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Was bringt die Corona-Warn-App jetzt noch?

23.04.2022 | 19:30 Uhr | Steffen Zellfelder

Viele Nutzer der Corona-Warn-App haben fast ununterbrochen rote Risiko-Meldungen. Wenn Alarm also normal ist, welchen Sinn hat die App dann noch? Hier erklĂ€ren wir, was Ihnen das Tool aktuell bringt und warum die App noch nicht ĂŒberflĂŒssig ist.

Seit ihrem Release im Juni 2020 stand die Corona-Warn-App immer wieder in der Kritik. Und das mitunter aus gutem Grund: Probleme beim digitalen Check-in, Probleme beim Erfassen vom Booster-Status, Probleme beim Update, Störungen oder verspĂ€tete Funktionen – die Liste ist ziemlich lang. Angesichts von 45 Millionen Downloads und einer dynamischen Pandemielage kann man fĂŒr manche Bugs und Fehler aber VerstĂ€ndnis haben, die App ist schließlich ein Mammut-Projekt mit hohem Anspruch an den Datenschutz.

Jetzt erleben viele Nutzer aber wieder ein neues Problem. Die Corona-Warn-App gibt ununterbrochen Alarm, rote Kacheln werden zur Norm . Das sorgt fĂŒr Verunsicherung und wirft eine Frage auf: Welchen Nutzen hat ein Tool, das die Entwarnung verlernt hat?

Warum die Corona-Warn-App jetzt so oft Alarm schlÀgt

Einen Teil des Problems kennen Sie sicher selbst: Omikron. Die aktuell am weitesten verbreitete Mutante des Coronavirus ist hochgradig ansteckend und hat Deutschland im MĂ€rz den unschönen Rekord von 318.000 Neuinfektionen an einem einzigen Tag beschert. Dazu kommt eine neue Risikoberechnung der App, die bei vielen Nutzern zum immerwĂ€hrenden Alarmzustand beitrĂ€gt. So wurde zum Beispiel die Zeitmessung fĂŒr riskante Begegnungen angepasst: Nicht mehr 13, sondern nur noch neun Minuten in der NĂ€he Infizierter reichen jetzt aus, um der App eine rote Kachel zu entlocken. Auch ein rein statistisches PhĂ€nomen macht sich bemerkbar: Die Nutzerzahlen der App steigen weiter und damit wĂ€chst auch die Wahrscheinlichkeit, dass riskante Begegnungen mit Infizierten korrekt erfasst werden.

Alle wichtigen Statistiken rund um die Corona-Warn-App und die damit erfassten FĂ€lle finden Sie ĂŒbrigens im ĂŒbersichtlichen Dashboard der Anwendung.

Die Corona-Warn-App erfĂŒllt nach wie vor einen wichtigen Zweck

Maßnahmen, EinschrĂ€nkungen, Verzicht: Seit Jahren mĂŒssen wir viel erdulden. Trotz aller Einschnitte ist die Pandemie aber noch nicht vorbei. Auch wenn sich die Bedrohung langsam normal anfĂŒhlt, darf man das Virus nicht banalisieren. Vielmehr raten Virologen dazu, weiterhin auf Instrumente zu setzen, die zu seiner BekĂ€mpfung beitragen. Die Corona-Warn-App ist dabei nach wie vor eines der besten Mittel, das uns zur VerfĂŒgung steht. Auch, weil das Tool aktuell noch die einzige Möglichkeit einer umfassenden und zeitnahen Kontaktverfolgung darstellt.

Die Corona-Warn-App hilft nach wie vor dabei, Infektionsketten zu durchbrechen und die Pandemie einzudĂ€mmen. Denn sie kann schnell und datenschutzkonform ĂŒber Risiko-Kontakte informieren. Das schĂŒtzt uns selbst, aber auch Freunde und Familie im Umfeld. Zudem werden die GesundheitsĂ€mter entlastet, weil sie nicht jeden Fall persönlich nachverfolgen mĂŒssen. Auch der digitale Impfnachweis per App ist ein bequemes und schnelles Mittel, den eigenen Impfstatus zu belegen.

Anders als andere Corona-Apps speichert das Tool des Robert-Koch-Instituts zudem so wenige Daten wie möglich. Eine dezentrale Speicherung und der öffentlich zugĂ€ngliche Programmcode (Open-Source) werden dabei auch von DatenschĂŒtzern gelobt.

Die Entwicklung der App muss natĂŒrlich trotzdem weitergehen, das fordern auch Experten. So sollte das Tool etwa besser an die Omikron-Mutante angepasst werden. Dabei wĂ€re es auch denkbar, Warnmeldungen vom Status der Nutzer abhĂ€ngig zu machen. Denn fĂŒr Geimpfte oder Genesene bestehen schließlich andere Risiken als fĂŒr Ungeimpfte. Auch fĂŒr Menschen mit Vorerkrankungen oder ImmunschwĂ€che haben Warnmeldungen eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung.

Diese Warnungen gibt es in der App

Zeigt die Corona-Warn-App einen grĂŒnen Status , dann ist alles in Ordnung: Nutzer haben in den letzten 10 Tagen keine lĂ€ngere Begegnung mit nachweislich Infizierten gehabt. Zumindest nicht mit jenen, die die App ebenfalls nutzen. Das Infektionsrisiko wird als niedrig eingestuft.

Ein grauer Status bedeutet, dass die Risiko-Ermittlung nicht lange genug aktiviert war, um das Infektionsrisiko im entsprechenden Zeitfenster zu berechnen. Die App meldet ein „unbekanntes Risiko“.

Eine rote Meldung erscheint, wenn Nutzer nachweislich positiv getesteten Personen begegnet sind und sich fĂŒr mindestens neun Minuten in deren direkter NĂ€he aufgehalten haben. Das bedeutet in einem Radius von weniger als acht Metern.

Wichtig: FĂŒr eine zuverlĂ€ssige Erfassung mĂŒssen GPS und Bluetooth auf dem Smartphone aktiviert sein.

Was tun bei einer roten Warnung?

Erstmal Ruhe bewahren. Eine rote Meldung bedeutet zwar ein „erhöhte Risiko“, aber eben noch nicht, dass Sie sich infiziert haben. Sie sollten jetzt aber Kontakte meiden, aufmerksam auf Symptome achten und zu Hause bleiben. Egal ob Sie geimpft, ungeimpft oder genesen sind. Melden Sie sich am besten telefonisch bei Ihrem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt. Je nach Symptomen erhalten Sie von diesen Ansprechpartnern Anweisungen, wie Sie weiter verfahren sollten. Mit der Warnmeldung haben Sie zudem Anspruch auf einen kostenlosen Antigen-Test, nur aufgrund einer Warnmeldung ist ein grĂŒndlicher PCR-Test jedoch nicht mehr kostenlos. Eine Verpflichtung, etwa den Arbeitgeber zu informieren, besteht erst ab einem positiven Test-Ergebnis.

Wer eine rote Kachel in seiner Corona-Warn-App vorfindet, der muss damit eine Weile leben. Erst am elften Tag nach der Risikobegegnung wird die Kachel wieder grĂŒn. Es sei denn, in der Zwischenzeit findet erneut eine Risikobegegnung statt. Im Fall einer Warnung ist es also durchaus auch im eigenen Interesse, Kontakte zu meiden.

Neues in der aktuellen Version 2.21

Seit dem 19. April 2022 steht die Version 2.21 der Corona-Warn-App zur VerfĂŒgung. Seit 2.20 beherrschte die App aus gegebenem Anlass auch die ukrainische Sprache und kĂŒrzt die Dauer einer Warnung nach Risiko-Begegnungen auf zehn Tage ab (statt vorher 14). FĂŒr Genesenenzertifikate wird zudem kĂŒnftig keine GĂŒltigkeitsdauer mehr angezeigt, weil diese von lokalen Vorgaben abhĂ€ngig ist. Mit der Version 2.21 kommt die Testverwaltung fĂŒr Familienmitglieder hinzu und Nutzer erhalten jetzt genauere Informationen darĂŒber, ob er etwa wegen einer durchgemachten Infektion als grundimmunisiert gilt, ob er alle empfohlenen Impfungen erhalten hat oder ob er sich ĂŒber eine empfohlene Auffrischimpfung informieren sollte. Die neuesten Funktionen der Corona-Warn-App 2.21 stellen wir Ihnen hier vor .

Fazit

Die Corona-Warn-App ist nach wie vor ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Pandemie . Mit regelmĂ€ĂŸigen Updates und weiterhin wachsenden Nutzerzahlen erhöht sich auch ihr Nutzen. Die App allein kann aber nichts leisten: Es kommt immer auch auf ein verantwortungsbewusstes Verhalten der Nutzer an. Das bedeutet auch, rote Kacheln in der Corona-Warn-App ernst zu nehmen und sich entsprechend zu verhalten. Am besten hĂ€lt man sich immer vor Augen: Jede Unterbrechung einer Infektionskette schadet dem Virus und schĂŒtzt uns sowie unser Umfeld.

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