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Online-Backup: Die sechs besten Cloud-Dienste für den Mac

26.08.2019 | 09:38 Uhr | Stephan Wiesend

Time Machine ist effektiv und komfortabel, Online-Backups wie Arq und Backblaze haben aber einige Vorzüge. Wir stellen die sechs interessantesten Lösungen für Mac-Anwender vor.

Mit regelmäßigen Time Machine Backup des Macs ist man gut gegen Rechnerdefekte oder Unfälle abgesichert. In Zeiten schneller Internetverbindungen ist aber ein reines Cloud-Backup ebenfalls verlockend und bietet einige Vorteile. So liegt die Time-Machine-Festplatte doch meist direkt neben dem Mac: Bei einem Einbruch könnte der Dieb zusätzlich zum Macbook dann auch die Time-Machine-Festplatte mitnehmen, bei einem Brand sowohl Rechner als auch Backup beschädigt werden. Auch eine Ransomware könnte sowohl Daten als auch alle Backups vernichten  – zumindest unter Windows durchaus möglich. Apple selbst bietet kein Online-Backup für Macs, es gibt aber zahlreiche Anbieter. Wir haben uns sechs sehr unterschiedliche Dienste näher angesehen. Was schnell auffällt: Mindestens ein TB Online-Speicher sollte es schon sein und auch die Performance ist recht unterschiedlich.

Inhaltsverzeichnis

Acronis True Image 2020
Google Drive Backup & Sync
iCloud
One Drive
Backblaze
Arq Cloud Backup
Unsere Empfehlung

Acronis True Image 2020

Acronis hat vor allem in der Windows-Welt einen hervorragenden Ruf, auch eine Mac-Version ist verfügbar. Die Cloud-Version von True Image erstellt nicht nur lokale Backups sondern beinhaltet auch bis zu ein TB bzw. 1000 GB an Online-Speicher. Gut: Der Hersteller hat auch den eigentlichen Notfall im Auge, bei dem man die Daten wiederherstellen muss – bei einem Online-Backup nicht ganz einfach. Acronis bietet als einziger der Lösungen dazu die Erstellung eines Bootmediums an, über das man die Daten aus dem Web laden und auf einen Mac überspielen kann. Man kann die Daten so auch nach Verlust des Rechners oder Ausfall der SSD wiederherstellen – entweder auf den reparierten Mac oder ein neues Gerät. Zusätzlich zu Online-Backups ermöglicht Acronis als einzige Lösung Backups auf ein lokales Medium, also eine Festplatte oder NAS. Will man ganz sichergehen, kann man damit also Daten  sowohl auf eine lokale Festplatte und in der schnellen Acronis-Cloud sichern. Cloud-Speicher gibt es  nur im Rahnen der Abo-Versionen von Acronis, bei Cloud-Diensten üblich. 250 GB kosten hier 50 Euro im Jahr, schon brauchbarere 500 GB erhält man für 70 Euro und 1 TB für 100 Euro – pro Rechner.

Eine Besonderheit der Acronis-Software: Es gibt einen integrierten Schutz vor Ransomware, eine echte Plage in der Windows-Welt. Beginnt etwa eine Malware Daten zu verschlüsseln, soll die Software dies erkennen und unterbinden.

Acronis True Image bietet sogar einen Schutz gegen Ransomware
Vergrößern Acronis True Image bietet sogar einen Schutz gegen Ransomware

Google Drive Backup & Sync

Google Drive ist wohl einer der bekanntesten Online-Speicherdienste, viele verwenden die Lösung vor allem für die Synchronisation von Daten. Es gibt aber neben der bekannten App Google Drive eine App für Online Backups: Google Drive Backup & Sync . Die altmodisch wirkende Software läuft im Hintergrund und kann Ordner gezielt im Web sichern – bespielsweise den Nutzerordner. Fotos kann die Software gezielt speichern, auf Wunsch auch nur als komprimierte Version. Die kostenlos nutzbare Version von Google Drive kommt da aber schnell an ihre Grenzen. Für E-Mail, Fotos, Dokumente und Google Drive stehen viel zu niedrige 15 GB zur Verfügung. Für 20 Euro im Jahr gibt es aber immerhin 100 GB und für 30 Euro im Jahr 200 GB an Speicherplatz. Im Time Machine-Bereich ist man aber eigentlich erst mit 1 TB, was 100 Euro im Jahr oder 10 Euro im Monat kostet. Das ist im Vergleich zu spezialisierten Backup-Diensten wie Acronis und Arq Cloud schon relativ teuer. Zumindest bei der Performance kann Google Drive aber überzeugen: In unserem Test war das Upload-Tempo bei Google Drive besonders hoch.

Die Backuplösung von Google wirkt etwas altmodisch
Vergrößern Die Backuplösung von Google wirkt etwas altmodisch

iCloud

Das Konzept eines Online-Backups ist eigentlich uralt und Apple hat eine innovativere  Alternative im Angebot: Lagert man seine Ordner Schreibtisch und Dokumente in die Cloud aus, werden diese dort von Apple synchronisiert. Backups sind nicht nötig, werden doch die Apple-Server im Rechenzentrum automatisch gesichert – deshalb sollten die Daten auf einem Cloud-Server sicherer als auf einer heimischen Festplatte sein. Die Daten sind außerdem auf anderen Macs und sogar iOS-Geräten verfügbar. Wird der Mac gestohlen oder geht in Flammen auf, kann man die Daten einfach auf einem anderen Apple-Gerät weiter nutzen – ohne ein langes Restore.

Die Konfiguration ist einfach: Einfach ein Häkchen in den iCloud-Einstellungen (Systemeinstellungen -> iCloud -> iCloud Drive-Optionen -> Ordner „Schreibtisch“ & „Dokumente“) setzen – schon werden alle Dateien, die auf dem Desktop oder im Dokumente-Ordner liegen, automatisch in die Cloud gespiegelt. Das Backup ist zwar auf Dokumente und Desktop begrenzt, Fotos und Musikdaten kann der Apple-Nutzer mit Fotos und iTunes ja ebenfalls in iCloud auslagern.

Beim Upload-Tempo konnte uns iCloud nicht überzeugen, für den Download der Testdatei benötigte der Apple-Dienst besonders lange.
Vergrößern Beim Upload-Tempo konnte uns iCloud nicht überzeugen, für den Download der Testdatei benötigte der Apple-Dienst besonders lange.

Wie unsere Performance-Grafik zeigt liefert allerdings iCloud in unserem Upload-Test die schlechtesten Performance-Werte. Mit unserer VDSL 100-Leitung dauert der Upload unserer 1,5 GB Testdatei per iCloud-Webseite 44 Minuten und 45 Sekunden, Google Drive benötigt hier nur knapp über sieben Minuten. Vor allem das mäßige Upload-Tempo macht iCloud deshalb nur eingeschränkt für höhere Ansprüche oder die Verwaltung größerer Dateien tauglich – für  Video-Arbeiter oder RAW-Fotografen also eher nicht. Bei den Preisen ist Apple im üblichen Rahmen, für 10 Euro im Monate gibt es 2 TB, für 3 Euro pro Monat etwas knappe 200 GB.

Damit das Backup-Programm auf alle Daten zugreifen kann, muss es über die Systemeinstellung Sicherheit Zugriffsrecht auf die Festplatte erhalten.
Vergrößern Damit das Backup-Programm auf alle Daten zugreifen kann, muss es über die Systemeinstellung Sicherheit Zugriffsrecht auf die Festplatte erhalten.

One Drive

One Drive ist eigentlich kein Backup-Dienst, es gibt auch keine zugehörige Backup-App. Installiert man die App am Mac, erhält man nur den üblichen Cloud-Ordner. Was allerdings den Dienst interessant macht: Jedem Nutzer von Office 365 steht ein ganzes TB an Online-Speicher zur Verfügung – und um Office kommen viele berufliche Anwender sowieso nicht herum. Einige Daten werden von dem Microsoft-Dienst außerdem bereits automatisch per Cloud verwaltet: Auf Wunsch speichert Office alle Excel-, Word- und andere Office-Dateien automatisch in der Cloud – ein zusätzliches Backup ist nicht nötig. Interessant ist der Dienst aber auch durch eine Archivierungsfunktion: Auf Wunsch verlagert das Tool Dateien automatisch in die Cloud und man behält nur platzsparende Alias-Dateien auf der Mac-Platte – statt sie auf eine externe Festplatte zu verbannen. Gerade für intensive Nutzer von Office ist das schnelle One Drive sicher keine schlechte Lösung – nicht zuletzt als Ergänzung zu Time Machine.

Office 365 kostet regulär ab 69 Euro im Jahr, allerdings gibt es Ein-Jahres-Abos im Einzelhandel oft deutlich günstiger. Weniger positiv: Beim Thema Privatsphäre hat Microsoft keinen guten Ruf und die Daten werden automatisch nach illegalen Inhalten gescannt.

Backblaze

Mit der doch etwas irritierenden Meldung, das erste Backup könnte Tage oder gar Wochen dauern, begrüßt einen das Installationsprogramm von Backblaze . Dafür gibt es gute Gründe: Die vor allem in den USA sehr beliebte Lösung bietet eigentlich sehr schnelle Cloud-Server, was ein eigener Leistungstest auf der Webseite beweisen soll. Hier erzielt Backblaze etwa die gleiche Leistung wie Google und One Drive. Ab 60 Dollar pro Jahr ist der Dienst nutzbar, eine Volumenbeschränkung gibt es nicht, was anfangs beeindruckt.

Konzept von Backblaze ist es allerdings, dass die Backups unauffällig im Hintergrund stattfinden – also weder Surfen noch Skype und Netflix ausbremsen. In der Standardeinstellung sind die Uploads deshalb stark gedrosselt, auch bei sehr schneller Internetanbindung. Das Tool lädt in dieser Einstellung nur etwa 40 GB pro Tag auf die Firmenserver. Man kann die Drosselung auf Wunsch komplett deaktivieren: Nach Ausschalten des „Automatic Threading“ und der Erhöhung der so genannten Backup Threads erhöht sich unser Upload-Tempo dann auf immerhin 266 GB pro Tag. Eigentlich ist dies aber immer noch relativ wenig. Was uns aber bei den Messungen auffiel: Die Aktualisierung eines Backups, also das Ergänzen neuer Dateien, erfolgt weitaus langsamer als bei Time Machine oder Arq. Eine neue Datei wird von dem Hintergrundprozess von Backblaze oft erst nach einigen Stunden erfasst und keineswegs sofort gesichert. Deshalb mussten wir auch auf eine Performance-Messung verzichten – der Upload einer einzelnen Datei ließ sich nicht zuverlässig messen. Offensichtlich will Backblaze so unnötige Datentransfers vermeiden.

Backblaze ist ein ausgereiftes Programm, das unauffällig im Hintergrund laufen soll.
Vergrößern Backblaze ist ein ausgereiftes Programm, das unauffällig im Hintergrund laufen soll.

Positiv: Die Oberfläche ist leicht bedienbar und funktionsreich, für Einsteiger sind die Voreinstellungen gut brauchbar. Eine Besonderheit beim Schadensfall: Man kann sich die Daten per USB-Stick oder auf einer Festplatte zuschicken lassen. Die Zusendung kostet laut Anbieter ab 99 Dollar, für Nicht-US-Kunden wird es aber etwas teurer – und sendet man den Datenträger zurück, gibt es eine Kostenerstattung.

Backblaze ist ein ausgereiftes Programm, das unauffällig im Hintergrund laufen soll.
Vergrößern Backblaze ist ein ausgereiftes Programm, das unauffällig im Hintergrund laufen soll.

Arq Cloud Backup

Die Software Arq ist vor allem als Backup-Programm bekannt, erst seit kurzem kann man das Tool auch mit einem firmeneigenen Cloud-Dienst verwenden. Das schon seit vielen Jahren bewährte Arq Cloud richtet sich vor allem an erfahrene Anwender, die Zugriff auf einen eigenen Cloud-Speicher haben – einen Unternehmens-Server, einen Account bei Amazon S3 oder dem günstigen Wasabi . Mit der Backup-Software kann man seine Daten zu einem frei wählbaren Dienst hochladen, muss sich aber selbst um Zugangsdaten und Server-Gebühren kümmern. Da ein Dienst wie S3 oft nach Datenvolumen abrechnet, kann man bei bestimmten Aufgaben viele Gebühren sparen.

Der neue Dienst Arq Cloud Backup basiert auf dieser Backupsoftware, richtet sicha ber an Heimanwender mit wenig Vorwissen. Man installiert das Tool und kann seine Daten sofort auf einen eigenen Server von Arq hochladen. Gut: Vorgegeben ist ein Server in den USA, ein Rechenzentrum in den Niederlanden ist aber alternativ wählbar. Optisch kann das Tool zwar nicht mit Backblaze oder Acronis mithalten, die Oberfläche ist sehr schlicht gehalten. Auch die Auswahl einzelner Ordner oder Abwahl von Verzeichnissen ist etwas umständlich. Die Performance und Funktionsumfang sind aber brauchbar und die Restore-Funktion ist simpel aber völlig ausreichend. Zugriff auf die Backups ist ebenfalls per Webseite möglich. Für 60 Dollar pro Jahr erhält man ein TB Speicher. Im Unterschied zu anderen Diensten können außerdem mehrere Rechner einen Account nutzen.

Arq Cloud ist eine einfach bedienbare Version von Arq Backup, der Cloud-Dienst ist hier bereits vorkonfiguriert.
Vergrößern Arq Cloud ist eine einfach bedienbare Version von Arq Backup, der Cloud-Dienst ist hier bereits vorkonfiguriert.

Unsere Empfehlung:

Unsere sechs Backup-Methoden bieten sehr unterschiedliche Konzepte, lassen sich deshalb nur schwer miteinander vergleichen. Besonders ausgereift sind die beiden Lösungen Backblaze und Acronis Cloud, die sich als echte Time Machine-Alternativen eignen. Auch das neue Arq Cloud macht aber bereits einen sehr brauchbaren Eindruck. Es richtet sich aber doch wohl eher an erfahrene Anwender. Ist der Online-Dienst eher als Ergänzung zu Time Machine gedacht, bieten One Drive und Google Drive einige interessante Backup-Möglichkeiten – nicht zuletzt auch für das Auslagern von Daten.

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