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Warum gute Kopfhörer nicht teuer sein müssen

21.12.2020 | 08:43 Uhr |

Die drei größten Mythen über Kopfhörer und aktuelle Audio-Trends – und was davon wirklich stimmt. Ein Gastbeitrag.

Viele Verbraucher schenken auch zu Weihnachten gerne Technikprodukte, insbesondere Kopfhörer sind auch dieses Jahr wieder sehr beliebt. Und so locken auch dieses Jahr wieder viele verschiedene Angebote kurz vor Weihnachten. Während Kopfhörer in den letzten Jahren vor allem immer kleiner wurden, ist jetzt wieder ein gegenteiliger Trend zu beobachten. Viele junge Menschen nutzen wieder große und auffällige Kopfhörer, die über den Ohren getragen werden. So hat Apple gerade erst seine neuen Airpods Max für knapp 600 Euro herausgebracht, Tchibo hingegen hat fast zeitgleich die neuen TWS-In-Ear-Kopfhörer für knapp 40 Euro als direkte Konkurrenz zu den AirPods (in-ear) vorgestellt. Wie also die richtigen Kopfhörer für Weihnachten finden ? Bei vielen Verbrauchern ist nach wie vor ein Irrglaube weit verbreitet: Gute Qualität hat Ihren Preis – stimmt das? 

Der Autor des Gastbeitrags

Lasse Storholt
© Lasse Storholt

Lasse Storholt, Head of Research & Development bei TIDAL.com, ist ein erfahrener Solutions Architect, Entwickler und Projektleiter. Als technikaffiner Musikliebhaber ist er immer auf der Suche nach intelligenten Lösungen und den neuesten Gadgets.

Egal ob In-Ear- oder Bügelkopfhörer (Over-Ear-Kopfhörer), über Bluetooth oder Kabel, Kopfhörer müssen nicht immer teuer sein. Guten Klang gibt es schon für unter 100 Euro, das hat zuletzt auch Stiftung Warentest bestätigt. In dem Artikel gehe ich deshalb auf die drei größten Mythen rund um Kopfhörer ein: 1. Klangqualität hat ihren Preis; 2. Es gibt keine Innovation im Audio-Bereich mehr; und 3. Niemand kann den Unterschied zwischen Streaming-Plattformen hören. 

1. K langqualität hat ihren Preis

Sie ahnen schon, das stimmt natürlich nicht. Die Stiftung Warentest hat in Ihrer "test"-Ausgabe 09/2020 38 Bügelkopfhörer miteinander verglichen, darunter 10 Bügelkopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung, 14 Modelle ohne aktive Geräuschunterdrückung und 14 Kopfhörer unter 100 Euro. Viele der getesteten Produkte haben die Gesamtnote “Gut” bekommen haben. 

So konnte bspw. der Sony WH-XB700 Over-Ear-Kopfhörer in der Klasse ohne aktive Geräuschunterdrückung mit einer Note von 2,1 sich den zweiten Platz sichern. Mit dem aktuell günstigen Preis von unter 100 Euro sind sie eine günstige Alternative zu dem Testsieger-Modell Bang & Olufsen Beoplay H4 (2. Generation) der mit ca. 270 Euro fast dreimal so teuer ist. Im Hörtest liegt das Sony-Modell knapp hinter dem Testsieger, steht ihm in den anderen Bereichen wie Tragekomfort, Bluetooth-Funktion und Störeinfluss jedoch in nichts nach. Mit einer Laufzeit von 35 Stunden hält Sony sogar länger durch als das Modell von Bang & Olufsen (26,5 Stunden) – ein echter Preis-Leistungs-Sieger!

2. Es gibt keine Innovationen im Audio-Bereich mehr

So wie die Welt von Mono- zu Stereo-Sound im Musikbereich übergegangen ist, erleben wir gerade die nächste Stufe von Innovation im Soundbereich: Immersive Audio (auch 3D-Audio oder im englischen Original "Spatial Sound" genannt) ist die Zukunft des Musikhörens und lässt Hörer Musik so erfahren, wie sie es aus dem Kino mit Hollywood-Filmen gewohnt sind. Hier kommen beispielsweise die neuen Airpods Max mit einem stolzen Preis von 600 Euro. Der leistungsstarke H1-Chip kann nicht nur Geräuschunterdrückung, die nach innen und außen horcht, sondern auch Dolby Atmos sowie 5.1 und 7.1 dekodieren und den Raumklang über die beiden Ohrhörer projiziert. 

Hier ist wichtig zu wissen, dass es den 3D-Sound nicht bei allen bei Video- und Musik-Streaming-Anbietern gibt, die den Raumklang auch per Bluetooth an den Kopfhörer übertragen. Hifi-Sound gibt es bei Apple TV (App), Disney Plus und beim Musik-Streaming-Dienst TIDAL. Über die Netflix oder Amazon Prime-App ist dies nicht möglich. Auch hier gibt es allerdings eine preisgünstigere Option, die nur ein Drittel kosten. Mit etwas über 200 Euro gehört der Bose QuietComfort 35 (Serie II) kabellose Kopfhörer noch zum mittleren Preissegment, lässt aber trotzdem fast keine Wünsche offen. Kabelgebundene Kopfhörer mit 5.1 – 7.1 Surround Sound gibt es allerdings auch schon bei einer Preisspanne von 30-100 Euro.

3. Niemand kann den Unterschied zwischen den einzelnen Streaming-Plattformen hören 

Egal für welchen Kopfhörer sie sich letztendlich entscheiden, es bleibt wichtig zu wissen, dass die Kopfhörer nur immer so gut sind, wie die Soundauflösung der einzelnen Streaming-Plattformen! Die Soundauflösung auf den einzelnen Plattformen ist unterschiedlich, teilweise wird nur sehr komprimierter MP3-Sound gestreamt. Gängige Musikplattformen streamen häufig mit 128 kbps bis maximal 320 kbps. Verlustfreier Klang in CD-Qualität wird aber erst mit 1411 kbps erreicht. Deshalb reicht das “Vehikel” (Kopfhörer) alleine nicht aus. Um einen besseren Sound zu streamen, sollten Verbraucher deshalb auch bei der “Treibstoffwahl” (Streaming-Dienst) auf die Qualität achten. Hier unser Test der Highres-Streaming-Dienste im Vergleich.

Gerade HiFi-Enthusiasten, sollten hierauf wert legen, denn selbst mit günstiger Hardware ist der Unterschied zu lossless Audio, z.B. via TIDAL Hifi, klar zu hören. Neben wichtigen physikalische Größen sind natürlich die eigentlichen Parameter der Wahrnehmung entscheidend. Hierbei zählt zum Beispiel, wie hell, rauh und/oder scharf ein Signal klingt, wie genau die Schallquelle lokalisiert werden kann, wie groß bzw. klein sie klingt und wie sehr sich der Raumklang einhüllt.

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