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Windows-Programme am Mac: Parallels, UTM und Alternativen

29.08.2021 | 09:00 Uhr | Stephan Wiesend

Um Windows-Apps am ARM-Mac zu nutzen, gibt es für Sie mittlerweile mehrere gute Lösungen. Neben Parallels und UTM bieten sich Cloud-Lösungen wie Windows 365 und Geforce Now an.

Sie wollen bei einem Intel-Mac möglichst einfach Windows-Programme nutzen? Für diese Aufgabe war bisher immer Bootcamp die einfachste Lösung, dem Besitzer eines M1-Macs ist dieser Weg aber versperrt. Viele kennen bereits Parallels und Vmware Fusion, es gibt aber noch andere brauchbare Lösungen wie Crossover, Geforce Now, Windows 365 und Quemu.

Crossover – genial aber mit Tücken

Geforce Now - Ideal für Gamer

Parallels – komfortabel und zuverlässig

Windows 365 - teuer aber ausgereift

Quemu/UTM  – innovative Lösung für Profis

Remote Desktop: Eine weitere Alternative

Crossover - genial aber mit Tücken

Das gerade aktualisierte Crossover 21 basiert auf dem Open-Source-Projekt Wine und geht einen völlig anderen Weg als eine Virtualisierungssoftware wie  Parallels: Wollen Sie ein Programm wie Visio 2013 nutzen, installieren Sie es mit Hilfe von Crossover einfach auf Ihrem Mac. Sie können es danach wie eine Mac-App starten, nutzen und wieder beenden.

Damit ein Windows-Programm auf einem Linux- oder Mac-Rechner laufen kann, werden dabei von Crossover die für das Programm benötigten Komponenten eines Windows-Betriebssystems nachgebildet – eine Art Mini-Betriebssystem – und macht es so unter macOS lauffähig. Optisch ist dies sichtbar, die Apps sehen auch auf dem Mac wie Windows-Apps aus. Vor allem bei einfacheren Programmen funktioniert das Konzept aber recht gut, auch viele ältere PC-Spiele können Sie damit zum Laufen bringen. Die Nutzung ist zwar anfangs etwas ungewohnt, Sie haben sich aber schnell an das Konzept gewöhnt. Das Problem: Der Umfang der Unterstützung ist sehr unterschiedlich und nicht immer vorhersehbar. Manchmal werden Apps installiert aber nur teilweise unterstützt und Funktionen sind fehlerhaft. Wie Spieletests etwa auf Youtube zeigen , kann Crossover aber bei unterstützten Spielen (beispielsweise Team Fortress 2) sogar bessere Performance als ein Virtualisierungsprogramm wie Parallels bieten.

Windows-App auf dem ARM-Mac?
Vergrößern Windows-App auf dem ARM-Mac?
© Codeweavers

Eine Kompatibilitätsliste listet viele Programme auf, die mit Crossover kompatibel sein sollen, dazu gehören Steam oder Word 2007. Meist werden einfache und alte Programme besser unterstützt, beispielsweise Excel und Project 2007 besser als Excel 2016 oder Project 2016. Für die Portierung von Programmen, etwa von Spielen, bietet die Firma außerdem einen kostenpflichtigen Service. Eine ARM-Version gibt es noch nicht,  Rosetta 2 wird aber unterstützt und die für Sommer 2021 angekündigte Version 21 soll die Unterstützung weiter verbessern. Ab 40 Dollar kostet die Software, ohne Laufzeitende. Ein Vorteil: Eine eigene Windows-Lizenz ist nicht erforderlich.

Für diese Aufgaben eignet sich Crossover:

Erfahrene Anwender, die einzelne Apps nutzen wollen: Apps und Spiele müssen aber mit Crossover kompatibel sind.

Geforce Now - Ideal für Gamer

Sie sind eigentlich mit macOS zufrieden und wollen nur ab und zu ein aktuelles PC-Spiel wie Cyberpunk 2077 oder The Witcher spielen? Dann können Sie auch einen Cloud-Dienst wie Geforce Now nutzen. Hier erhalten Sie per Abogebühr einen Fernzugriff auf einen spezialisierten Spiele-Rechner, der auf Ihrem Bildschirm erscheint.

Geforce Nows ist ein Cloud-Dienst, der auch auf anderen Geräte läuft.
Vergrößern Geforce Nows ist ein Cloud-Dienst, der auch auf anderen Geräte läuft.
© Nvidia

Ein wenig erinnert das System an Streaming: Die Rechenleistung muss der entfernte Rechner bereitstellen, die Bildausgabe erscheint aber auf Ihrem Rechner und Sie spielen mit Mac-Tastatur und Maus. Sie können also auch mit einem eher schwach ausgestatteten Mac problemlos aktuelle Spiele spielen. Reaktionsgeschwindigkeit und Bildqualität sind nach unseren Erfahrungen  hervorragend, als Standard nutzt Geforce Now die HD-Auflösung. Für gutes Gameplay benötigen Sie allerdings eine erstklassige Internetverbindung mit echter Flatrate. Was Sie dabei nämlich nicht vergessen sollten ist der hohe Bandbreitenverbrauch: Selbst bei kurzen Spielen verbraucht der Dienst viele GB an Datenvolumen, was bei manchen DSL-Verträgen zum Problem wird. Ein weiterer Vorteil: Steam wird unterstützt und Sie können so auf Ihre bereits dort gekauften Spiele zugreifen und auch neue Spiele dort kaufen. Über 1000 Spiele werden unterstützt, diese gehören allerdings nicht zum Lieferumfang. Sie können nur von Ihnen gekaufte Spiele spielen – natürlich ebenso kostenlose. Die Abokosten: 9,99 Euro im Monat oder 99,99 Euro im Jahr. Ausprobieren können Sie den Dienst auch über eine kostenlose Mitgliedschaft. Hier müssen Sie aber auf freie Server warten und die Bildqualität ist beschränkt.

Für diese Aufgaben eignet sich Geforce Now:

Mac-Anwender, die aktuelle High-End-Spiele nutzen wollen.

Parallels – komfortabel und zuverlässig

Bei einer Virtualisierungssoftware wie Parallels können Sie ein Windows-System wie eine eigene Mac-App starten und Windows-Programme parallel zu Mail und Safari nutzen. Eine sehr komfortable und elegante Lösung:  In Sekunden haben Sie das gewünschte Programm vor sich und können parallel weiter unter macOS arbeiten. Parallels bietet zahlreiche Komfortfunktionen, die eine Zusammenarbeit zwischen Mac und virtuellen PC vereinfachen. So können Sie Daten bequem zwischen den Systemen austauschen, die Zwischenablage nutzen, auch Drag-and-Drop ist möglich. 

Schade ist nur, dass Parallels bisher nur DirectX11 unterstützt, was viele neuere Spiele und Apps ausschließt. Schade: Auf einem ARM-Mac können Sie nur die ARM-Versionen von Windows nutzen. Leider lassen sich die ARM-Versionen von Windows 10 und 11 aber nicht so problemlos wie die Intel-Versionen verwenden. Sie unterstützten neben ARM-Versionen von Windows-Apps zwar so gut wie alle Intel-Apps, die sie emulieren können. In der Praxis gibt es aber doch immer wieder Kompatibilitätsprobleme – dies können Sie in der Praxis nur ausprobieren und auf Updates hoffen. Dafür ist die Nutzung von Windows vorerst kostenlos: Über das Entwicklerprogramm Microsoft Insider erhalten Sie problemlos eine so genannte Insider Preview von Windows 10 oder Windows 11. Sie melden sich dazu mit einem Microsoft-Account an und können danach ein Installationsimage von Windows 10 oder Windows 11 für ARM herunterladen und installieren. Die Nutzung ist auch ohne Registrierung des Systems möglich. Parallels Desktop gib es in drei Versionen: 

  • Desktop

  • Desktop für Mac Pro 

  • Desktop für Mac Business Edition

Die Standard-Version kostet 80 Euro pro Jahr, die besser ausgestatteten Pro Edition und Business-Edition 100 Euro pro Jahr. Die Standard-Version ist als einzige auch als unbefristete Lizenz zu haben und kostet dann 100 Euro.

Mit Parallels können Sie Windows wie eine eigene App installieren.
Vergrößern Mit Parallels können Sie Windows wie eine eigene App installieren.

Für diese Aufgaben eignet sich Parallels:

Büroanwender, Grafiker und alle Anwender, die Zugriff auf Windows-Apps benötigen.

Windows 365 - teuer aber ausgereift 

Eigentlich sind nur Unternehmenskunden die Zielgruppe von Microsofts Windows 365 , die Ihren Heimanwendern einen Cloud-Firmenrechner zuteilen wollen – weniger Heimanwender und Selbständige. Bei diesem Cloud-Angebot mieten Sie eigentlich einen in einem fernen Rechenzentrum laufenden PC mit Windows 10, den Sie von Ihrem Mac aus bedienen und mit beliebiger Software nutzen. 

Die Besonderheit : Der Fernzugriff ist auch per iPad oder M1-Mac möglich, wahlweise über einen Browser oder die Fernsteuerungssoftware Microsoft Remote Desktop. Das Konzept ist nicht ganz neu und erinnert an Geforce Now. In einem ersten Test sind wir aber von der guten Performance und der schnellen Reaktionsgeschwindigkeit begeistert. Starten Sie über Remote Desktop „Ihr“ Windows haben Sie fast den Eindruck, vor einem lokalen PC zu sitzen. Die Hardwaredaten der Cloud-PCs entsprechen eher Büro-Rechnern. Im Basisangebot haben Sie Zugriff auf einen Rechner mit Dual-Core-CPU (Xeon), 4 GB  und 128 GB, den Sie per Fernzugriff über das Web aber uneingeschränkt nutzen und konfigurieren – etwa eigene Software installieren. Für einen Aufpreis gibt es höhere Leistungsdaten.

Der Cloud-PC läuft auch auf dem iPad oder ARM-Mac
Vergrößern Der Cloud-PC läuft auch auf dem iPad oder ARM-Mac

Für Privatanwender ist die Einrichtung nach unserem ersten Eindruck aber zu kompliziert, so müssen Sie über eine Weboberfläche Lizenzen, Domains und Benutzerkonten verwalten. Firmen profitieren dagegen von der dadurch möglichen einfachen Verwaltung von Benutzern. Gut: Die Nutzung des Systems ist per Browser über die Adresse windows365.microsoft.com auf so gut wie allen Betriebssystemen möglich, auch auf Android, iPhone und iPad. 

Die Remote Desktop App ist für die Nutzung zu empfehlen, die  Microsoft App ist über den Apple App Store verfügbar. Nach der Installation geben Sie hier Ihre Anmeldedaten ein und haben so direkten Zugriff auf den Cloud-Rechner. Gut:Der Rechner wird immer so geöffnet, wie Sie ihn beendet haben, laut Microsoft wird dieser Systemzustand mehrere Wochen gespeichert. Das spart Zeit, wenn Sie nur bestimmte  Aktionen damit durchführen. Daten zwischen Mac und PC können Sie beispielsweise per OneDrive austauschen. 

Für Spiele eignet sich das System nicht, schon ein alter Spielebenchmark wie 3DMark 11 scheitert an der virtuellen Grafikkarte – der Cloud-PC ist übrigens kein eigener „PC“ sondern eine virtuelle Maschine. Gut: Downloads und Installationen sind über die gut angebundenen Cloud-PC sehr schnell möglich. Auch als Selbständiger können Sie ein eigenes Konto eröffnen und für eine Monatsgebühr ab 32 Euro einen Cloud-Rechner einrichten. Eine Lizenz für Microsoft Office ist dabei übrigens nicht enthalten. Interessant ist das neue Angebot etwa für Mac-Anwender, die auf eine bestimmte Windows-Software angewiesen sind. Diese nutzten bisher oft einen Virtualisierungssoftware wie Parallels oder Vmware, um einen virtuellen Windows-Rechner zu verwenden. Ein Nachteil der Cloud-Lösung von Microsoft: Die monatliche Gebühr ist recht hoch und mehr Arbeitsspeicher und Speicherplatz kosten Aufpreis. Zudem ist eine Nutzung nur mit guter und stabiler Internetverbindung möglich, da auch jede Eingabe per Web übertragen werden muss

Für diese Aufgaben eignet sich Microsoft 365:

Büroanwender, die ein aktuelles Windows nutzen möchten – auch am iPad.

Quemu/UTM  – innovative Lösung für Profis

Nicht unterschätzen sollten Sie außerdem die Open Source-Gemeinde. Auch das quelloffene Open Source-Projekt Quemu kann nämlich Windows und andere Systeme auf dem Mac nutzbar machen. Sowohl die Installation als auch die Nutzung des Originals sind allerdings nur für Hartgesottene. Es gibt allerdings das auf Qemu basierende Projekt UTM , das eine weit einfacher benutzbare Oberfläche bereitstellt. Das Faszinierende: Sie können hier wahlweise eine ARM-Version von Windows installieren und mit guter Performance nutzen. Alternativ ist aber sogar die Nutzung von einer x86-Version von Windows möglich. Dabei muss dann aber auch der Intel-Prozessor per Software nachgebildet werden (vereinfacht gesagt) und die Performance leidet stark. Eine ältere Version wie Windows XP soll laut Berichten aber relativ gut nutzbar sein. Die Installation von Linux-Systemen ist einfach möglich, auf den Komfort und die Stabilität von einer Lösung wie Parallels müssen Sie ebenfalls verzichten. Eine Anleitung für die Installation der ARM-Version von Windows 10 finden Sie hier: Windows 10 nutzen .

Auch bleibt die Performance weit hinter Lösungen wie Crossover oder Parallels zurück. Über den App Store können Sie die App für 11 Euro kaufen, die Nutzung ist aber kostenlos möglich.

UTM ist eher für erfahrene Anwender empfehlenswert
Vergrößern UTM ist eher für erfahrene Anwender empfehlenswert

Für diese Aufgaben eignet sich Qemu:

Für erfahrene Anwender, die bestimmte Apps oder Linux-Systeme ausprobieren wollen, aber auf Komfort und Stabilität verzichten können.

Remote Desktop: Eine weitere Alternative

Es gibt noch eine letzte Möglichkeit, die viele Anwender schon lange nutzen: Sie haben im Netzwerk einen alten Window-Rechner im Dauerbetrieb, den Sie über eine Fernsteuerungssoftware nutzen. Das ist vor allem bei Routineaufgaben nötig – etwa wenn Sie Daten in eine in Access programmierte Firmendatenbank eingeben müssen oder andere Spezialaufgaben. Ideal ist diese Lösung nicht, da der Windows-Rechner Platz und Strom verbraucht und für die sofortige Erreichbarkeit immer aktiv sein muss – und alte Rechner sind oft nicht nur laut sondern verbrauchen viel Energie.

Eine Übersicht über gute Lösungen finden Sie hier.

Für diese Aufgaben eignet sich ein Remote-Rechner:

Für erfahrene Anwender, die gelegentlich auf eine Spezialanwendung zugreifen.

Fazit:

Es gibt bereits gute taugliche Lösungen, Windows auf dem Mac zu nutzen. Den besten Komfort bietet Parallels, für Spielefans gibt es aber interessante Alternativen. Entscheidend ist dabei aber ihr Ziel: Wollen Sie das Spiel Cyberpunk ausprobieren oder müssen Sie gelegentlich Visio benutzen. Und die beste Cloud-Lösung nutzt wenig, wenn Sie viel unterwegs sind und eine schlechte Internetanbindung haben.

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