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Trends 2022: Smart Home – Warten auf Matter

01.01.2022 | 10:00 Uhr | Peter Müller

Apple und das Smart Home ergäben eine wunderbare Liaison. Es funktioniert nach wie vor nicht, wie es sollte. Das Jahr 2022 sollte einen entscheidenden Schwung geben.

Der tägliche Ärger im Smart Home: Die Lichterketten an Wand und Fenster ( Light Strips von Eve ) lassen sich mal wieder nicht ausschalten. Also nicht mit der Apple Watch, mit der man sie vor zwei Stunden eingeschaltet hatte. Greifen wir zum iPhone, die eine geht dann aus. Die andere nicht, die reagiert dann wenigstens auf den Siri-Befehl, den wir schon leicht genervt  dem Homepod Mini entgegen rufen. Am nächsten Morgen mag das iPhone die Lichter gar nicht steuern, erst nach einem Neustart, der auf der Apple Watch gegebene Befehl kommt erst gefühlte Minuten (in Wahrheit natürlich nur ein paar Sekunden) später an und der Homepod Mini beklagt Probleme mit der Internetverbindung des verknüpften iPhones -– an der Fritzbox leuchtet die LED aber konstant grün.

In der Küche – in der es noch einen herkömmlichen Lichtschalter gibt – will man etwas Musik hören, wenn man sich das Frühstück herrichtet, also: "Hey Siri! Spiel meine Musik zum Wachwerden. Hey Siri!?.... Siri?" – bis man sich erinnert, dass in der Küche ein Amazon Echo Dot auf Befehle hört und die Musik auf einen Bluetooth-Lautsprecher streamt, der alle paar Wochen aus unerfindlichen Gründen die Verbindung zur Alexa-Zentrale der Küche verliert. Aus den oberen Stockwerken ertönt ein Wecker oder Timer, das eines der Kinder, schon längst auf dem Weg in Schule oder Berufsschule, gestellt hatte, aber vergaß, wieder zu deaktivieren. Also brüllt man durch das Treppenhaus die Alexa an – bis man erkennt: Das Tuten ist von einem Google-Gerät.

Völlig frustriert, aber nach dem ersten Kaffee halbwegs wach, macht man sich an die Außendekoration, die alte Lichterkette für die Terrasse wieder aus dem Keller geholt. Eingesteckt, in der Home-App nicht gefunden, der Aufkleber mit dem Code ist aber noch am Netzteil befestigt. Die Home-App erinnert sich aber, dass sie das Gerät schon mal kannte, will es erst hinzufügen, wenn wir es zurücksetzen. Da erinnert man sich: Richtig, im letzten Januar hatte ein Apple-Update die Produkte von Ledvance aus dem HomeKit geworfen , das Außenlicht ließ sich nicht mehr steuern – deshalb weg damit. Immerhin: Zurücksetzten geht auch mit fünfmal Strom aus und wieder an, kann man über eine smarte Steckdose versuchen: "Hey Siri, mach' die Dose 1 aus. Mach sie wieder an" - "Tut mir leid, Peter, du kannst immer nur einen Befehl geben." Wenigstens hat die Assistentin geantwortet, die wir auch ansprachen. Zum Schluss montieren wir noch die Lichterkette von Twinkly , mit der man ganz nette Effekte bekommt. Aber eben über Homekit und Siri sie nur ein- und ausschalten kann, weil wir sie an eine smarte Steckdose angeschlossen haben.

Smart Home: Bisher nur ein Versprechen

Apples Entwickler dürften sich bewusst sein, dass die Home-App auf iPhone, iPad, Apple Watch und Mac dringend der Verbesserung harrt, sie ist sehr in die Jahre gekommen und glänzt weder durch Übersichtlichkeit, noch durch Einfachheit - und wenn es dann auch noch an der Zuverlässigkeit hapert … Das Grundproblem der Interoperabilität löst Apple indes nicht allein, aber 2022 wird das Jahr, in dem sich der neue Home-Office-Standard Matter materialisiert und viel der oben skizzierten Probleme löst - und dabei auch noch ganz neue Smart-Home-Lösungen ermöglicht.

Matter ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Apple, Amazon, Google, der Zigbee Alliance, Comcast und diversen Herstellern. Ende 2019 hatten Apple und Co. das Projekt bereits unter dem Akronym CHIP (Connected Home over IP) angekündigt und einen Zeitraum von zwei Jahren für die Realisierung genannt. Der Welt ist etwas dazwischen gekommen, was die Verzögerung auf etwa Mitte 2022 erklärt. Immerhin: Alle Vorarbeiten sind gemacht, Matter steht am Start.

Matter und Thread - ohne Bridge

Zahlreiche Smart-Home-Geräte wie Leuchten, Kameras oder Steckdosen sind auf eine Bridge angewiesen, über die sie miteinander kommunizieren und sich mit dem Internet verbinden. Problem dabei: Weiter weg von der Bridge wird der Empfang immer schlechter. Die Lösung ist ein neuer Funkstandard, der letztlich die Bridge als solche überflüssig macht: Thread. Dieser nutzt die gleichen Frequenzbänder wie Bluetooth und WLAN, bietet diesen gegenüber enorme Vorteile: Thread-Geräte funken auf den ihnen zugewiesenen Frequenzen nur, wenn sie gebraucht werden. Das reduziert Interferenzen und damit Störungen im Netz und lässt den Akku von Smart-Home-Gadgets länger durchhalten. Der zweite Vorteil: Thread setzt auf Mesh-Technologie. Anstatt dass alle Geräte mit dem Router direkt oder einer vorgeschalteten Bridge sternförmig kommunizieren, unterhalten sich via Thread die Geräte vor allem untereinander. So wird ein Smart-Home-Netz immer dichter und redundanter, je mehr Thread-Geräte man einsetzt. Reichweite ist somit auch kein Thema: Auch weit ab vom Router ist die Anbindung immer noch perfekt, sofern ausreichend Thread-Geräte dazwischen sind.

Die Zukunft hat schon begonnen

Wie gesagt: Eine Bridge, die per Kabel an den Router angeschlossen ist und das Gefunke übernimmt, benötigen Thread-Geräte nicht mehr. Wohl aber einen Border-Router, ein Gerät, das Apple heute in seinem Home Kit "Steuerzentrale" nennt. Also ein iPad, ein Apple TV - oder ein Homepod Mini, der geradezu prädestiniert für diese Aufgabe ist. Anders als das iPad bleibt der kleine Smart-Speaker Apples immer daheim und am Strom - hier sehen wir vielleicht den Grund, warum es den Homepod Mini nicht mit Akku gibt.

Der Border-Router übernimmt die Kommunikation mit dem Internet, so kann man jederzeit auch aus der Ferne sein Heim steuern, ohne dazu auf mehr als den Homepod Mini (oder einen anderen Border-Router) zugreifen zu müssen. Angesicht des strikten Schutzes von Daten und Privatsphäre, dem sich Apple verschrieben hat, ein gutes Gefühl.

Doch auch die Alexa in der Küche und der Google Speaker im zweiten Stock werden sich dann in das vom Homepod Mini gesteuerte Mesh einfach einklinken können: Thread ist das Kommunikationsnetz, Matter wird die Sprache sein, die bisher voneinander isolierte Welten miteinander verbindet.

Muss man aber nun all seine bisherigen Smart-Home-Gadgets, die mal im Home Kit arbeiten oder in Alexas Welt, die sich von Apps steuern lassen, aber nicht per Siri, wegwerfen und durch neue ersetzen? Die Frage lässt sich leicht beantworten: Im Prinzip ja, aber sofern sie bereits Thread unterstützen, lassen sie sich zu gegebener Zeit mit Firmware-Updates zu Matter-Geräten machen.

Neue Erfahrung ab dem Sommer

Nicht allen Geräten ist ein solcher Chip eingebaut, Hersteller wie Eve achten aber darauf, neue Versionen bestehender Lösungen nun für Thread und Matter vorzubereiten. Jüngst ist etwa die dritte Generation von Eve Room erschienen , die einen Thread-Chip mitbringt und ab etwa Mitte 2022 sich auf Matter verstehen wird.

Ist das Smart Home auf Matter/Thread umgestellt, gehören Erfahrungen wie die obige der Vergangenheit an. Von der Küche aus werden wir via Alexa die Leuchten im Wohnzimmer steuern, die wir an sich gar nicht erst über die Eve-App konfiguriert hatten, sondern gleich per QR-Code in das Home Kit einluden - und sie werden auch sehr schnell reagieren. Denn auch das bringt Thread: Eine Umsetzung von Schaltbefehlen mit wesentlich geringerer Verzögerung als von Bluetooth oder WLAN gewöhnt. Gegen Mitte 2022 bekommen wir in iOS 16, iPadOS 16 und macOS 13 dann vielleicht auch eine bessere und liebevoller gepflegte Home-App.

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