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Wie Time Machine lokale Schnappschüsse erstellt

01.02.2021 | 14:24 Uhr | Thomas Armbrüster

Time Machine erstellt nicht nur Sicherungskopien auf einem externen Medium, sondern legt auch lokale Schnappschüsse des Datenbestands auf dem internen Datenträger an.

Time Machine ist eine einfach zu bedienende Backup-Lösung, die integraler Bestandteil des Mac-Betriebssystems ist. In der Regel muss man nur ein (leeres) externes Speichermedium anschließen. Time Machine erkennt es und fragt dann nach, ob man es für das Backup verwenden möchte. Alternativ aktiviert man in der Systemeinstellung „Time Machine“ die automatische Datensicherung und gibt das Medium als Ziel für das Backup an. Ab macOS Big Sur verwendet Time Machine das Dateiformat APFS (Apple File System) für das Backup-Medium und erstellt kein Backup des Systems mehr, wie noch bei früheren Systemversionen. Soll auf einem Macbook die Sicherung auch im Batteriebetrieb erfolgen, aktiviert man dies in der Systemeinstellung unter „Optionen“. Solange das Medium angeschlossen ist und der Mac sich nicht im Ruhezustand befindet, wird jede Stunde automatisch ein Backup erstellt. Dabei überträgt Time Machine nur die neuen und geänderten Daten. Aktiviert man für den Netzbetrieb in der Systemeinstellung „Energie sparen“ (macOS Mojave, macOS Catalina) beziehungsweise „Batterie“ (macOS Big Sur) die Option „Power Nap“, werden Backups auch im Ruhemodus erstellt. Bei Macs mit Apples M1-Chip fehlt diese Option, Power Nap ist auf diesen Macs immer aktiv.

Time Machine konnte keinen lokalen Schnappschuss für ein Backup erstellen – so gehen Sie vor

Lokale Schnappschüsse

Time Machine sichert nicht nur die Daten auf ein externes Medium, sondern legt außerdem Schnappschüsse des aktuellen Datenbestands auf dem internen Datenträger an, sofern dieser im Format APFS eingerichtet ist. Bei allen Macs mit SSD-Datenspeicher und macOS High Sierra oder neuer ist dies immer der Fall. Ein Schnappschuss (Snapshot) hält jeweils den aktuellen Datenbestand fest. Es werden dazu keine Objekte an einen anderen Ort kopiert, sondern nur Verweise auf die Originale gespeichert. Die Schnappschüsse belegen darum relativ wenig Speicherplatz.

Bearbeitet und ändert man Dateien, überschreibt das macOS nicht die Originaldateien, sondern legt die Änderungen separat von diesen ab. Im nächsten Schnappschuss wird deren Ort zusätzlich zum Original registriert. Und löscht man Dateien, bleiben diese so lange aufbewahrt, wie noch ein Schnappschuss auf sie verweist. Deshalb wird beim Löschen von Dateien der Speicherplatz nicht sofort freigegeben, denn sonst könnte man eine versehentlich gelöschte Datei nicht wieder zurückholen.

Lokale Schnappschüsse werden aber nur dann angelegt, wenn genügend Speicherplatz auf dem internen Datenträger verfügbar ist. Einen lokalen Schnappschuss erstellt Time Machine zum einen vor jeder Datensicherung auf ein externes Medium. Zum anderen sichert Time Machine stündlich einen Schnappschuss, wenn das externe Backup-Medium nicht verfügbar ist und sich der Mac nicht im Ruhezustand befindet. Die Schnappschüsse werden für 24 Stunden aufbewahrt und danach automatisch gelöscht. Außerdem wird zusätzlich der Schnappschuss des letzten Time-Machine-Backups auf einem externen Datenträger aufbewahrt, auch wenn dieser älter ist als 24 Stunden.

Time Machine erstellt zusätzlich zum Backup auf einem externen Medium auch lokale Schnappschüsse des Datenbestands.
Vergrößern Time Machine erstellt zusätzlich zum Backup auf einem externen Medium auch lokale Schnappschüsse des Datenbestands.

Schnappschüsse verwalten

Durch die Schnappschüsse ist es möglich, innerhalb von 24 Stunden zu einer versehentlich gelöschten Datei oder zum Original eines veränderten Dokuments zurückzukehren, auch wenn das Speichermedium mit dem Time-Machine-Backup nicht verfügbar ist. Dazu öffnet man Time Machine über das Menüleistensymbol wie beim Wiederherstellen von Daten aus einem externen Backup. Nun werden alle verfügbaren lokalen Schnappschüsse mit hintereinander liegenden Fenstern angezeigt, und man klickt eines davon an. Alternativ navigiert man über die Pfeiltasten oder die Zeitleiste am rechten Fensterrand zu einem Schnappschuss. Dann wechselt man zu dem Verzeichnis, in dem eine versehentlich gelöschte Datei oder die ältere Version eines Dokuments abgelegt war, markiert diese und holt sie mit einem Klick auf „Wiederherstellen“ zurück.

Versehentlich gelöschte Dateien lassen sich aus einem lokalen Schnappschuss mit Time Machine wiederherstellen.
Vergrößern Versehentlich gelöschte Dateien lassen sich aus einem lokalen Schnappschuss mit Time Machine wiederherstellen.

Um zu sehen, wie viele lokale Schnappschüsse auf dem Mac gespeichert sind, startet man das Terminal und tippt dort folgendes ein, gefolgt von einer Zeilenschaltung:

tmutil listlocalsnapshots /

Mithilfe des Terminals lässt sich ein lokaler Schnappschuss auch manuell anlegen. Dazu tippt man Folgendes ein:

tmutil localsnapshot

Um alle lokalen Schnappschüsse auf dem internen Datenträger zu löschen, nimmt man diesen Befehl:

tmutil deletelocalsnapshots /
Mit dem Terminal listet man die lokalen Schnappschüsse auf, legt einen Schnappschuss manuell an oder löscht alle Schnappschüsse.
Vergrößern Mit dem Terminal listet man die lokalen Schnappschüsse auf, legt einen Schnappschuss manuell an oder löscht alle Schnappschüsse.

Time Machine konnte keinen lokalen Schnappschuss für ein Backup erstellen

Es kann passieren, dass der Mac bei der Sicherung mit Time Machine meldet: "Time Machine konnte keinen lokalen Schnappschuss für ein Backup erstellen". Die Suche nach den Ursachen des Fehlers kann langwierig sein, bietet Apple doch für sein Backup-System nur wenig Möglichkeiten, etwas über die Bedienoberfläche einzusehen oder zu ändern. Hier haben wir einen allgemeinen Ratgeber zusammengestellt, was man tun muss, wenn das Backup mit der Time Machine abbricht. Meckert Time Machine aber bei den lokalen Schnappschüssen, liegt das meist daran, dass zu wenig Speicherplatz auf dem internen Datenträger frei ist. Dann sollte man nicht mehr benötigte Daten löschen oder auf ein anderes Medium kopieren und dann löschen. Um schnell festzustellen, welche Dateien besonders viel Platz einnehmen, ruft man über das Apple-Symbol in der Menüleiste „Über diesen Mac“ auf, klickt auf „Festplatten“ und dann auf „Verwalten“. Dann kann man sich unter anderem große Dateien im Finder anzeigen lassen und gegebenenfalls auch direkt löschen. Damit nach dem Löschen der Speicherplatz sofort freigegeben wird, löscht man anschließend über das Terminal alle lokalen Schnappschüsse.

Dateien, die viel Platz beanspruchen, findet man schnell über die Systeminformationen.
Vergrößern Dateien, die viel Platz beanspruchen, findet man schnell über die Systeminformationen.

Zurück zum alten System

Mithilfe eines Schnappschusses kann man nach einem Systemupdate schnell zur vorherigen Version des Systems zurückkehren, da vor dem Update ein aktueller Schnappschuss erstellt wird. Dazu startet man einen Mac mit Intel-Prozessor von der Recovery-Partition, indem man beim Neustart Command (⌘)-R gedrückt hält. Einen M1-Mac schaltet man aus und hält dann die Einschalttaste so lange gedrückt, bis die Meldung erscheint, dass die Startup-Optionen geladen werden. Danach markiert man „Optionen“ und klickt auf „Fortfahren“. In beiden Fällen öffnet sich nun das Fenster „macOS-Wiederherstellung“. Man markiert den Benutzer, klickt auf „Weiter“ und tippt das Passwort für den Benutzer ein. Anschließend wählt man „Aus Time Machine-Backup wiederherstellen“ aus, klickt auf „Fortfahren“, liest sich die Anweisungen durch, klickt nochmals auf „Fortfahren“, und kann dann im Fenster „Wiederherstellungsquelle auswählen“ das Volume markieren, auf dem die Schnappschüsse gespeichert sind. Ist das Laufwerk mit FileVault verschlüsselt, muss man nach dem Klick auf „Schutz aufheben“ noch das Passwort zum Entschlüsseln eintippen. Dann sollten eigentlich alle verfügbaren Schnappschüsse aufgelistet werden.

Bei unseren Tests müssen wir jedoch nochmals zurückgehen zu „Aus Time Machine-Backup wiederherstellen“ und dann von dort aus nochmals beginnen. Da das Volume nun nicht mehr schreibgeschützt ist, werden dann die verfügbaren Schnappschüsse aufgelistet. Man wählt den passenden Schnappschuss aus, klickt auf „Fortfahren“, und nach einer Nachfrage, die man noch bestätigen muss, und der Eingabe des Benutzerpassworts wird der interne Datenträger auf den Zustand dieses Schnappschusses zurückgestellt und der Mac von diesem neu gestartet.

Achtung: Alle nach dem Zeitpunkt des Schnappschusses neu erstellte oder geänderte Dateien gehen dabei verloren. Die Wiederherstellung benötigt sehr wenig Zeit, da weder Daten gelöscht noch kopiert werden müssen, da die Originale ja noch alle vorhanden sind.

Im Recovery-Modus kann man schnell zur früheren Version des Systems nach einem Systemupdate zurückkehren.
Vergrößern Im Recovery-Modus kann man schnell zur früheren Version des Systems nach einem Systemupdate zurückkehren.

Systemschnappschuss

Nicht nur Time Machine verwendet Schnappschüsse, sondern auch macOS Big Sur. Seit macOS Catalina wird das System in einem separaten Container des Dateisystems APFS installiert, für den nur Leseberechtigung besteht. Unter Catalina konnte der Container aber noch aktiviert werden, um Änderungen am System vorzunehmen, etwa bei einem Update. Big Sur geht noch einen Schritt weiter und unterbindet das Aktivieren des Containers mit dem macOS. Zudem wird für das System ein kryptografischer SHA-256-Hash erstellt, der wie ein Siegel funktioniert. Bei jedem Start des Systems wird geprüft, ob das Siegel noch intakt ist. So wird sichergestellt, dass die Systemdaten nicht geändert wurden. Um trotzdem Updates für das System installieren zu können, verwendet macOS Big Sur einen Schnappschuss des aktuellen Systems. Die Änderungen durch ein Systemupdate werden darum nur an dem Schnappschuss vorgenommen. Erst wenn alles richtig funktioniert hat, wird für den aktualisierten Schnappschuss ein neues Siegel erstellt und der Mac abschließend von diesem Schnappschuss neu gestartet. Im Festplattendienstprogramm wird der Systemschnappschuss als „com.apple.os.update-xxxxxxxxx“ angezeigt und als „APFS-Systemschnappschuss“ bezeichnet. Außerdem wird der Schnappschuss mit dem lächelnden Mac-Symbol gekennzeichnet, um anzuzeigen, dass das System von diesem Schnappschuss gestartet ist.

Bei Systemupdates werden die Änderungen am Schnappschuss des Systems vorgenommen.
Vergrößern Bei Systemupdates werden die Änderungen am Schnappschuss des Systems vorgenommen.

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