1033457

Serif, Sans & Slab

29.03.2010 | 14:19 Uhr |

Serif, Sans & Slab

Vielfalt an Schnitten bei einem Grundtyp

Dass auch Schriften, die nur einen Grundtyp bedienen, mitunter auf eine stattliche Zahl von Schnitten kommen, zeigen einige neuere Serifenlose. Darunter die Klint von Hannes von Döhren, 2009 bei Linotype neu erschienen. Vom Design her eine CI-Schrift mit postmoderner Note eignet sie sich mit 30 Schnitten für so gut wie alles von eng gesetzten Infotexten bis hin zur Headline. Entsprechend schlägt die Komplettversion der Klint mit knapp 1800 Euro zu Buche. Mit 50 Schnitten noch opulenter ausgestattet ist die etwa ältere FTF Morgan. Zusammengesetzt aus diversen Unterreihen, ist ihr Gesamtumfang kaum zu überblicken. Gestalterisch besetzt sie den Gegenpol zur Klint; Ähnlichkeiten mit der Zeitgeist-Type House Gothic 23 des US-Trendlabels House Industries sind unverkennbar. Daher eignet sich die FTF Morgan vor allem für Publikationen mit hohem Zeitgeist-Erkennungsfaktor.

Baskerville Original von Storm Type Foundry.
Vergrößern Baskerville Original von Storm Type Foundry.

Zwei serifenlose Beispiele im humanistischen Stil von Syntax & Co. liefert das bereits erwähnte Typedesigner-Duo Veronika Burian und José Scaglione. Während es sich bei der Ronnia um eine klassische Serifenlose für Mengentext handelt, fällt an der Bree vor allem die Zeichengestaltungen im Stil der Kursiven auf. Folgerichtig gibt es die Kursivschnitte der Bree in der elektronisch schräg gestellten Oblique-Variante. Weitere gute Serifenlose für den Textsatz sind die Ludwig des Typedesigner Fred Smeijers, die Secca von Andreas Seidel, die Lamont (URW++), die bei Linotype erschienene und von Klint-Gestalter Hannes von Döhren erstellte ITC Chino, die schnitttechnisch ebenfalls etwas umfangreichere Breuer, die Helsinki von Ludwig Übele sowie die bei Emtype erschienene Geogrotesque - eine zusätzlich mit einer Stencil-Version aufwartende Groteske mit gemäßigt modernistischen Elementen.

Ingeborg von Michael Hochleitner.
Vergrößern Ingeborg von Michael Hochleitner.

Ergiebig war im letzten Jahrzehnt auch die Produktion klassischer Buchsatz-Antiquaschriften. Während das Gros ohne Abstriche mengentextfähig ist, stellen einige von ihnen - inspiriert unter anderem von Trends in der Tattoo-Szene - verstärkt Old-Style-Attribute in den Vordergrund. Für die letzte Variante stehen vor allem Fonts wie MBV Sirenne oder die beiden Linotype-Schriften Bohemia und Really No. Eher unter das Etikett "gediegene Satzschriften" fallen folgende Beispiele: Arnhem (Fred Smijers), Athelas (Burian/Scaglione), die Calluna vom Kleinlabel Exljbris, die Linotype-Schrift Malabar, FF Atma, Mokka, die FTF Merlo sowie schließlich die Baskerville-Neuinterpretation Baskerville Original von Storm Type Foundry.

Erwähnenswert sind noch vier auf den High-End-Schriftsatz abzielende Fonts. Die Opal Pro von Klint-Designer Hannes von Döhren beschänkt sich in der Aussattung auf Basisschnitte. Eng gehalten und mit recht niedriger Kleinbuchstabenhöhe weist sie stark traditionalistische Gestaltungselemente auf. Die FF Maiola Pro, eine weitere Schrift von Veronika Burian, empfiehlt sich als klassische Texttype und profiliert sich vor allem durch eine erweiterte Sprachunterstützung. Ähnliches gilt für die Marat Pro von Ludwig Übele - eine Schrift, die 2008 vom Type Designers Club (TDC) ausgezeichnet wurde und sich vor allem für Buchsatz und Editorial Design empfiehlt. Mit der Ingeborg ist Referenz an die klassizistischen Schriften zu Anfang des 19. Jahrhunderts erschienen. Mit ihrem Klassizismus-Look hat sie -vielleicht zusammen mit der Marat Pro - recht gute Chancen zum künftigen Typo-Seller. Überschaubar die Neuerscheinungen im Bereich Slab Serif: Clarendo Neo (URW++), eine aus einem einzigen Schnitt bestehende Opentype-Pro-Version des Standards Clarendon, und Adelle - eine Hybridschrift aus klassischer Antiqua und Serifenverstärkter.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

1033457