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Was tun mit einem alten AirPort-Gerät?

19.04.2019 | 08:10 Uhr |

Leider hat Apple seine AirPort-Router-Linie eingestellt. Wer neue WLAN-Technik braucht, muss sich nach Alternativen umsehen. Doch was tun mit der liebgewonnenen Time Capsule, AirPort Express und AirPort Extreme?

Für echte Apple-Fans war die Nachricht Anfang vergangenen Jahres ein Schock: Die Weiterentwicklung des AirPort-Systems, seit zwei Dekaden zuverlässiger Lieferant von Apple-Routertechnik, wurde eingestellt. Letzte Geräte wurden abverkauft. Wer einen Router sucht, braucht ab sofort nicht mehr bei Apple zu schauen, vielmehr muss eine Alternative her . Doch auch, wenn es keine fabrikneuen Time Capsules, AirPort Extreme und AirPort Express mehr gibt: Veraltet sind die Geräte damit zunächst einmal nicht. Es gibt also keinen Grund, sie jetzt panikartig zu verkaufen: Solange sie noch funktionieren, dürfen sie noch weiter ihren Dienst verrichten. Die Frage ist bloß: Wo und wie?

Uneingeschränkt nutzbar: Die AirPorts der letzten Generation
Vergrößern Uneingeschränkt nutzbar: Die AirPorts der letzten Generation
© Apple

Schade um die leistungsstarke Hardware

Das Problem: Zwar hat zumindest die AirPort Express nach der Einstellung von AirPort noch ein AirPlay-2-Update bekommen. Allerdings dürfte Apple damit wohl das letzte Update für seine Router-Linie geliefert haben. Das ist vor allem bei Time Capsule und AirPort Extreme schade, denn beide Geräte sind durchaus leistungsstarke Router: Dank Dualband-Unterstützung mit 2,4 und 5 GHz sowie in den letzten Serien flottes WLAN nach 802.11n- oder sogar -ac-Standard dürften sie so manchen schwachbrüstigen Provider-Router ersetzt oder ergänzt haben. Zumal die beiden Geräte auch über praktische Gigabit-Ethernet-Buchsen zum Anschluss kabelgebundener Hardware ausgestattet waren.

TimeCapsules sind in jeder Generation noch als NAS verwendbar. Bei der optisch baugleichen AirPort Extreme sollte man hingegen auf das Modell achten. Entscheidend sind Gigabit-Ethernet und der USB 2.0-Anschluss.
Vergrößern TimeCapsules sind in jeder Generation noch als NAS verwendbar. Bei der optisch baugleichen AirPort Extreme sollte man hingegen auf das Modell achten. Entscheidend sind Gigabit-Ethernet und der USB 2.0-Anschluss.
© Apple

Als WLAN-Router ungeeignet?

Die gute Nachricht: Da sämtliche AirPort-Geräte aktuelle WLAN-Standards unterstützt haben, darunter auch die sichere WPA2-Verschlüsselung, sind sie nicht automatisch unsicher, weil Apple keine Updates mehr liefert. Sprich: Wer solch ein Gerät noch als WLAN-Router betreibt, muss jetzt nicht panikartig alles umbauen, denn das AirPort-System bleibt erst einmal sicher. Mit fehlenden Updates ist der Router nämlich in guter Gesellschaft, viele Hersteller aktualisieren ihre Geräte kaum oder gar nicht mehr – und trotzdem laufen sie allerorten als WLAN-Router. Solange keine bislang unentdeckten Bugs oder perfide Sicherheitslücken wie Ende 2017 die KRACK-Lücke auftauchen, die Apple dann schnell schloss , ist in aller Regel auch kein Update vonnöten. Die alte AirPort kann also weiter vor sich hintuckern, wie sie es schon in den letzten Jahren tat.

Das AirPort-Dienstprogramm gibt es auch für Windows
Vergrößern Das AirPort-Dienstprogramm gibt es auch für Windows

 

Fast alle AirPorts sind sicher

Als aktuell noch sicher können alle AirPort-Modelle betrachtet werden, die nach Entdeckung der KRACK-Lücke noch ein Update erhalten haben. Das sind grob alle AirPort-Modelle, die seit 2011 auf den Markt kamen: Apple veröffentlichte nach Bekanntwerden der KRACK-Lücke noch die Updates 7.6.9 für WLAN-N-Router beziehungsweise 7.7.9 für Router mit dem AC-Standard. Diese Updates sind für die turmförmige AirPort Extreme (Modell A1521) und TimeCapsule (Modell A1470) möglich. Auch sämtliche Mac-Mini-förmige Vorgängerversionen der AirPort Extreme (Modell A1408) und Time Capsule wurden mit dem Update auf Firmware-Version 7.6.9 abgesichert. Bei der AirPort Express kann man leider nur noch die letzte, ab 2012 verkaufte Version als sicher betrachten (Modell A1392/A139X). Unter dem Strich heißt das: Solange die AirPort-Basisstation nicht rund ist oder es sich um eine AirPort Express der 1. Generation handelt, können alle AirPort-Basisstationen nach aktuellen Standards abgesichert werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob Apple künftig noch Updates liefert, falls erneut eine Sicherheitslücke wie KRACK auftaucht.

Zwar kann man das das Dienstprogramm für sehr alte AirPort-Router noch laden – allerdings läuft es nicht mehr auf aktuellen MacOS-Versionen
Vergrößern Zwar kann man das das Dienstprogramm für sehr alte AirPort-Router noch laden – allerdings läuft es nicht mehr auf aktuellen MacOS-Versionen

Zweites Leben für alte AirPorts

Allerdings gibt es noch ein zweites, sehr Apple typisches Problem bei den alten AirPort-Stationen: Da Apple die Geräte softwareseitig verplombt hat, gibt es leider auch keine alternative Firmware für AirPort Express, TimeCapsule und AirPort Extreme. Firmware-Hacks wie OpenWRT bleiben damit anderen Modellen vorbehalten. Trotzdem muss selbst eine sehr alte AirPort der runden Baureihe nicht auf den Müll, wenn sie noch funktioniert: Es gibt reihenweise Szenarien, für die die Router noch eingesetzt werden können. Zumindest, solange Apple das AirPort-Dienstprogramm noch anbietet.

Die AirPort Express der 3. Generation ist nach wie vor uneingeschränkt nutzbar, wenn auch nicht mehr sonderlich flott. Dafür unterstützt sie AirPlay 2
Vergrößern Die AirPort Express der 3. Generation ist nach wie vor uneingeschränkt nutzbar, wenn auch nicht mehr sonderlich flott. Dafür unterstützt sie AirPlay 2
© Apple

Was tun mit... AirPort Extreme ac und TimeCapsule ac (2013)?

Trotz der Einstellung des AirPort-Systems war Apple bei seinen Basisstationen der letzten Generation gnädig: Die turmförmigen AirPort Extreme A1521 und TimeCapsule A1470 von 2013 sind nämlich noch nicht als „Vintage“ gelistet , was bedeutet, dass sie noch einige Jahre mit Updates versorgt werden dürften. Zumindest, sofern schwerere Sicherheitslücken auftreten. Beide Geräte besitzen Dualband-WLAN nach dem aktuellen AC-Standard (bis 1.300 MBit) und jeweils 3+1 Ethernet-Ports mit Gigabit-LAN sowie einen USB-2.0-Anschluss für den Anschluss von Druckern oder externen Festplatten.

Die modernere AirPort Express besitzt zwei Ethernet-Ports und USB 2.0
Vergrößern Die modernere AirPort Express besitzt zwei Ethernet-Ports und USB 2.0
© Apple

Zudem können sie bis zu 50 WLAN-Geräte bedienen und unterstützen aktuelle Standards wie VPN-Passthrough. Die Konfiguration mit dem aktuellen AirPort-Dienstprogramm für MacOS, iOS oder Windows ist problemlos möglich. Insgesamt ist diese Geräteklasse also auch dem aktuellen Stand der Technik – es gibt keinen Grund, diese beiden Geräte zu ersetzen, sofern das neueste Update aufgespielt ist. Wer inzwischen einen moderneren Router besitzt, kann TimeCapsule und Extreme auch als leistungsstarke WLAN-LAN-Bridge oder als Repeater ins WLAN einbinden.

Was tun mit... AirPort Express N (2008 und 2012)?

Auch die AirPort Express der zweiten Generation ( A1392 ) sowie ihr Vorgänger im „Netzteil-Design“ ( A1264 ) der ersten Generation sind alles andere als taufrisch, gehören aber deshalb nicht zum alten Eisen : 2008 beziehungsweise 2012 erschienen, hatte Apple das neuere Modell seither unverändert im Programm. Tatsächlich haben beide Modelle noch das KRACK-Sicherheitsupdate bekommen, das 2012er-Modell wurde per Update sogar mit AirPlay 2 versorgt.

Die „alte“ Airport Express gibt es in zwei Varianten: In der Ur-Version sowie einer WLAN-N-Variante. Erstere kann über einen Hack reaktiviert werden, letztere ist mit kleinen Einschränkungen heute ebenso gut nutzbar wie ihr Nachfolger.
Vergrößern Die „alte“ Airport Express gibt es in zwei Varianten: In der Ur-Version sowie einer WLAN-N-Variante. Erstere kann über einen Hack reaktiviert werden, letztere ist mit kleinen Einschränkungen heute ebenso gut nutzbar wie ihr Nachfolger.
© Apple

Bis auf das Gehäusedesign, das Dualband-WLAN, die zweite Ethernet-Buchse sowie USB 2.0 am 2012er-Modell sind sich die beiden Router sehr ähnlich, besaßen aber nie die tollen technischen Daten ihrer großen Geschwister: Das WLAN ist mit 300 Mbit/s zwar nicht schnell, aber Dank WPA2 auf der Höhe der Zeit. Leider fehlt der schnelle Gigabit-Ethernet-Anschluss von Extreme und TimeCapsule. Vom Einsatz als Repeater raten wir daher ab, da die Stationen das WLAN doch arg bremsen dürfte. Als AirPlay-Empfänger an der Stereoanlage und als WLAN-LAN-Bridge darf sie aber weiter ihren Dienst verrichten. Und der Ethernet-Port ist praktisch, wenn zum Beispiel ein Gerät wie der Raspberry Pi schnell ins Netzwerk gebracht werden soll . Per USB-Port kann leider nur ein Drucker, aber keine Festplatte eingebunden werden.

Solange es noch das AirPort-Dienstprogramm gibt, können viele AirPorts weiterverwendet werden
Vergrößern Solange es noch das AirPort-Dienstprogramm gibt, können viele AirPorts weiterverwendet werden

 

Was tun mit... TimeCapsule und AirPort Extreme N (2009 bis 2013)?

Was für die AirPort Express der letzten Generation gilt, gilt auch für die AirPort Extreme- und TimeCapsule-Geräte im „Mac-Mini-Design“, die Apple zwischen 2009 und 2013 in schneller Generationsfolge verkauft hat. Grundsätzlich besitzen alle Geräte Gigabit-Ethernet-Ports, womit sie sich auch heutztage noch problemlos kabelgebunden verwenden lassen, etwa als Time-Machine-Laufwerk oder NAS . Sinnvoll ist das aber nur bei der TimeCapsule aller Generationen sowie den AirPort Extreme-Modellen ab der 5. Generation (Modell A1301 und höher), da diese einen USB 2.0-Anschluss besitzen, an dem eine Festplatte angeschlossen werden kann. Sofern das Gerät WPA2 unterstützt, kann es problemlos als Repeater oder Bridge oder natürlich Print-Server im WLAN eingesetzt werden.

 

Auf das Modell achten!

Als WLAN-Geräte sind sie durch den 802.11n-WLAN-Standard in Sachen Geschwindigkeit jedoch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, allerdings können zumindest die letzten, 2011 erschienenen Geräte dieser Baureihe –  AirPort Extreme A1521 sowie TimeCapsule A1409 – Dual-Band-WLAN-Netze mit bis zu 450Mbit/s aufziehen. Damit sind sie im Zweifel deutlich besser als WLAN-Accesspoint geeignet , als so mancher Router, den Provider bis vor wenigen Jahren auslieferten.

Bei Geräten vor 2011 fehlt leider der schnelle USB-2.0-Port, wodurch eingebundene Festplatten extrem langsam nach dem USB 1.0-Standard arbeiten. Bei den heutigen Datenmengen ist es also nur bei TimeCapsule-Geräten vor 2011 sinnvoll, diese weiter zu betreiben. Übrigens: Mit ein bisschen handwerklichem Geschick kann die Festplatte leicht vergrößert werden.

 

Was tun mit... AirPort Express (1. Generation)?

Mit der ersten Generation der AirPort Express ( A1084 ) landete Apple 2004 einen Bestseller: Die relativ preisgünstige WLAN-Basisstation nach 802.11g-Standard erlaubte nämlich nicht nur die einfache und schnelle Erweiterung eines Netzwerks, sondern ermöglichte erstmals auch das Musikstreaming von iTunes auf die Stereoanlage. Es gibt wohl nur wenige Apple-Nutzer, die das Gerät seinerzeit nicht besaßen oder sogar noch besitzen.

Der WLAN-Standard ist bei vielen AirPort-Geräten inzwischen das Hauptproblem, vor allem, wenn der Haupt-Router moderner ist. Alte TimeCapsules können aber auch einfach als NAS am Kabel laufen.
Vergrößern Der WLAN-Standard ist bei vielen AirPort-Geräten inzwischen das Hauptproblem, vor allem, wenn der Haupt-Router moderner ist. Alte TimeCapsules können aber auch einfach als NAS am Kabel laufen.

Es gibt bei diesem Gerät keinen Grund, sie nicht weiter als Musikstreaming-Device einzusetzen, solange man sein langsames und unsicheres WPA-1-WLAN abschaltet und sie per Ethernet anbindet. Moderne iTunes- und iOS-Versionen erkennen ihr AirPlay noch, das AirPort-Dienstprogramm allerdings nicht mehr. Allerdings kann die ältere Version 5.6.1 des Dienstprogramms, die die erste AirPort Express noch unterstützt, mit einem kostenlosen Drittanbieter-Patch selbst auf modernen Macs weiterverwendet werden, wodurch sie eine sehr günstige Methode ist, Stereoanlagen kabellos zu bespielen .

 

Was tun mit... AirPort Basisstation Graphite & Snow und AirPort Extreme (1999 bis 2007)

Fast 20 Jahre ist es her, dass Apple die erste AirPort-Basisstation vorstellte, zunächst als Graphit-Version im Ufo-Design aus klarem Kunststoff , später in weiß . Das 2003er-Folgemodell hieß zwar Extreme, besaß aber das gleiche Design.

Wer noch so eine UFO-AirPort besitzt, sollte sie nicht mehr als WLAN-Gerät verwenden. Auch sonst hat sie leider keine praktische Anwendungsmöglichkeit mehr
Vergrößern Wer noch so eine UFO-AirPort besitzt, sollte sie nicht mehr als WLAN-Gerät verwenden. Auch sonst hat sie leider keine praktische Anwendungsmöglichkeit mehr
© Apple

Das Ur-Modell war ein erster Schritt in Sachen WLAN, besitzt tatsächlich noch ein eingebautes 56K-Modem für die Telefonleitung und WLAN nach dem 802.11b-Standard. Und obwohl alle drei Geräte gelebte Techniknostalgie sind, haben sie keinen praktischen Nutzen mehr : Da die AirPort Graphite (1999) und Snow (2001) nur WEP-Verschlüsselung verwenden, der Nachfolger Extreme nur WPA1, sollten sie definitiv nicht mehr als WLAN-Gerät eingesetzt werden. Allerdings ist das auch kaum möglich: Wer keinen Mac dieser Zeit samt dem passenden AirPort-Dienstprogramm besitzt, kann die Basisstation auf neueren Macs und unter iOS nicht mehr konfigurieren. Hier hilft nur Wegschmeißen oder als Designobjekt ins Regal stellen.

 

Fazit: Viele AirPort-Router sind noch völlig OK!

Insgesamt ist es erstaunlich, wie lange sich Apples AirPort-Geräte halten: die modernen WLAN-ac-Versionen sind trotz ihres Alters uneingeschränkt verwendbar und sogar 10 Jahre alte TimeCapsules und AirPort-Express-Geräte können mit wenigen Einschränkungen problemlos weiter genutzt werden. Selbst 15 Jahre alte AirPort-Express der ersten Generation finden noch Verwendung. Kritisch wird es aber immer dann, wenn entweder aktuelle Sicherheitsstandards wie WPA2 fehlen oder die WLAN-, Ethernet- und USB-Hardware schlicht zu lahm ist, um noch sinnvoll eingesetzt zu werden, weshalb sich nicht jedes Gerät für die Weiterverwendung eignet. Wie lange das AirPort-System überhaupt noch unterstützt werden, weiß leider nur Apple: Durch Einstellung des AirPort-Dienstprogramms könnte das Unternehmen nämlich schlagartig alle AirPort-Geräte aus dem Verkehr ziehen. Allerdings gibt es dafür eigentlich keinen Grund.

 

 

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