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Tinker Tool System: Schweizer Taschenmesser für das macOS

27.05.2022 | 14:30 Uhr | Thomas Armbrüster

Nicht alle Aufgaben lassen sich mit den Funktionen des Mac-Betriebssystem erledigen, oder nur mithilfe von Terminal-Befehlen. Tinker Tool System hat für diese Fälle passenden Werkzeuge

Installiert man Programme nur über den App Store, lassen sie sich in Launchpad rückstandslos wieder vom Mac entfernen. Bei Programmen, die man von der Webseite des Entwicklers geladen und installiert hat, ist das nicht so einfach. Man kann zwar das Programm in den Papierkorb legen und diesen ausleeren, es verbleiben aber oft noch einige Restbestände der App in verschiedenen Verzeichnissen. Um auch diese Überbleibsel loszuwerden, gibt es im Programm Tinker Tool System von Marcel Bresink eine Deinstallationsfunktion. Und das ist nur ein Punkt auf der langen Liste der verfügbaren Optionen, von denen wir uns einige genauer angeschaut und getestet haben.

Die Bedienung

Tinker Tool System verwendet eine Bedienoberfläche, die wie diejenige der Systemeinstellungen aufgebaut ist. Mehrere Funktionen sind jeweils unter einem Symbol zusammengefasst, und diese sind wiederum in vier Gruppen angeordnet, was die Orientierung erleichtert. Zudem gibt es eine Suchfunktion, über die man beispielsweise bei der Suche nach „Programm“ alle Symbole findet, hinter denen entsprechende Funktionen zu finden sind. Nach dem Klick auf das gewünschte Symbol blenden sich die verfügbaren Einstellungen ein, jeweils nochmals durch mehrere Karteikartenreiter unterteilt. Auf jeder Karteikarte gibt es rechts oben einen Button mit Fragezeichen, über den man kurze Informationen zu den momentan verfügbaren Funktionen einblenden kann. Ferner gibt es eine ausführliche Hilfefunktion, die man über das Menü „Hilfe“ einblendet und auch auf der Webseite des Entwicklers findet.

In der Hilfe sind auch Informationen zur Arbeitsweise des Programms und zu den Sicherheitsfunktionen zu finden. Tinker Tool System verwendet eine zweigeteilte Architektur. Alle Funktionen, die nicht sicherheitsrelevant sind, werden vom Hauptprogramm ausgeführt, die anderen von einem privilegierten Hilfsprogramm, das in die Sicherheitsarchitektur von macOS integriert ist. Auf Macs mit Apple-Chip fehlt die Notfallfunktion von Tinker Tool System, da diese wegen der Sicherheitsrichtlinien von Apple nicht, wie noch auf Intel-Macs, über die Wiederherstellungsoption von macOS gestartet werden kann. Wer außer Tinker Tool System auch die kostenlose App Tinker Tool installiert hat, mit der sich etliche Einstellungen für den jeweiligen Benutzer vornehmen lassen, kann dessen Funktionen in Tinker Tool System integrieren. Ausprobieren lässt sich Tinker Tool System ohne Einschränkungen im Testmodus, sechs Programmstarts sind möglich. Danach gibt es ohne Lizenz, die rund 21 € kostet, nur den eingeschränkten Demo-Modus, in dem nicht mehr alle Funktionen verfügbar sind.

Systemwartung

macOS benötigt keine regelmäßige Wartung, worauf der Entwickler Marcel Bresink in der Hilfe ausdrücklich hinweist. Einige der unter der Rubrik „Systemwartung“ zusammengefassten Funktionen wie das Löschen von Cache-Dateien sollten darum nur dann zum Einsatz kommen, wenn Probleme aufgetreten sind.

Eindeutig trifft das auch auf die Funktion „Fehler“ zu. Hier lassen sich unter anderem Probleme mit der Softwareaktualisierung, dem App Store sowie mit den Bedienelementen für Netzwerkfunktionen beheben, die manchmal nach Systemupdates auftreten können. Mit den Diagnosewerkzeugen überprüft man den Zustand der internen SSD, die Lüfter und die Auslastung des Arbeitsspeichers. Außerdem kann man den Monitor auf Pixelfehler testen, indem man einfarbige Bildschirmhintergründe einblendet.

Unter „Info“ sind umfassende Informationen zur Hardware und zu den verbauten Komponenten zu finden, und man kann sich anzeigen lassen, welche Schadsoftware von den Schutzmechanismen des Systems erkannt wird. In der Abteilung „Systemwartung“ lassen sich auch die verschiedenen Protokolle des Systems einsehen. Besonders interessant ist die Abteilung „Time Machine“. Man kann Schnappschüsse prüfen und miteinander vergleichen sowie lokale Schnappschüsse und auch Schnappschüsse auf dem Sicherungsmedium löschen. Letzteres sollte man aber nur machen, wenn man sich gut auskennt. Zudem lassen sich vorhandene Time-Machine-Sicherungen einem neuen Mac zuweisen und von diesem dann weiterverwenden. Die Funktion „Netzwerk“ bietet alle diejenigen Funktionen, die früher im Netzwerk-Dienstprogramm von Apple zu finden waren, das es nun nicht mehr gibt.

Dateioperationen

In dieser Abteilung ist unter „Programme“ der Assistent zum Deinstallieren von Anwendungen zu finden, die man nicht aus dem App Store installiert hat. Außerdem kann man hier jede Anwendung einer Sicherheitsprüfung unterziehen, die unter anderem feststellt, ob die Anwendung versiegelt und von Apple beglaubigt ist. Unter „Systemsicherheit“ lassen sich zusätzlich mehrere Anwendungen gleichzeitig prüfen, die in einem gemeinsamen Ordner abgelegt sind. Um festzustellen, ob es eventuell nicht bekannte Anmeldeversuche am Mac gegeben hat, lassen sich die Protokolle prüfen, die das macOS angelegt hat. Auch die Belegung des internen Datenträgers zeigt das Programm detailliert an.

Nur wenn man sich gut auskennt, sollte man die Option „ACL-Rechte“ verwenden, denn hier werden die Zugriffsrechte auf Dateien und Benutzerkonten bearbeitet. Auch mit den Funktionen unter „Ablage“ sollte man vorsichtig umgehen, mit denen man Attribute und den Schutz von Dateien verwaltet. Und man kann Objekte zwangsweise löschen, falls der Finder sich weigern sollte, eine Datei vom Rechner zu entfernen. Mit „Bereinigen“ entfernt man unter anderem verwaiste Dateien und Alias-Objekte sowie Protokollarchive und Absturzberichte vom Mac. Und man kann von Datenträgern wie USB-Sticks, die man mit anderen Systemen verwenden möchte, die Apple-spezifischen, auf dem Mac unsichtbaren Dateien entfernen. Sofern man eine Systeminstallation mehrfach benötigt, lassen sich mit „Installations-Medien“ startfähige externe Speichermedien anlegen. Tinker Tool System sucht dazu nach bei Apple verfügbaren und zum Mac passenden Systeminstallationen und lädt sie auf den Rechner. Und unter „APFS“ gibt es einen Überblick über alle Container der vorhandenen Datenträger, man kann Schnappschüsse löschen sowie alle Daten eines Containers in einen anderen kopieren. Auch da ist Vorsicht angesagt, damit man nicht versehentlich wichtige Daten überschreibt.

Systemeinstellungen

In der Abteilung „Systemeinstellungen“ löscht man unter „System“ unter anderem den Spotlight-Index, der dann vom macOS wieder neu erstellt wird, und kann Volumes von der automatischen Aktivierung und vom Starten von Programmen ausnehmen. Letzteres ist beispielsweise bei externen Datenträgern sinnvoll, auf denen man Backups abgelegt hat. So vermeidet man das versehentliche Starten einer Anwendung vom Backup-Medium. Für mit Time Machine erstellte Backups ist dies nicht notwendig. Interessant sind zwei Optionen für FileVault unter „Verschiedenes“: Man kann zum einen festlegen, dass die Aktivierung des Volumes nicht automatisch mit dem Benutzerpasswort erfolgt, und zum anderen einstellen, dass das Passwort im Ruhemodus nicht gespeichert bleibt und darum nach dem Aufwachen erneut eingetippt werden muss.

Unter „Systemstart“ findet man bei „Job-Übersicht“ eine Liste mit allen Jobs, die automatisch gestartet werden. Blendet man die zu macOS gehörenden Jobs aus, findet man dann schnell alle von anderen Anwendungen gestarteten Jobs. Und startet macOS nach einem Systemupdate mit einer falschen Sprache, lässt sich das über „Sprache“ wieder in Ordnung bringen. Außerdem kann man auf Macs mit Apple-Chip einige Einstellungen im NVRAM auf die Standardeinstellungen zurücksetzen, wofür es, anders als bei Macs mit Intel-Chip, ja kein Tastenkürzel mehr gibt . Über „Anmeldung“ lassen sich etwas detailliertere Einstellungen vornehmen als in den Anmeldeoptionen der Systemeinstellung „Benutzer & Gruppen“. Und wer nicht möchte, dass Einstellungen von iCloud geändert werden, kann diese schützen, wobei jeweils der momentan in der Systemeinstellung „Apple-ID“ eingestellte Zustand fixiert wird.

Benutzereinstellungen

Bei den Benutzereinstellungen gibt es nur die Option „Benutzer“, sofern man nicht das Programm Tinker Tool hinzugefügt hat. In diesem Fall werden dessen Funktionen hier ebenfalls angezeigt. Man kann unter anderem Launchpad, das Fenster der Hilfe sowie die Namen der Verzeichnisse im Benutzerordner reparieren, die Einstellungsdateien (Preferences) auf Fehler prüfen lassen und die Datenbank der Startdienste neu aufbauen. Das ist dann notwendig, wenn im Kontextmenü im Finder bei „Öffnen mit“ Anwendungen mehrfach auftauchen sollten. Eine besonders hilfreiche Funktion ist „Wörterbücher“. Denn hier kann man die in Programmen wie Pages oder TextEdit in der Rechtschreibprüfung gelernten Wörter bearbeiten, löschen oder auch neue Wörter hinzufügen. macOS hat hierfür bisher gar keine eigene Funktion.

Mit den Funktionen von Tinker Tool lassen sich Einstellungen für das System und für mit dem System mitgelieferte Anwendungen vornehmen. Dazu gehören unter anderem Einstellungen für die Bildschirmfotos, den Finder, das Dock, Launchpad oder das Erscheinungsbild. Es ist auch möglich, für die von Apple mitgelieferten Programme wie Pages oder TextEdit die Standardschriften festzulegen. 

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