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So kopieren Sie Daten zwischen M1- und Intel-Macs superschnell

11.07.2021 | 10:30 Uhr | Stephan Wiesend

Per Thunderbolt-Kabel kann man Daten zwischen zwei Macs übertragen, besonders schnell ist bei M1-Macs aber die Dateifreigabe im Wiederherstellungsmodus.

Airdrop ist sehr komfortabel und auch per USB-Stick kann man bequem Daten zwischen seinen Macs übertragen. Manchmal muss man aber größere Datenmengen übertragen, etwa die Video-Archive der neuen Kamera oder ein Foto-Archiv. Bei Intel-Macs ist der Thunderbolt-Modus dann sehr nützlich: Hält man beim Start eines Intel-Macs die Taste „T“ gedrückt, bootet der Rechner in einen Spezialmodus und wird zu einer Art externen Festplatte. Verbindet man den Rechner per Thunderbolt-Kabel mit einem zweiten Mac, hat man Zugriff auf alle Daten. Dank Thunderbolt-Schnittstelle kann man so auch große Datenmengen wie Foto- oder Video-Archive rasend schnell übertragen.

Mac bereinigen mit CleanMyMac X

Schade: M1-Mac bieten diese Funktion nicht mehr. Defizite gab es aber immer wieder bei der Datensicherheit, ist dieser Modus doch auf für Datendiebe nützlich und wurde wohl auch deshalb bei neuen M1-Macs gestrichen. Man kann aber auf zwei andere Arten Daten per Thunderbolt-Kabel zwischen M1-Macs oder M1 und Intel-Mac übertragen. Die einfachste Methode ist Thunderbolt over IP, vom System "Thunderbolt Bridge" genannt. Es gibt aber eine noch leistungsfähigere Varianten namens Share Disk bzw. „Volume teilen“.

Thunderbolt-Bridge

Anstatt zwei Mac per Ethernet-Kabel oder Wi-Fi zu verbinden, kann man seit MacOS X 10.9 ein Thunderbolt-Kabel als Netzwerkkabel verwenden, auch IP über Thunderbolt genannt. Der Nachteil: Man braucht ein Thunderbolt-Kabel, und diese sind eigentlich immer viel zu kurz. Der große Vorteil gegenüber Ethernet ist aber eine weit höhere Geschwindigkeit.

Eine Verbindung zwischen den beiden Macs ist einfach hergestellt: Man steckt das Kabel in je zwei Thunderbolt-Schnittstellen, die Verbindung sollte nun automatisch erstellt werden. Allenfalls muss diese Schnittstelle in der Systemeinstellung "Netzwerk" neu angelegt werden. Dazu tippt man unten Links auf das Plus-Symbol und legt die Schnittstelle „Thunderbolt Bridge“ neu an. Der Mac erscheint dann mit seinen freigegebenen Ordnern in der Seitenleiste.

Die Verbindung per Thunderbolt-Bridge hat laut Berichten aber in der Praxis ihre Tücken. Eigentlich sind über die Thunderbolt-Schnittstelle bis zu 2000 MB/s möglich, die erzielbaren Transferraten liegen aber deutlich darunter. Per Gigabit-Ethernet sind nur bis zu 100 MB/s erreichbar, bei einer Verbindung per Thunderbolt messen wir in einem Test mit einem Mac Mini M1 und Mac Mini 2018 eine Performance von 565 MB/s beim Schreiben und 739 MB/s beim Lesen – ein deutlicher Fortschritt, aber auch etwas enttäuschend. Auch die Zuverlässigkeit in der Praxis soll nicht ideal sein und manche Anwender wissen nicht, wie man einen Ordner über die Systemeinstellung "Freigaben" freigibt. M1-Macs haben aber noch einen alternativen Modus.

Share Disk per Bootmenü

Offensichtlich soll die neue Option den alten Thunderbolt-Modus ersetzen ist aber weit aufwendiger. Wohl aus Sicherheitsgründen soll nur der Besitzer des Macs ihn aktivieren können. Um ihn zu aktivieren, muss man nämlich den Rechner in den Wiederherstellungsmodus versetzen und üblicherweise ein Nutzerkennwort eingeben.

Nach einigen Sekunden sollten Sie die Optionen sehen.
Vergrößern Nach einigen Sekunden sollten Sie die Optionen sehen.
  • Halten Sie  beim Rechnerstart den Einschaltknopf gedrückt und warten, bis auf dem Bildschirm eine Meldung angezeigt wird.

  • Bei gedrücktem Einschaltknopf sieht man bei M1-Macs nach einigen Sekunden die Option "Startoptionen".

  • Klicken Sie auf „Optionen“ und dann „Fortfahren“

  • Sie sehen nun ein Fenster mit mehreren Optionen vor sich, wir benötigen aber einen Eintrag in der Menüleiste. Wählen Sie oben in der Menüleiste „Dienstprogramme“ > „Volume teilen“

  • Sie können nun die Festplatte oder ein anderes Volume auswählen und freigeben.

  • Wechseln Sie nun zum anderen Mac, der per Thunderbolt-Kabel verbunden ist

  • Hier klicken Sie in der Seitenleiste auf „Netzwerk“. Der andere Mac sollte hier aufgelistet sein.

  • Nach einem Doppelklick auf den M1-Mac sehen Sie ein Menü für die Verbindungsaufnahme. Wählen Sie hier die Option „Gast“.

  • Nach einigen Sekunden sollte die Festplatte des Macs aufgelistet werden. Sie können nun auf die Daten zugreifen.

  • Haben Sie die gewünschten Daten übertragen – beide Richtungen sind möglich ­– sollten Sie das Volume auswerfen – ganz wie bei einer externen Festplatte

Die Freigabefunktion "versteckt" sich in der Menüleiste
Vergrößern Die Freigabefunktion "versteckt" sich in der Menüleiste
Die Festplatte ihres M1-Macs können Sie hier freigeben.
Vergrößern Die Festplatte ihres M1-Macs können Sie hier freigeben.

Tipp: Beide Rechner sollten ein aktuelles System haben: Zwischen einem Intel-Mac mit Big Sur 11.3 und einem M1-Mac mit 11.4  konnten wir keine Verbindung herstellen, dies gelang erst nach einem Update des Intel-Macs auf 11.4.

Wichtig ist die Option "Gast" zu wählen.
Vergrößern Wichtig ist die Option "Gast" zu wählen.

Schneller als per Bridge

Auf den ersten Blick wirkt die Verbindungsaufnahme per Rettungsmenü arg umständlich. Wie eine Performance-Messung zeigt, ist aber eine Datenübertragung sehr stabil und deutlich schneller als bei zwei gestarteten Mac-Systemen. Das ist überraschend, nutzen doch beide Methoden Thunderbolt over IP. Bei einer Performance-Messung erzielen wir aber nun zuverlässig Transferraten von knapp 970 MB/s beim Lesen und Schreiben, deutlich schneller als bei der Verbindungsaufnahme unter macOS.

Es gibt weitere Vorteile, die etwa für Systemadministratoren interessant sind. So kann man ein System kopieren oder Daten ergänzen, ohne es gleich zu booten und Daten zu verändern – etwa durch Updates.

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