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Suchen in Safari – ganz ohne Google

18.12.2020 | 08:27 Uhr | Thomas Armbrüster

Bisher gab es in Safari vier Alternativen für die Suche: Google, Bing, Yahoo und DuckDuckGo. Neu hinzugekommen ist nun Ecosia.

Eine schnelle und treffsichere Suche im Web, um in den Abermillionen Webseiten das Gewünschte zu finden, benötigt einen guten Index. Denn anstatt das Internet bei jeder Anfrage neu zu durchsuchen, was ziemlich lange dauern würde, schaut der Browser in einem Index nach den vom Anwender eingetippten Suchbegriffen und kann so schnell Ergebnisse liefern. Einen solchen Index zu erstellen ist trotz des Einsatzes von Webcrawlern, die ständig automatisch das Netz durchforschen, aufwändig und benötigt viel Zeit und Geld. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass es nur vier Anbieter sind, die den Markt der indexbasierten Websuche weitgehend unter sich aufteilen: Google, Bing von Microsoft, Baidu aus China und Yandex aus Russland. Wobei außerhalb Chinas und Russlands und weniger anderer Staaten Google die dominierende Indexsuche ist. In Deutschland hat Google momentan einen geschätzten Marktanteil bei der Internetsuche von rund 92 Prozent, berechnet über alle Gerätekategorien, während Bing knapp 5 Prozent erreicht.

Die Alternativen

Neben Google und Bing lassen sich in Safari auch Yahoo, DuckDuckGo oder seit kurzem (ab macOS 11.1 sowie iOS und iPadOS 14.3 ) Ecosia in den Voreinstellungen für die Suche einstellen. Die in das Adressfeld eingetippten Suchbegriffe werden jeweils an den eingestellten Suchanbieter übergeben und auf einer Anbieter spezifischen Webseite angezeigt. Man muss also für die Suche nicht zuerst die Webseite des Suchanbieters aufrufen und dort die Suchbegriffe eintippen. Wie schaffen es diese alternativen Suchanbieter aber, ebenso schnell wie Google oder Bing relevante Suchergebnisse zu präsentieren?

Bei Yahoo ist es ganz einfach: Das Webportal bildet seit Langem eine Suchgemeinschaft mit Bing, die Suchergebnisse werden direkt von Bing übernommen. Ähnlich ist es bei Ecosia. Auch dieser Suchdienst verwendet Bing als Suchmaschine. Sowohl die Suchergebnisse als auch die angezeigte Werbung stammen von Microsoft. Etwas differenzierter sieht es bei DuckDuckGo aus. Dieser Suchanbieter verwendet zwar hauptsächlich ebenfalls Bing, daneben aber auch Spezialquellen für bestimmte Themen und hat zudem mit DuckDuckBot einen eigenen Webcrawler. Warum sollte man nun aber Ecosia oder DuckDuckGo verwenden anstatt das Original Bing ?

Seit kurzem kann man in den Sucheinstellungen von Safari mit Ecosia einen weiteren Suchanbieter als Standard einstellen.
Vergrößern Seit kurzem kann man in den Sucheinstellungen von Safari mit Ecosia einen weiteren Suchanbieter als Standard einstellen.

Datenschutz als Geschäftsmodell

DuckDuckGo hat sich ganz dem Datenschutz verschrieben . Die Kernaussage des Suchanbieters lautet: „Wir speichern deine persönlichen Daten nicht. Niemals.“ Laut den Privatsphäre-Angaben von DuckDuckGo werden weder Informationen über den verwendeten Browser und das System (User Agent) noch die IP-Adresse und der Suchverlauf in Logfiles gespeichert oder weitergegeben. In Safaris Liste mit den gespeicherten Websitedaten sind zudem weder Cookies zu finden, noch wird ein Tracker auf der Seite mit den Suchergebnissen von Safaris Datenschutzbericht moniert. Auch werden laut DuckDuckGo die vom Anwender eingetippten Suchbegriffe nicht an die Webseite übermittelt, deren Link man auf der Seite mit den Suchergebnissen anklickt. Nimmt man für die Suchseite von DuckDuckGo Einstellungen vor, werden diese in einem Cookie gespeichert, das aber keinerlei Informationen über den Anwender enthält, sondern nur die Parameter für die Einstellungen. Und für die seit Kurzem verfügbare Kartendarstellung setzt DuckDuckGo auf Apples MapKit-Framework und nicht auf Google Maps.

Die Suchergebnisse und die Werbung auf der Suchseite von DuckDuckGo stammen zum großen Teil von Bing.
Vergrößern Die Suchergebnisse und die Werbung auf der Suchseite von DuckDuckGo stammen zum großen Teil von Bing.

Bei Anzeigen der Werbepartner (Affiliates) Amazon und eBay wird von DuckDuckGo ein Code in die Links eingefügt, der aber anonym sei und keine Rückschlüsse über den Anwender zulasse. Er dient dazu, dass bei einem Einkauf des Anwenders beim Partnerunternehmen über den Klick auf den Link DuckDuckGo eine Vergütung erhält. Wie andere Suchmaschinenbetreiber finanziert sich DuckDuckGo außerdem durch auf der Suchseite eingeblendete Werbung, die jedoch mangels gespeicherter Anwenderdaten nicht personalisiert ist, sondern aufgrund der eingetippten Suchbegriffe ausgewählt wird. Partner ist dabei das Anzeigennetzwerk von Microsoft. Einen Teil der Einnahmen spendet DuckDuckGo an verschiedene Organisationen, die sich für eine möglichst freies Internet engagieren wie beispielsweise das Center for Information Technology Policy der Universität Princeton , die Electronic Frontier Foundation oder European Digital Rights . Das Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge profitabel, Umsatzzahlen werden aber nicht veröffentlicht.

Solange man keine Einstellungen für die Suchseite vornimmt, speichert DuckDuckGo keine Cookies.
Vergrößern Solange man keine Einstellungen für die Suchseite vornimmt, speichert DuckDuckGo keine Cookies.

Neben der Suche gibt es von DuckDuckGo auch Such-Apps für iOS und Android sowie die Privacy Essentials für Desktop-Browser. Diese Erweiterungen lassen sich in Safari hinzufügen, zu finden sind sie im App Store. Die Erweiterung „Privacy Protection“ blockiert auf einer Webseite erkannte Tracker. Das „Privacy Dashboard“ blendet in der Symbolleiste ein Symbol ein das anzeigt, ob die Privatsphäre auf der aktuellen Webseite besser oder schlechter geschützt ist. Ein Klick auf das Symbol listet alle Tracker auf, die von der Erweiterung blockiert werden. Das Blockieren der Trackern überschneidet sich mit der in Safari integrierten Intelligent Tracking Prevention . Diese verhindert, dass Anwenderprofile von den Trackern erstellt werden. Man kann sich die Liste der Tracker per Klick auf das Symbol für den Datenschutzbericht in der Symbolleiste von Safari anzeigen lassen. Schädlich ist es aber anscheinend nicht, beides zu verwenden.

Safaris Datenschutzbericht vermeldet keinerlei Tracker auf der Seite mit den Suchergebnissen von DuckDuckGo.
Vergrößern Safaris Datenschutzbericht vermeldet keinerlei Tracker auf der Seite mit den Suchergebnissen von DuckDuckGo.

 

Umwelt als Geschäftsmodell

Ecosia wirbt mit dem Slogan „Suche im Web und pflanze Bäume“ . Denn der Suchanbieter verwendet einen Teil seiner Einnahmen dazu, um Aufforstungsprojekte auf der ganzen Welt finanziell zu unterstützen. Die Einnahmen stammen zum einen aus der vom Suchpartner Bing bereitgestellten Werbung, die auf der Seite mit den Suchergebnissen angezeigt und von Anwendern angeklickt wird. Ecosia erhält laut eigener Aussage den Großteil der Werbeeinnahmen von Bing, genauere Angaben über die Höhe des Anteils gibt es aber nicht. Zum anderen generiert Ecosia Einnahmen, wenn Anwender bei Partnerunternehmen von Ecosia (Affiliate) einkaufen, die auf der Ecosia-Seite verlinkt sind. Dann bekommt Ecosia jeweils einen kleinen Anteil am Umsatz.

Den Button zur Installation von Ecosia kann man in Safari übergehen, denn Ecosia lässt sich jetzt in den Voreinstellungen auswählen.
Vergrößern Den Button zur Installation von Ecosia kann man in Safari übergehen, denn Ecosia lässt sich jetzt in den Voreinstellungen auswählen.

Ecosia veröffentlicht monatlich einen Finanzbericht über die Einnahmen und Ausgaben. Für 2020 gibt es die Zahlen bis einschließlich Oktober. Bei einem Umsatz von etwa 17 Millionen Euro sind 2020 bisher rund 8 Millionen in die Aufforstungsprojekte geflossen, also rund 47 Prozent der Einnahmen. Dabei werden die Gelder aber nicht komplett weitergegeben, sondern es existiert ein Bestandskonto. Diese umfasste im Januar etwa 5,8 Millionen Euro und im Oktober 6,8 Millionen Euro.

Ecosia veröffentlicht monatliche Berichte über die Einnahmen und Ausgaben des Suchanbieters.
Vergrößern Ecosia veröffentlicht monatliche Berichte über die Einnahmen und Ausgaben des Suchanbieters.

Ecosia ist auf den ersten Blick eine normale GmbH, deren Anteile von zwei Personen gehalten werden: 50 Prozent gehören dem Unternehmensgründer Christian Knoll, 49 Prozent dem Investor Tim Schumacher. Das Besondere: Die Gesellschafter haben zwar ein Stimmrecht, aber kein Dividendenrecht. Denn Ecosia ist ein Unternehmen in Verantwortungseigentum, bei dem die Gesellschafter kein Gewinnrecht haben und darum keinen Gewinn entnehmen können. Das letzte eine Prozent der Anteile wird von Purpose Economy gehalten . Mit diesem Anteil ist ein Stimmrecht und ein Vetorecht verbunden, aber ebenfalls kein Dividendenrecht. Durch dieses Vetorecht wird verhindert, dass das Unternehmen verkauft werden kann oder dass die Trennung von Stimmrecht und Dividendenrecht wieder aufgehoben wird.

Auf der Suchseite von Ecosia findet Apple Datenschutzbericht einen Tracker von Bing.
Vergrößern Auf der Suchseite von Ecosia findet Apple Datenschutzbericht einen Tracker von Bing.

Ecosia investiert auch in erneuerbare Energien und besitzt eigene Solaranlagen zum Betreiben der unternehmenseigenen Server. Es wird eigenen Angaben zufolge sogar mehr Solarstrom produziert als es der Eigenverbrauch erfordert. Nicht eingeschlossen in diese Bilanz ist jedoch die Energie, die die Server von Bing verbrauchen, auf die Ecosia zugreift. Beim Datenschutz fährt Ecosia eine weniger strenge Linie als DuckDuckGo. So werden sowohl die IP-Adresse, eigenen Angaben zu Folge unkenntlich gemacht, als auch Informationen über den User-Agent an Bing weitergegeben. Die in den Logfiles gespeicherten Suchanfragen anonymisiert Ecosia nach einer Woche. Bei Bing werden die übermittelten Informationen sowie der Suchverlauf gemäß den Datenschutzrichtlinien von Bing nach vier Tagen gelöscht. Laut Safaris Liste mit den Websitedaten legt Ecosia Cookies und Informationen im lokalen Speicher auf dem Mac ab. Diese sollen aber keine benutzerspezifischen Angaben enthalten. Und Apples Datenschutzbericht moniert einen Tracker von Bing.com auf der Seite mit den Suchergebnissen.

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