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Welche App ist Datenkrake? So lesen Sie Datenschutz-Infos im App Store

05.02.2021 | 14:57 Uhr | Stephan Wiesend

Seit Dezember müssen Apps im Apple App Store nachweisen, wie sie mit Nutzerdaten umgehen. Darauf sollten Sie achten.

Bei iOS 14 setzt Apple vermehrt auf Datenschutz, das betrifft auch den App Store. Seit Mitte Dezember muss jede App im App Store um einen Hinweis auf den Datenschutz ergänzt werden – sonst werden keine Updates mehr bereitgestellt. Diese Infos findet sich am unteren Rand der App-Beschreibung unter „App-Datenschutz“ und zeigt „Daten, die zum Tracking deiner Person verwendet werden“ und „Mit dir verknüpfte Daten“. Es gibt sogar einen dritten Bereich „Nicht mit dir verknüpfte Daten“.

Vor allem Facebook war von diesen Neuerungen wenig begeistert, nach einigem Zögern sind aber auch für die Facebook-App nun aktuelle Datenschutz-Infos zu finden.

Die Veröffentlichung der Datenschutzmaßnahmen ist nicht neu, die oft mehrseitigen Texte der Hersteller hat aber wohl kaum ein Nutzer gelesen. Einen schnellen Überblick sollen aber nun kleine Symbole garantieren. So sieht man sofort, dass etwa die Youtube-App mit Ihnen Kontakte, Standort, Gekaufte Artikel, Suchverlauf und viele weitere Daten verknüpft. Auf einer eigenen Webseite hat Apple diese Datentypen ausführlicher erklärt .

Aufschlussreich ist es aber, wenn man einmal den Umgang mit Daten von drei unterschiedlichen Apps vergleicht: Facebook, Youtube und Threema. Besonders viele Daten sammelt etwa die Facebook-App, aber auch die Youtube-App ist hier sehr aktiv. Einen guten Ruf beim Datenschutz hat dagegen die Messenger-App Threema, die besonders wenig Nutzerdaten sammelt. Für den unerfahrenen Nutzer wirken die drei Apps aber vielleicht gar nicht so unterschiedlich, unter jeder App sieht man zwei Kästchen mit zahlreichen Einträgen.

Auf den ersten Blick könnten man die Apps für ähnlich wißbegierig halten.
Vergrößern Auf den ersten Blick könnten man die Apps für ähnlich wißbegierig halten.

Auf Tracking achten

Als Faustregel könnte man hier raten, vor allem auf die Zahl der Einträge unter „Tracking“ zu achten. Hier werden die Methoden aufgezählt, mit denen ein Nutzer für Werbekunden sichtbar wird – auch bei Besuch anderer Webseiten und Apps zielgerichtete Werbung erhält.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass bei Threema gar kein Kasten „Tracking" aufgeführt ist. Stattdessen ist hier der Kasten „Nicht mit dir verknüpfte Daten“ zu sehen, der offenbar den mangels Tracking freien Platz ausfüllen soll. Nach unserem Eindruck keine ideale Lösung, Threema scheint so auf den ersten Blick kaum weniger Einträge aufzuweisen als Facebook.

Aber auch bei Youtube und Facebook gibt es Unterschiede, so nutzen beide Kontaktinformationen und Kennungen. Nur bei Facebook findet sich aber der Eintrag „Sonstige Daten“. Die Apps sammeln diese Daten für Datenbroker, die Facebook und Google dann an Werbetreibende weitergeben – und Sie mit zielgerichteter Werbung versorgen.

„Mit dir verknüpfte Daten“

Auch der Eintrag der „Mit dir verknüpfte Daten“ ist aufschlussreich. Bei Threema finden sich hier nur die beiden Einträge „Kontaktionformationen“ und „Kennungen“. Bei Youtube sind es immerhin 11 Einträge, gleich 14 Einträge bei Facebook. So kann Facebook etwa zusätzlich Daten der Kategorien „Vertrauliche Daten“ und „Gesundheit und Fitness“ nutzen. Diese Daten sind mit Ihrem Nutzerkonto verknüpft und werden von der App gesammelt. Allerdings erhält eine App erst nach Ihrer Einwilligung Zugriff auf ihre Standortdaten, Gesundheitsdaten oder Ihre Fotosammlung. Oft gibt es für die Zugriffe auch einen guten Grund: So kann etwa die Youtube-Apps laut Liste Zugriff auf Ihre Fotosammlung erhalten, das ist für das Hochladen von Videos auf den Videodienst allerdings auch notwendig und erwünscht.

„Nicht mit dir verknüpfte Daten“

Dieser Eintrag wirkt etwas skurril. Der Hintergrund ist, dass viele Apps Daten sammeln, die nicht mit dem Nutzer verknüpft sind. Das können etwa anonymisiert Daten über Abstürze der App sein. Diese Einträge sind aber unbedenklich für Ihre Privatsphäre.

Weitere Informationen

Um nähere Informationen über die wenig aufschlussreichen Einträge zu erhalten, kann man auf der Homepage der Anbieter recherchieren oder auf der Seite auf „Weitere Informationen“ klicken. Hier werden alle Einträge ausführlicher erläutert. Auch hier fallen Unterschiede auf: Bei Threema sieht man dreizehn Zeilen Text, bei Youtube sind es schon 143 Zeilen mit Zugriffsarten — bei Facebook gleich 257 Zeilen! Wir haben die Unterschiede der Textmenge deshalb in einer Grafik veranschaulicht. Hier wird auch offensichtlich, wie sich die Apps finanzieren: Facebook und Youtube sind Werbeunternehmen, Threema finanziert sich durch eine App-Gebühr. Dass man bei der Nutzung von Youtube und Facebook mit seinen Daten bezahlt, ist nicht neu, die Anzahl der Einträge finden wir aber doch beeindruckend.

Die Unterschiede zwischen der Anzahl der Zugriffe durch Facebook (links) und Threema "rechts" sind eindrucksvoll.
Vergrößern Die Unterschiede zwischen der Anzahl der Zugriffe durch Facebook (links) und Threema "rechts" sind eindrucksvoll.

Unsere Empfehlung

Die Auflistung der Datenschutzinformationen im App Store ist eine sinnvolle Neuerung, allerdings ist eine Einschätzung durch den Anwender nicht ganz einfach und die eigene Prüfung der oft sehr langen Info-Seite kaum zumutbar. Als Faustregel schlagen wir deshalb vor, auf Einträge im Kasten „Tracking“ zu achten und zumindest auf die Zahl der Einträge unter "Weitere Informationen" zu schauen – je länger die Liste, desto schlechter ist der Schutz der Privatsphäre.

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