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Was das Macbook Pro 16'' bedeutet – und was ihm fehlt

15.11.2019 | 10:19 Uhr | Peter Müller

Kaum angekündigt, kassiert das Macbook Pro Kritik. Dabei bedeute es eine Abkehr von einer langen Tradition.

Das Macbook Pro 16 Zoll mag zwar mit besserer Leistung glänzen und lang gehegte Wünsche bezüglich der Tastatur erfüllen, es fehlt ihm aber doch an einigen wesentlichen Dingen, beklagt sich unser Macworld-Kollege Michael Simon . Die Kamera an der Front etwa bietet nach wie von nur eine Auflösung von 720p, Facetime-Chats und Skype-Gespräche sind damit zwar möglich, aber nicht besser geworden. Aber vor allem fehlt die Gesichtserkennung Face-ID, die leicht zu integrieren gewesen wäre. Und warum hat man nicht einen Aus-Schalter für die Kamera eingebaut, für die Leute, die Angst vor Spionage haben und ihr hübsches Macbook Pro mit einem Klebeband verunstalten?

Auch am Display, das Apple etwas vergrößert und verbessert hat, findet Simon etwas auszusetzen, denn es handelt sich nach wie vor um LCD und nicht OLED oder Micro-LED, für das die Zeit allmählich reif sei. Zudem hält der Kollege Apples Festhalten an der Intel-Plattform für überholt, die Zeit sei nun auch für den Wechsel auf einen selbst entwickelten Prozessor auf ARM-Basis gekommen. Auch das äußere Design biete nicht die erhoffte Revolution, die Rahmen könnten ja nun wirklich dünner sein.

Was nicht ist, kann ja noch werden. OLED ist nach wie vor recht teuer und Apple vor allem darum bemüht, bei seinen Zulieferern ausreichend Kapazitäten für seine iPhones zu bekommen. Ein erstes ARM-Macbook würde vermutlich auch am unteren Ende der Palette ansetzen, etwa bei einem potentiellen Nachfolger des Macbook

Abkehr von einer langen Design-Tradition

Einen anderen Blick auf das Macbook Pro 16 Zoll wirft Jason Snell in seiner Analyse . Er hält das neue High-End-Notebook vor allem für eine Abkehr von Jony Ives Designdoktrin. Bis zum Ende des Jahres will der Chief Design Officer (CDO) Apple verlassen haben, nach seinem im Sommer erklärten Abschied von Cupertino war er aber nicht mehr in Erscheinung getreten und es ist gut möglich, dass er keinen entscheidenden Einfluss mehr auf die Gestaltung des Macbook Pro 16 Zoll gehabt hat.

Unter Ive, der die Design-Philosophie von Steve Jobs auf die Spitze trieb, mussten neue Geräte immer noch dünner und leichter sein als ihre Vorgänger, das ist jetzt offenbar nicht der Fall. Stattdessen hat Apple – wie es auf den Pressebriefings in New York betont hatte – auf seine Kunden gehört, die sich etwa an der Tastatur störten. 

Prinzipiell ist ja gegen den Wunsch nach Optimierung besonders des Gewichts nichts einzuwenden, man kann es aber auch übertreiben und den notwendigen Platz für Akkus, Prozessoren, die Lüfter und eben das Keyboard zu stark reduzieren. Obwohl es gegenüber seinem unmittelbaren Vorgänger etwas größer und schwerer geworden ist, ist das neue Macbook Pro immer noch kleiner und leichter als der zuletzt 2015 aktualisierte 15-Zöller, ganz zu schweigen von der Modellreihe bis 2012, die ja noch ein optisches Laufwerk an Bord hatte.

Apple war ja immer gut darin, den Kunden das zu geben, von dem sie gar nicht wussten, dass sie es brauchen. Zuletzt war Cupertino mit diesem Ansatz aber an einigen Stellen ein wenig zu weit gegangen, der Paradigmenwechsel mag zwar nur subtil erscheinen, ändert aber vieles: Gebt den Profis das, was Profis wollen. Das beschränkt sich aber nicht nur auf die neue Tastatur, die eine ablöst, die streng der Ive-Doktrin gefolgt war.

Schon im April 2017 war etwas davon zu spüren, als Apple einigen Journalisten erklärte, warum der Mac Pro in eine Sackgasse geraten war und wie man das zu ändern gedenke. 32 Monate später kommt denn auch glatt die neue Käsereibe. Auch das Macbook Air hat sich letztlich als überlebensfähig erwiesen, weil der potentielle Ersatz Macbook 12 Zoll nicht so recht weiter gekommen war, iMac Pro, erneuerter Mac Mini und Catalyst-Apps erfüllen zudem viele weitere Kundenwünsche.

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