsensor eingestampft hat und Canon mit der EOS M50, einer Systemkamera mit APS-C-Bildsensor, Verkaufserfolge erzielt. Wir vergleichen die technischen Angaben die drei Systeme anhand der Datenblätter. Dies gibt bereits einen ersten Eindruck, in welchen Disziplinen die drei Modelle Canon EOS-R, Sony Alpha 7R III und Nikon Z7 sich unterschieden.

➤ Nikon Z6 im Preisvergleich    ➤ Canon EOS R im Preisvergleich    ➤ Sony Alpha 7 im Preisvergleich

Canon EOS-R

Nikon Z7

Sony Alpha 7R III

Preis ohne Objektiv

2.499 €

3.849 € (mit FTZ Bajonettadapter)

3.299 €

Auflösung

30,3 MP

45,7 MP

42,2 MP

Videoauflösung

4K, 30 fps

4K, 30 fps

4K, 30 fps

ISO

100 bis 40.000 (erweiterbar auf L: 50, H1: 51.200, H2: 102.400)

 64 bis 25.600 (erweiterbar auf 32 oder 102.400)

100 bis 32.000 (erweiterbar auf 102.400)

Verschlusszeit

30 s bis 1/8000 s, BULB

30 s bis 1/8000 s, BULB

30 s bis 1/8000 s, BULB

Display

3,2 Zoll, 2,1 MP, dreh- und schwenkbar

3,2 Zoll, 2,1 MP, schwenkbar

3,0 Zoll, 1,4 MP, schwenkbar

Bildstabilisator

Per Objektiv (optischer Bildstabilisator)

In Kamera durch beweglichem Bildsensor, 5-Achsen

In Kamera durch beweglichem Bildsensor, 5-Achsen

Schnittstellen

USB 3.1, Wi-Fi, Bluetooth, HDMI, 3,5-mm-Mikro- und Kopfhörerbuchse, E3-Schnittstelle, Zubehörschuh

USB 3.1, NFC, Wi-Fi, Bluetooth, HDMI, 3,5-mm-Mikro- und Kopfhörerbuchse, Zubehöranschluss, Zubehörschuh

USB 3.1, NFC, Wi-Fi, Bluetooth, HDMI, 3,5-mm-Mikro- und Kopfhörerbuchse, Sync-Anschluss, Zubehörschuh

Bajonett

EF-Bajonett

Z-Bajonett

E-Mount

Sucher

0,5 Zoll OLED, 3.690.000 Bildpunkte

0,5 Zoll OLED, 3.690.000 Bildpunkte

0,5 Zoll OLED, 3.686.400 Bildpunkte

Akkulaufzeit laut CIPA

Ca. 370 Aufnahmen 

Ca. 330 Aufnahmen 

Ca. 530 Aufnahmen (Sucher), ca. 650 Aufnahmen (LC-Display) 

MaĂźe Body

135,8 x 98,3 x 84,4 mm

134 x 100,5 x 67,5 mm

126,9 x 95,6 x 73,7 mm

Gewicht mit Akku Body

660 g

675 g

657 g

Objektive

Knapp fünf Jahre Vorsprung hat die Sony-Alpha-7-Serie gegenüber der Canon EOS-R-Serie und der Nikon-Z-Serie. Daher können Sony-Fotografen aus einem deutlich größeren Angebot an Objektiven wählen. Außer Sony haben Drittanbieter wie Sigma, Tamron und Carl Zeiss Objektive mit dem E-Mount-Bajonett im Angebot. Das EOS-R-System startet mit vier Objektiven für das eigens neu entwickelte RF-Bajonett . Zudem kann man alle EF- und EF-S Objektive mit drei Adaptern ohne Funktions-und Qualitätsverlust weiterverwenden. Zwischen drei Objektiven kann man beim Start der Nikon-Z-Serie wählen, in den nächsten zwei Jahren sollen neun weitere folgen. Auch bei Nikon lassen sich wie bei der Canon EOS-R mit einem Adapter ältere Objektive vollumfänglich weiterverwenden. Es dürfte nicht lange auf sich warten lassen, bis Objektivhersteller wie Sigma oder Tamron passende Objektive für diese Systeme auf den Markt bringen.

Sony Alpha 7 III: Seit 2013 gibt es die Alpha-7-Serie, die Sony kontinuierlich verbessert hat
Vergrößern Sony Alpha 7 III: Seit 2013 gibt es die Alpha-7-Serie, die Sony kontinuierlich verbessert hat
© Sony

Bildsensor

Bei einem technischen Merkmal herrscht bei allen Kameras Gleichstand: Sie verwenden einen Bildsensor, der bei allen der Fläche des Kleinbild-Formats entspricht – das bedeutet im digitalen Zeitalter Vollformat beziehungsweise bei Nikon FX-Format. Auf dem Papier ist der Unterschied bei den Megapixeln am deutlichsten. Die Nikon Z6 und die Sony Alpha 7 III haben die gleiche Auflösung von 24,2 Megapixel. Die Canon EOS-R bietet 30,3 Megapixel und liegt im Mittelfeld. Mit 42,4 beziehungsweise knapp 47 Megapixel lösen die Sony Alpha 7R III und die Nikon Z7 am höchsten auf. Das muss nicht gleich bedeutet, dass sie so auch die beste Bildqualität bieten, zumal nur sehr hochwertige und teure Objektive diese Auflösung überhaupt ermöglichen können. Alle Hersteller verwenden einen optischen Tiefpassfilter. Welche Kamera letztendlich die beste Bildqualität bietet, hängt von weiteren Faktoren des Kamerasystems ab und lässt sich anhand des Datenblatts freilich nicht bestimmen. Vermutlich dürfte das Rauschverhalten bei den Kameras mit geringerer Auflösung besser sein. Ein Hinweis darauf gibt das Datenblatt: Die Standard-Empfindlichkeit der Nikon Z7 ist geringer als bei den Konkurrenten Canon EOS-R und Sony Alpha 7R III. Doch erst Tests der Kameras wird diese Frage beantworten.

Canon EOS R: Die erste Vollformat-Systemkamera von Canon bietet ein dreh- udn schwenkbares Display. So sind sogar Selfies möglich.
Vergrößern Canon EOS R: Die erste Vollformat-Systemkamera von Canon bietet ein dreh- udn schwenkbares Display. So sind sogar Selfies möglich.
© Canon

Autofokus

Die Canon EOS-R bietet einen Dual Pixel Autofokus (DPAF). Dieses Autofokussystem nutzt über 5.655 Autofokuspunkte. Der Dual Pixel Autofokus kommt mit einer beachtlichen Leistung bereits in einigen DSLRs und EOS M-Kameras von Canon zum Einsatz. Sowohl die Sony Alpha 7R III als auch die Nikon Z6 und Z7 nutzen für den Autofokus eine Hybrid-Phasenerkennung und Kontrasterkennung. Die Sony-Kameras bietet allerdings mehr Autofokuspunkte. Der Autofokus der Alpha 7R III ist derselbe wie der der schnellen A9. Nikon könnte hier ein Joker sein – die Spezifikationen sehen ordentlich aus, und Nikon hat auf seinen DSLRs leistungsfähige Sucher-basierte AF-Systeme produziert. Es bleibt also spannend, ob Nikon mit einem Autofokussystem mit Live-View überzeugen kann. Sowohl die Sony-Kamera als auch die Canon EOS-R verfügen zudem über einen AF zur Augenerkennung, während Nikon nur über eine Gesichtserkennung verfügt.

Bildstabilisierung

Canon und Nikon nutzen üblicher Weise eine optische Bildstabilisierung, die sich im Objektiv befindet. Canon hält an diesem Vorgehen auch bei der EOS-R fest. Sprich: Diese Kamera bietet keinen eingebauten Bildstabilisator, der durch einen beweglichen Bildsensor Verwacklungen ausgleicht. Diese kommt dagegen erstaunlicher Weise in den beiden Nikon-Kameras Z6 und Z7 zum Einsatz. Wie die Sony Alpha 7 III nutzen sie ein 5-Achsen-Stabilisierungssystem.

Nikon Z7: Im Gegensatz zur Canon EOs R bietet die Nikon Z6 und Z7 einen eingebauten Bildstabilisator.
Vergrößern Nikon Z7: Im Gegensatz zur Canon EOs R bietet die Nikon Z6 und Z7 einen eingebauten Bildstabilisator.
© Nikon

Gehäuse und Ausstattung

Erfreulich ist, dass Nikon und Canon die Haptik und Ausstattung der DSLR-Technik in ihre neuen spiegellosen Optionen übertragen möchten. So bieten die Canon EOS-R, die Nikon Z6 und Z7 anständige elektronische Sucher und kippbare Touchscreens (bei Canon auch schwenkbar). Schön ist, dass die Nikon Z6, Z7 und die Canon EOS R oben einen zweiten Kontrollbildschirm haben, auf dem alle wichtigen Details der Aufnahme angezeigt werden – die Sony Alpha 7R III verzichtet auf diese Anzeige. Gut bei Canon: Über einen Steuerring an den R-Objektiven lassen sich Einstellungen wie Blende oder ISO ändern. Aber Sonys Alpha 7R III hat die kleinsten Abmessungen und schafft es dennoch, Dual-Media-Slots einzubauen. Die Konkurrenten von Canon und Nikon bieten dagegen nur einen Speicherkarten-Steckplatz, ein KO-Kriterium für viele Profi-Fotografen.

Akkulaufzeit

Die spiegellosen Kameras der ersten Generation von Sony bieten eine nur geringe Akkulaufzeit. Jetzt hat Sony diese Akkulaufzeit mit der Alpha 7R III mehr als verdoppelt. Hier hinken die Konkurrenten von Canon und Nikon mit fast die Hälfte der Akkulaufzeit gehörig hinterher – zumindest laut Datenblatt. Die Messungen der Akkulaufzeit werden nach dem CIPA-Standard vorgenommen, der das Verhalten von DSLR-Kameras nachahmen und so ein praxistaugliches Ergebnis produzieren soll. Dieses Verfahren ist allerdings für Systemkameras nicht passend und so kann man erwarten, dass im echten Praxiseinsatz die Akkulaufzeiten alles Kameras höher als auf dem Datenblatt angegeben ist. Eines ändert sich aber nicht: Schon auf dem Datenblatt hält der Akku der Sony Alpha 7R III deutlich länger, das wird sich sicherlich auch in der Praxis beweisen.

Fazit

Canon und Nikon starten mit ihren Vollformat-Kameras eine schwierige Aufholjagd. Denn Sony war nicht tatenlos und hat seit den fünf Jahren ihres Bestehens die Alpha-7-Serie kontinuierlich weiterentwickelt. Erste Praxistests werden die Stärken und Schwächen der Canon- und Nikon-Systemkameras im Alltag zeigen. Laut Datenblatt sind alle Systeme zumindest auf hohem Niveau. Canon dürfte den besseren Autofokus haben, die Nikon-Kamera dürfte einen Tick schneller sein und die Sony Alpha 7R III dürfte die längste Akkulaufzeit bieten. Entscheidend für viele Canon- und Nikon-Umsteiger von einer DSLR-Kamera hin zu einer kompakteren und leichteren Systemkamera ist die Bedienung der Kamera: Sitzen die Funktionstasten und Räder dort, wo man sie gewohnt ist und kommt man in der Praxis leicht mit der Kamera zurecht.

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