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Wetter.com: Wie die Wettervorhersage entsteht

16.09.2019 | 18:47 Uhr |

Zweiter Teil unserer Vorstellung von Wetter-Portalen und Wetter-Apps: Nach Wetter Online ist nun bei Wetter.com an der Reihe.

Wetter.com gibt es mittlerweile seit fast 20 Jahren: Im November 2000 wurde die wetter.com AG im baden-wĂŒrttembergischen Singen gegrĂŒndet. Die Idee der beiden GrĂŒnder Manfred Klemann und Stefan Blondzik war es, ein neues Online-Angebot zu schaffen, das einen großen Mehrwert fĂŒr eine breite Zielgruppe bietet. Ihre Mission von Anfang an: Wir sind ein verlĂ€sslicher Alltagsbegleiter und ermöglichen es unseren Kunden, Wetter in ihrem individuellen Kontext zu nutzen und Gefahren zu vermeiden.

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Unsere Fragen zum Dienst hat uns Co-CEO Christoph Kreuzer beantwortet.

Macwelt: Herr Kreuzer, mit wie vielen Mitarbeiter ist wetter.com gestartet und wie ist die Situation  heute?

Christoph Kreuzer: Wetter.com ist damals mit einem kleinen Team von etwa 6 Leuten gestartet. Heute beschÀftigen wir mehr als 50 Mitarbeiter an 3 Standorten.

Wo ist der Firmensitz, was ist die Aufgabe der einzelnen Mitarbeiter?

Unsere GrĂŒndungsgeschichte liegt im Hegau nahe des westlichen Bodensees, dem wir bis heute treu geblieben sind. In Konstanz liegt vor allem das technische Herz von wetter.com. Hier arbeiten mehr als 25 Mitarbeiter aus den Bereichen IT & Entwicklung, Produktmanagement, Sales und Grafik daran, dass Webseiten und Apps wie ein Uhrwerk 24 Stunden, 7 Tage die Woche funktionieren. FĂŒr die Inhalte auf unseren Plattformen sorgen unsere rund 20 Meteorologen und Redakteure in MĂŒnchen. Alle wetter.com-Wettervideos und die komplette Berichterstattung auf unseren eigenen KanĂ€len inklusive zahlreicher Kundenproduktionen fĂŒr Radio-, TV- und Printmedien entstehen in der bayerischen Landeshauptstadt. Seit diesem Jahr haben wir einen weiteren Standort in Berlin eröffnet, wo unser neues Produkt, das Wintersport-Portal Snowthority, gerade am Wachsen ist.

Wann ist die erste Wetter-App bzw. der Webauftritt auf dem Markt erschienen?

Die Webseite ging im Februar 2001 erstmals online. Das Deutsche Wetter Fernsehen – heute wetter.com TV – feierte im Oktober 2004 Premiere. Mobil sind wir seit 2011 . ZunĂ€chst ging die App fĂŒr iOS an den Start, ein Jahr spĂ€ter folgte die Android-Version.

Wie groß ist das Entwickler-Team fĂŒr die Apps und die Webseite?

Das Entwickler- und Produktteam fĂŒr unsere Webseiten und Apps besteht aus rund 15 Mitarbeitern. 

Betreiben Sie eigene Wetter-Stationen und/oder findet ein Verbund von Stationen statt?

Nein, wir betreiben keine eigenen Wetter-Stationen. 

Woher beziehen Sie die aktuellen Wetter-Daten?

Aktuelle Wetterdaten, also Daten, die das Wetter zum aktuellen Zeitpunkt beschreiben und auf Messungen basieren, lassen sich in zwei große Gruppen unterteilen. Zum einen gibt es die Messungen an einem Punkt, die durch eine Wetterstation, aber auch durch Bojen, Schiffe oder Flugzeuge durchgefĂŒhrt werden. Die Daten der Wetterstationen beziehen wir aus dem globalen Datennetzwerk aller teilnehmenden Wetterdienste, einer Kooperation zum weltweiten Austausch von Messwerten. Hinzukommt ein erweiterter kostenpflichtiger Datensatz fĂŒr Europa aus dem Verbund der europĂ€ischen Wetterdienste ECOMET. Zudem greifen wir auf verschiedene lokale Messnetze zurĂŒck, um die Stationsdichte zu erhöhen. Und neben den klassischen Daten von Wetterstationen beziehen wir auch Spezialdaten, wie z.B. Blitze aus einem hochauflösenden Blitzmessnetzwerk, Daten aus LuftqualitĂ€tsmessnetzen, Wassertemperaturen oder PegelstĂ€nde.

Die zweite große Gruppe umfasst Messungen in der FlĂ€che – entweder vom Boden mittels Radar oder aus dem All mittels Satelliten. Die FlĂ€chendaten werden mit dem Niederschlagsradar und Wettersatelliten erzeugt. Beides sind sehr aufwĂ€ndige und teure Verfahren, deshalb werden sie bisher nur von staatlichen Institutionen mit nennenswerter FlĂ€chenabdeckung betrieben. Wir kaufen diese Daten direkt bei den Betreibern ein. 

Aus den Punktdaten der Stationen und den FlĂ€chendaten aus Radar und Satellit wird dann ĂŒber unsere Systeme in Echtzeit das aktuelle Wetter ermittelt.

Wie werden die Wetter-Daten ins Web und auf die Apps ĂŒbermittelt, welche Rechnerleistung ist dafĂŒr notwendig?

Die Rohdaten werden zunĂ€chst nutzerfreundlich aufbereitet und fließen dann ĂŒber eine automatisierte Schnittstelle in die Portale ein. Da wir im Dauerbetrieb laufen und einige Millionen Menschen auf unseren Dienst zugreifen, sind dafĂŒr natĂŒrlich immense Rechenleistungen notwendig. Einen genauen Wert kann ich Ihnen aber nicht nennen.  

Es gibt unterschiedliche Wettermodelle zur Berechnung/Vorhersage des Wetters – welche Modelle benutzen Sie?

Christoph Kreuzer: Es gibt bisher kein Vorhersageverfahren, das die ganze Welt gleich gut bedienen kann, sowohl was die rĂ€umliche als auch die zeitliche Auflösung betrifft. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, mehrere Verfahren zu kombinieren. Dazu werden Basisdaten aus Vorhersagemodellen verwendet, die die ganze Welt abdecken und fĂŒr regionale Besonderheiten durch spezialisierte Regionalmodelle unterstĂŒtzt werden. So können die jeweiligen StĂ€rken der einzelnen Modelle genutzt werden: z.B. regionale Modelle mit besonders hoher rĂ€umlicher Auflösung (bis zu 2 km), globale Modelle mit besonders langem Prognosezeitraum (bis zu 16 Tage) und statistische Modelle zur Korrektur von lokalen Besonderheiten.

Als Basisdaten verwenden wir derzeit GFS (NOAA), ICON (DWD), ECMWF, MOS (DWD), Europa Regionalmodell ICON EU NEST (DWD) sowie bei Bedarf weitere Regionalmodelle. Auf diese Basisdaten werden dann punktgenau fĂŒr jeden Ort unsere eigenen Prognoseverfahren angewendet, die die QualitĂ€t nochmals erhöhen, z.B. in dem ein hochaufgelöstes (250 m) Höhenmodell der Landschaft eingerechnet wird. 

Gibt es maßgebliche Unterschiede bei der Berechnung bezĂŒglich der Wettermodelle fĂŒr die Wetter-Vorhersage?

Die Unterschiede ergeben sich wie oben erwÀhnt vor allem aus der unterschiedlichen rÀumlichen und zeitlichen Auflösung der Modelle. Regionalmodelle und globale Modelle haben je nach Kontext ihre Vor- und Nachteile. Wichtig ist es, mit einer Kombination von beidem zu arbeiten, um hochwertige Vorhersagen erstellen zu können. 

Kann ein Laie grundsÀtzlich erkennen, welches Wettermodel von welcher Wetter-App benutzt wird?

Ich denke nicht, dass ein Laie das kann. Da mĂŒsste er sich schon sehr genau auskennen und die unterschiedlichen Angebote akribisch miteinander vergleichen. Aber welchen praktischen Nutzen hĂ€tte er davon?

Was sind die großen Unterschiede von den Wetter-Apps am Markt?

Die Unterschiede sind gestalterischer, aber auch inhaltlicher Natur. Wer sich zum Beispiel nur auf die vorinstallierte Wetter-App auf seinem Smartphone verlĂ€sst, muss mit deutlichen QualitĂ€tseinbußen in Sachen Vorhersagegenauigkeit leben. Deren Berechnungen basieren nĂ€mlich hĂ€ufig auf dem globalen GFS-Modell, welches eine sehr grobe Auflösung hat. 

Was ist in Zukunft geplant, wird es etwas Neues an Apps geben oder wird auf der Webseite noch mehr passieren?

Christoph Kreuzer: NatĂŒrlich arbeiten wir stĂ€ndig daran, unsere Angebote weiterzuentwickeln und unseren Usern neue Features bereitzustellen. Mit Snowthority haben wir zudem ein ganz neues Angebot auf den Markt gebracht. App und Webseite geben fĂŒr ĂŒber 1.200 Skigebiete in Europa schnell und zuverlĂ€ssig Auskunft ĂŒber alles, was fĂŒr einen gelungenen Ski-Trip wichtig ist: Von aktuellen und bevorstehenden Wetterlagen ĂŒber Schnee- und PistenverhĂ€ltnisse bis hin zu Skipasspreisen und Angaben zur örtlichen Infrastruktur. DarĂŒber hinaus stehen hochauflösende Pisten- und LoipenplĂ€ne zur VerfĂŒgung, die auch offline abrufbar sind. Hierzu werden wir in der nĂ€chsten Zeit noch einiges mehr berichten können.

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