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Playgrounds in iOS 10 – Mit dem Code auf dem Spielplatz

21.03.2017 | 15:45 Uhr |

Auf dem IPad unter iOS 10 erscheint eine neue App mit dem Schwalben-Logo drauf. Entwickler werden Swift darunter vermuten ...

... und gar nicht mal so falsch liegen. Denn in iOS 10 geht Apple in seinen Bemühungen um Programmierernachwuchs noch einen Schritt weiter und bringt gleich eine Lern-App für seine eigene Programmiersprache. Tim Cook wird in Interviews nicht müde zu betonen, dass das Programmieren in der Zukunft genau so wichtig wird wie die Fremdsprachen und diese Fertigkeiten auf das Curriculum in jede Schule gehören. Es ist nur konsequent, dass Apple eine eigene App fürs Erlernen von Swift bringt.

Swift Playgrounds auch in deutsch

Seit dem 21. März 2017 gibt es Swift Playgrounds nicht nur auf Englisch, Apple gibt seine Entwicklungsumgebung für Lernende nun auch in fünf weiteren Sprachen heraus. Neben Deutsch sind das vereinfachtes Chinesisch, Spanisch, wie man es in Lateinamerika spricht, sowie Japanisch und Französisch. Laut Apple-CEO Tim Cook zählt Swift Playgrounds schon heute mehr als eine Million Downloads.

Mit Byte Edelsteine sammeln und Portale öffnen

Momentan bietet die App Kurse in den zwei größeren Blöcken "Fundamentals of Swift" und "Beyond the Basics", wir haben in der Beta-Phase von iOS 10 den ersten Block fast bis zu Ende geschafft. Er ist auch der erste Berührungspunkt mit dem Code für blutige Anfänger. Aufgebaut ist das Programm wie ein x-beliebiger Lernkurs – vom Einfachen bis zum Komplexen, angereichert mit Übungen. Doch "Playgrounds" ist für Kinder konzipiert, das sieht man an der Lernmethode. Nach einer kurzen Einführung zu dem jeweiligen Bereich (meistens mit wenig Text, dafür mit verständlichen Animationen) muss der Nutzer bestimmte Aufgaben lösen. Ganz klar, in einer Programmier-App muss man Programmcode schreiben, doch die Aufgaben gleichen einem Spiellevel in, sagen wir mal, "Monument Valley". Der Protagonist Byte bewegt sich in einer zweidimensionalen Welt auf vorgegebenen Feldern. Das Ziel ist immer, die vorhandenen Edelsteine zu sammeln und die Portale zu öffnen, dafür muss der Nutzer die lustige Figur bewegen, drehen und springen lassen. Der einzige Unterschied zu einer Spiele-App: Dies alles geschieht nicht per Touch, sondern mit Swift-Commandos.

Durchdachtes Konzept, fummelige Bedienung

Apropos Swift-Commandos: Die App hilft einem auf die Sprünge und gibt die Grundbefehle mit auf den Weg. Bei weiteren Fortschritten muss man eigene Funktionen, Loops und IF-Bedingungen definieren. In der App werden sie in der obersten Leiste der Tastatur eingeblendet, wo normalerweise die Wortvorschläge von QuickType erscheinen. Spätestens bei den Loop-Befehlen oder ab dem Abschnitt "Conditional Code" ist das Aufrufen der vorgegebenen und eigens erstellten Kommandos nur noch fummelig, denn man muss in dieser schmalen Leiste hin und her scrollen, bis man den richtigen Befehl überhaupt findet. Besser wäre hier eine Extra-Spalte in der Tastatur, die sämtliche Befehle übersichtlich darstellt, der verlorene Platz wäre dann besonders im Querformat verschmerzbar.

Didaktisch gesehen haben die Macher der App alles richtig gemacht: Die Einführung ist prägnant und kurzweilig. Die Aufgaben steigern sich in der Komplexität, aber es gibt genug Wiederholungen, um nicht die bereits geschaffte Abschnitte zu vergessen. Die Ergebnisse sieht man sofort: Der Bildschirm in der App ist zu einer Hälfte stets mit der virtuellen Byte-Welt belegt. Drückt man "Run my Code", selbst wenn die Aufgabe nicht bis zum Ende gelöst ist, läuft Byte nach den vorgegebenen Befehlen die Tafeln ab und zeigt an, ob der Gedanke bei der Lösung richtig oder falsch war. Ungeachtet dessen, dass Playgrounds einer Spiele-App ähnelt, sind die einzelnen Aufgaben nicht für Daddel-Pausen zwischendurch geeignet, man muss sich wirklich konzentrieren um die Befehlsabfolge richtig zu schreiben. Zu einer richtigen Herausforderung wurde für die weiblichen Tester die Rechts- und Links-Drehungen von Byte. So flippte zuweilen unser iPad lustig hin und her, damit Byte und der Tester in die gleiche Richtung schauen.

Obwohl die App einen ziemlich abgerundeten Eindruck macht, hätten wir mit der steigenden Schwierigkeit der Aufgaben einige Verbesserungsvorschläge, vor allem für die Oberfläche. Spätestens ab "Loops" sind Befehle ineinander verschachtelt, hier würde sich lohnen, eine farbliche Abhebung unterschiedlichen Code-Levels zu schaffen, ähnlich wie dies die Profi-Apps beispielsweise Textwrangler lösen. Eine andere grafische Verfeinerung würde sich anbieten, wenn Byte den geschriebenen Code abläuft. Vor allem bei Loops ist man oft unschlüssig, an welcher Stelle genau der Fehler liegt, denn die Befehle wiederholen sich ständig.

Fazit:

Den Kindern ein eher trockenes Thema wie Programmieren beizubringen kann man nicht besser lösen als mit der Playgrounds-App. Die Aufgaben halten einen gefesselt, auch das Erfolgserlebnis bei jedem gesammelten Edelstein oder bei der gelösten Aufgabe treibt einen voran. Doch wer auf Herausforderungen vom Niveau Flappy Birds hofft, den müssen wir enttäuschen. Die App verlangt nach Konzentration und Englisch-Kenntnissen. Ein Grundverständnis von Funktionen, Rezepten und Anleitungen darf auch nicht fehlen.

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