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Wer ein Macbook Pro braucht – und wer nicht

18.06.2022 | 19:00 Uhr | Andreas Müller

Bei Apples aktuellem Macbook-Portfolio kann man schon mal durcheinander kommen: M-Chip-Serie sei Dank. Wer ein Macbook Pro braucht – und wer nicht.

WWDC 2022. Da war es mal wieder –  das Gefühl, das Apple-Fans so lange vermisst haben . Ein Event, das Innovation und technologischen Fortschritt demonstriert. Ein Event, das sein Publikum euphorisch und beeindruckt zurücklässt. Wer dem Spektakel beiwohnte, konnte angesichts der proklamierten Leistung seinen Sinnen kaum glauben. Doch auch nachfolgende Benchmarks untermauerten, was während der Präsentation versprochen wurde.

Macbook Pro – unglaubliche Leistungswerte wecken Begehrlichkeiten

Der bis dato bereits für seine Leistungsfähigkeit geschätzte M1-Chip wurde mit den Pro- und Max-Varianten geradezu in den Schatten gestellt. Bereits die beachtliche CPU-Leistung des M1-Chips wird von den neuen Evolutionen um rund 50 % übertroffen. Noch deutlicher wird es, wenn es um die Performance der integrierten GPU geht. Hier schafft der Pro in etwa eine Verdopplung der Leistung, während der Max mit einer Steigerung der Metal-Benchmark-Werte um rund 330 Prozent glänzt. Mittlerweile hat Apple den M2 angekündigt, dessen Werte leicht die von M1-Prozessor übersteigen, dennoch noch nicht an die Pro- und Max-Varianten reichen. 

Das Macbook Pro ist endlich wieder eines dieser Produkte, das Begehrlichkeiten weckt. Weil es beeindruckt, weil es gut konzipiert ist und weil es verkörpert, was Apple so groß gemacht hat. Im Zuge dieser Euphorie vergisst man fast zu hinterfragen, ob man dieses Notebook denn auch wirklich braucht. Eine Frage, die wie eine emotionale Handbremse wirkt – beantworten möchten wir sie dennoch.

Ungenutztes Potenzial zum hohen Preis – wer benötigt eigentlich so viel Leistung?

Preislich beginnt der Einstieg in die Macbook-Pro-Welt bei 1.599 Euro für das 13-Zoll-Modell mit Basisausstattung (Achtung, erst ab Juli verfügbar). Doch bevor wir uns der unteren preislichen Grenze nähern, soll es zunächst um das Modell mit Max-Chipsatz gehen. Wer von der Ankündigung und der Performance des Macbook Pro beeindruckt ist, tendiert sicherlich impulsiv zum Topmodell. Unter diesem Einfluss stehend kommen dennoch angesichts des hohen Anschaffungspreises irgendwann die Zweifel auf, ob man diese Leistung überhaupt benötigt. 

Die zutreffendste Antwort auf diese Frage ist, dass man es nur dann braucht, wenn man weiß, dass man es braucht. Gemeint sind dabei Power-User, die beispielsweise extreme Anforderungen für die Bearbeitung und den Schnitt von Videos haben. Diese Zielgruppe kann das Potenzial des Chipsatzes geradezu verlustfrei in effizienteres Arbeiten ummünzen und dessen ist sie sich auch bewusst. Wie bereits erwähnt, spielt der Max-Chipsatz sein gesamtes Potenzial erst dann aus, wenn die GPU stark gefordert wird. Ein Anwendungs-Terrain, das die meisten Apple-Nutzer nur selten betreten werden.

Pro-Chipsatz als sinnvolle Konfiguration für die meisten Nutzer

Die meisten Anwender sind also bereits mit dem Macbook Pro und dem kleineren Pro-Chipsatz bestens bedient. Sollen es allerdings ohnehin mindestens 32 GB Arbeitsspeicher und das größere 16-Zoll-Display sein, schmilzt der Preisvorteil zum Max-Modell erheblich. Derart ausgestattet kostet das Modell mit Pro-Chipsatz nur noch rund 400 Euro weniger als ein vergleichbares Notebook mit dem Max-Chipsatz – ein relativ geringer Aufpreis für die erworbenen Leistungsreserven. Da jedoch auch 32-GB-Arbeitsspeicher für viele Nutzer eher überdimensioniert erscheinen, möchten wir uns hier auf das Konkurrenzumfeld des Macbook Pro mit Pro-Chipsatz konzentrieren.

Eine grundsätzliche Frage stellt sich in Bezug auf die Displaygröße. Wem 13 Zoll oder 14 Zoll zu klein sind, der muss ohnehin auf das Macbook Pro 16 Zoll ausweichen. In diesem Zusammenhang sollten Mobilität gegen stationäre Usability abgewogen werden. Dient das Gerät primär für Geschäftsreisen und soll auch regelmäßig in engeren Umgebungen wie einem Flugzeug verwendet werden, sind kompaktere Maße natürlich sehr praktisch. Werden sogar externe Bildschirme angeschlossen, dürfte die Bildschirmdiagonale ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen.

Das Macbook Air als attraktive Alternative zum Macbook Pro

In diesem Fall kommt das Macbook Air als attraktive Alternative ins Spiel. Ausgestattet mit dem M1 Chip und konfiguriert mit 16 GB Arbeitsspeicher und 512 GB SSD Festplatte, ist das Modell mit 13 Zoll großem Display rund 650 Euro günstiger (UVP rund 1.600 Euro) als ein vergleichbares Macbook Pro. Für diesen Preis erhält man ein gut ausgestattetes Apple Notebook, das durch die gute Leistung des M1-Basischips für die meisten Anwendungsgebiete völlig ausreichend konfiguriert ist. Eine kompaktere Bauform und ein um rund 20 Prozent niedrigeres Gewicht, machen das Macbook Air zudem angenehm portabel. Wer etwas Leistungsstärkeres möchte und trotzdem nicht so viel Geld ausgeben will, sollte sich das neue Macbook Air M2 näher anschauen. Die kleinste Konfiguration fängt mit 1.499 Euro an und bietet selbst im Vergleich mit dem neuen Macbook Pro M2 recht viel: bessere Lautsprecher, Schnellladevorrichtung und Magsafe-Anschluss. 

Lesetipp : Macbook Air M2 vs. Macbook Air M1

Wer es noch kompakter mag, sollte prüfen, ob das individuelle Anforderungsprofil nicht bereits durch ein iPad ausreichend abgedeckt wird. Sowohl das neue iPad Air als auch die iPad-Pro-Serie sind inzwischen mit einem M1-Prozessor ausgestattet. Zusammen mit dem hervorragenden Magic Keyboard für das iPad, lässt sich das Tablet wie ein Notebook nutzen. Natürlich ist man hier auf Apples iPadOS beschränkt. Auf den vollen Funktionsumfang eines macOS muss der iPad-User verzichten. Alles was man für typische Arbeitsprozesse benötigt, lässt sich in der Regel jedoch auch durch iOS Apps sehr gut abbilden. 

Das iPad Pro mit Magic Keyboard als Notebook-Ersatz – schnell und kompakt

Ein 12,9 Zoll großes iPad Pro mit Magic Keyboard und 512 GB Speicher ist beispielsweise für rund 1.900 Euro erhältlich. Im Vergleich zum Macbook Air ist das natürlich kein Schnäppchen. Die nochmals gesteigerte Portabilität gepaart mit nahezu identischer Chipsatz-Leistung könnten diesen Aufpreis für viele Anwender jedoch rechtfertigen. Die preislichen und funktionalen Grenzen zwischen den Gerätetypen verlieren zunehmend an Kontur – auch in Sachen Leistung erlauben immer kompaktere Fertigungsverfahren eine Nutzung moderner Komponenten in nahezu allen Geräten.

Ein deutliches Beispiel für diesen Trend ist das neue iPad Air, das sich kaum noch vom 11 Zoll großen iPad Pro abgrenzt. Bauform, Displaygröße und Leistung sind nahezu identisch. Details wie hochwertigere Lautsprecher, Face-ID anstelle des Fingerabdruck-Sensors und eine fortschrittlichere Kameratechnik sind es, die beide Geräte letztlich voneinander unterscheiden. Interessant ist, dass selbst der Verkaufspreis diese eher marginalen Unterschiede widerspiegelt. Ein iPad Air mit 256 GB Speicher ist nicht viel günstiger als ein iPad Pro 11 Zoll mit gleicher Speicherbestückung. Ähnlich wie bei den Notebooks heben sich die Pro-Geräte erst ab bestimmten Konfigurationen von den günstigeren Serien ab. Größere Bildschirmdiagonalen oder hohe Speicherausstattung sind der jeweiligen Pro-Serie vorbehalten.

Umdenken im Arbeitsalltag – technischer Fortschritt als Chance für neue Strukturen

Während die Pro-Serie vorrangig auf Anwender mit beruflichem Background abzielt, entwickelt sich die Air-Serie zunehmend zu einer Lifestyle-Produktfamilie. Verdeutlicht wird das auch nicht zuletzt durch die Auswahl unterschiedlicher Gehäusefarben. Wem die nüchtern eleganten Farben „Spacegrau“ und „Silber“ nicht zusagen, kann bei den Air-Geräten zu extrovertierteren Varianten wie Blau oder Violett greifen. Doch genau wie bei den Geräten verschwimmen auch die Grenzen bei der Kategorisierung der Nutzer. Home-Office und ein strukturelles Umdenken lassen Anwendungsszenarien entstehen, bei denen berufliche und private Anforderungen verschmelzen. Wer also über die Neuanschaffung eines Gerätes nachdenkt, sollte sich von alten Mustern lösen. Vielleicht kann ein Notebook den stationären Mac ersetzen. Vielleicht stellen moderne iPads sogar eine echte Alternative dar. Welche Vorteile kann das Umsatteln auf andere Gerätetypen haben und welche Freiheiten erwirbt man damit? Ein Gedankenspiel, das den Arbeitsalltag durchaus positiv beeinflussen kann.

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