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Wie verlässlich sind Kundenbewertungen im Apple Store?

28.08.2019 | 09:27 Uhr | Stephan Wiesend

Vergleicht man die Kundenbewertungen und Testnoten mancher Produkte in Online-Shops, sind Bewertungen im Apple Store oft auffallend negativ – etwa für die Power Beats 3.

Die Beobachtung ist nicht neu und bei manchen Produkten besonders auffällig: Bewertungen von Produkten in Apples Online-Store sind oft sehr negativ, vor allem im Vergleich zu anderen Shops und Testberichten. Warum ist das aber so und sind etwa die Bewertungen bei Amazon verlässlicher? Wir versuchen, eine Erklärung zu finden, sind doch Nutzerwertungen für Sie als Kunden eine wichtige Kaufberatung.

Als Käufer im Apple Store können Sie ein Produkt wie Apples iPhones oder auch Kopfhörer wie die Power Beats 3 bewerten – mit einer Note von einem bis fünf Sternen und einem kurzen Kommentar. Vor allem im Vergleich mit den Kommentaren bei Amazon sind Apple-Store-Kunden aber auffallend kritisch gestimmt. Das ist fast schon eine Regel: So erreichen die beliebten und oft verkauften Kopfhörer Power Beats 3 im amerikanischen Apple Store gerade einmal zwei von fünf Punkten und ernten zahllose Ein-Punkte-Bewertungen wie "Worst investment ever", ein anderer Käufer will gar "Zero Stars" vergeben. Im Amazon-Store sind drei von fünf Punkten kein Ruhmesblatt , aber hier halten sich die positiven und negativen Bewertungen annähernd die Waage. Wer hat aber nun recht?

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Sind Bewertungen bei Amazon einfach zu positiv?

Es gibt immer wieder die Behauptung, Bewertungen bei Amazon wären grundsätzlich zu positiv. Das ist nicht ganz falsch: So führen Programme wie Amazon Vine oft zu positiven Berichten: Bei diesem Amazon-Programm erhalten ausgewählte Nutzer kostenlose Testgeräte, damit nach einer Produkteinführung möglichst schnell Produktbewertungen erscheinen. Auch die negative Bewertung eines Produktes ist umständlicher als eine positive, da Amazon dem Kunden empfiehlt, das Problem mit dem Hersteller zu besprechen. Oft fallen Noten hier wohl etwas besser aus als angemessen, manche Schwarze Schafe unter den Herstellern stellen zudem selbst immer wieder positive Bewertungen ein.

Bei unserem Testgerät kommt aber noch eine interessante Besonderheit hinzu: Es fällt auf, dass sich auch bei den dreitausend Amazon-Bewertungen 40 Prozent die Bestnote und 40 Prozent die schlechteste Note vergeben: Das ist dann doch sehr ungewöhnlich. Sieht man sich einige der negativen Bewertungen an, handelt es sich vor allem um einen Vorwurf: Schlechte Zuverlässigkeit.

Positive Testberichte

Sieht man sich unser Beispiel-Produkt von Apples Tochter Beats näher an, findet man auf den ersten Blick eigentlich keinen Grund für die negativen Bewertungen. Die Kopfhörer sind schon seit Ende 2016 auf dem Markt und ernteten in der Fachpresse nur positive Wertungen. Die Seite Testberichte.de, die Medien und Fachmagazine auswertet, errechnet eine Gesamtnote von 2,0 also „Gut“ und beruft sich dabei auf Stiftung Warentest, Maclife, Stereo und weitere Publikationen – von denen keiner eine wirklich schlechte Note vergibt. Viele der erfahrenen Tester prüfen Tonqualität, Akkulaufzeit und Empfangsqualität unter Laborbedingungen, sind also eigentlich sehr objektiv. Zwischen der Meinung der Tester und der Käufer liegt also ein herber Wertungsabstand.

Was man aber beachten sollte: Es gibt einige Eigenschaften, die diese Tests nur eingeschränkt überprüfen können, etwa die Langzeit-Qualität der Akkus oder die Ausfallrate. Auch anonym gekaufte Testgeräte liefern nur eine Stichprobe und herkömmliche Tests stoßen hier schnell an ihre Grenzen.

Hohe Ausfallraten sind unschön, leider aber ein Schwachpunkt vieler kompakter Bluetooth-Kopfhörer. Apples Kopfhörer sind da kein Sonderfall, gleiche Kritikpunkte hört man zu den Jaybird X4 und Sennheiser CX. Die kleinen Bluetooth-Geräte sind weit weniger robust als herkömmliche Kopfhörer und die winzigen Akkus fallen öfter mal aus.

Bei manchen Anwendern sind die Kopfhörer anscheinen schon nach wenigen Monaten defekt, der Akku hält öfter weniger lange als versprochen. Ein weiterer Kritikpunkt: Laut Beschwerden wären die als Sportkopfhörer beworbenen Geräte weniger gut gegen Flüssigkeiten geschützt, als behauptet. Das ist nun Auslegungssache: Apple hatte nie behauptet, die Ohrhörer wären wirklich wasserdicht, nur spritzwassergeschützt. Ein feiner Unterschied, der auch in Testberichten betont wurde. Die Kopfhörer wurden aber eben als „Sportkopfhörer“ verkauft! Laut manchen Anwendern genügte dann bereits ein Lauf bei Regen, um manche der Geräte zu beschädigen. Hier hat wohl die Marketing-Abteilung von Beats etwas zu vollmundige Versprechungen gemacht und der Ärger vieler Kunden ist nicht unberechtigt.

Sind Apple-Store-Bewertung besonders objektiv?

Was man nicht vergessen sollte: Die besonders kritischen Bewertungen im Apple Store sind dadurch nicht automatisch objektiv. Im Unterschied zu bei Amazon scheinen nämlich die positiven Bewertungen zu fehlen. So fällt bei dem Bewertungssystem des Apple Store auf, dass Kunden nach einem Kauf weder zu einer Bewertung angehalten werden, noch Einschränkungen bei Negativ-Bewertungen bestehen. Insgesamt werden relativ wenige Bewertungen im Store veröffentlicht, was ihre Relevanz weiter einschränkt. Auf den ersten Blick sollte diese fehlende Beeinflussung eigentlich zu besonders fairen Bewertungen führen.  So erfährt man schnell von bestimmten Schwächen eines Produktes, etwa mäßiger Qualität. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man unter Umständen auch eine Negativauswahl unzufriedener Kunden sieht.

Das fehlende Lob zufriedener Kunden hält dann aber unter Umständen auch Kunden vom Kauf ab, die mit dem Produkt völlig zufrieden wären – schließlich joggt nicht jeder gerne bei Regen und bei weitem nicht jeder Kopfhörer fiel nach kurzer Zeit aus! Unser Rat: Nutzerbewertungen im Apple Store sind hilfreich, liefern aber nur einen sehr negativ eingeschränkten Einblick. Den „negativen Drall“ sollte man beim Apple Store deshalb besser einkalkulieren.

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