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Xsensio: Sensor Lab-on-the-Skin wertet Körperflüssigkeiten aus

10.12.2020 | 11:35 Uhr | Halyna Kubiv

Ein Startup aus der Schweiz will die nächste Wende auf dem Smartwatch-Markt herbeiführen, mit smarten Technologien.

Apple Watch und andere Smartwatches stecken noch in den Kinderschuhen. Schließlich sind fünf oder zehn Jahre, die die Anbieter auf dem Markt sind, noch keine große Zeitspanne, selbst auf dem schnelllebigen Elektronik-Markt. Und so sieht man, dass die meisten ähnliche Sensoren verwenden, die im Grunde genommen das Gleiche messen: Puls, davon abgeleitete Werte, Elektrokardiogramm. Einige wenige wie Fitbit Sense können noch die elektrodermale Aktivität der Haut messen und so das Stresslevel feststellen – zumindest qualitativ. Kurzum, fast alle Geräte für Endbenutzer auf dem Smartwatch-Markt bedienen sich schlichter optischer Sensoren, deren Einsatzgebiete bald ausgeschöpft sind. Es wäre an der Zeit, nach etwas Neuem zu suchen.

 

Wir sind überraschenderweise ziemlich schnell fündig geworden, quasi bei uns „vor der Tür“: Ein Startup namens Xsensio forscht in Lausanne zu der nächsten Generation der Gesundheitssensoren. Wir haben mit der Mitgründerin Esmeralda Megally gesprochen.

 

Xsensio gibt es erst seit 2014, das Unternehmen hat auf der vergangenen CES bereits einen Innovation Award gewonnen, ein ziemlich gelungener Start für ein sechs Jahre altes Unternehmen.

Lab-on-the-Skin – Ein Sensor für Körperflüssigkeiten

Was in den Laboren an dem Genfer See vorgeht, hört sich nach der Zukunft der Smartwatches an. Xsensio forscht an einem biochemischen Sensor, der an der Haut appliziert wird und schon kleinste Mengen an menschlichem Körperflüssigkeiten wie beispielsweise Schweiß, Speichel und mehr auswerten kann. Nach Angaben von Megally reichen ein paar Nanoliter der Körperflüssigkeit, damit die Auswertung stattfinden kann. Die Technologie heißt „Lab-on-the-skin“, vorstellen muss man das sich wie ein herkömmliches Pflaster, das man beispielsweise auf einem der Oberarme anbringen kann. Das Herzstück von „Lab-on-the-skin“ ist ein kleiner Chip mit den Abmessungen von 5 mm x 5 mm Fläche, dieser übernimmt die Auswertung, per Bluetooth werden die Daten an das angebundene Smartphone oder ein anderes Gerät übertragen. Mit dem Stand heute kann man „Lab-on-the-skin“ für einige Stunden einsetzen, in den langfristigeren Plänen des Unternehmens ist die Weiterentwicklung der Technologie für den langfristigen Einsatz während einer Woche oder länger angedacht, beispielsweise mit einer Smartwatch.

Warum ist die Auswertung von Vitalwerten durch die „Lab-on-the-skin“ so anders als bei den herkömmlichen Fitness-Armbändern? Laut Megally können die bestehenden Geräte bereits sehr gut vor Notfällen warnen. Auch die physischen Daten einer Smartwatch wie Geschwindigkeit, Beschleunigung etc. können Schlüsse auf den Gang des Nutzers und bedingt auf dessen Fitness geben. Die Daten von „Lab-on-the-skin“ sind jedoch biochemischer Natur, denn in den Körperflüssigkeiten können sich bestimmte Mengen von Glukose, Proteinen, Hormonen, Elektrolyten befinden, die deutlich tiefere Einblicke in die menschliche Gesundheit liefern können.

Sensor für Körperflüssigkeiten Lab-on-the-chip
Vergrößern Sensor für Körperflüssigkeiten Lab-on-the-chip
© Xsensio

Anwendungsgebiete: Hochleistungssport, Medikamentenforschung

Dies zeigt eine aktuelle von EU-Geldern unterstützte Xsensio-Forschung in Sachen Covid-19. Der Sensor hätte das Potenzial, in den Körperflüssigkeiten Entzündungsmarker festzustellen, doch dazu bedarf es weitere Forschungen, die Zeit brauchen. Das Unternehmen soll herausfinden, wie man zuverlässig eine sich im Körper entwickelnde Entzündung feststellen kann, praktischen Nutzen werden die Informationen in den fortgeschrittenen Stadien von Covid-19 haben, da die Ärzte genauer Therapie für die Risikopatienten feststellen können und möglicherweise schweren Verlauf der Krankheit verhindern.

Noch vor dem Ausbruch der Pandemie hat das Unternehmen den eigenen Sensor im Bereich Hochleistungssport ausprobiert. Denn mit „Lab-on-the-skin“ kann man den Stoffwechsel im Verlauf beobachten, die Methoden wie Blutproben etc. zeigen nur noch eine Stichprobe an einem bestimmten Zeitpunkt. Nach Angaben von Xsensio startet im nächsten Jahr eine kleine Studie mit den ersten Prototypen von „Lab-on-the-skin“ mit ausgewählten professionellen Sportlern, bis zu 100 Prototyp-Geräte sind geplant.

Die angedachten Einsatzgebiete von solchen Sensoren reichen weiter als nur bis zum Profi-Sport oder der Bekämpfung von Pandemien. So könnte man in der Zukunft bei den Medikamenten mit Hilfe von biochemischen Sensoren relativ schnell feststellen, ob das eingenommene Mittel auch Nebenwirkungen beim Patienten hat. Die Technologie kann vor einem zu hohen Stress-Niveau warnen, besonders wichtig beim Fahren. Im Grunde liefert sie einen tieferen Einblick in die Gesundheit und deren Entwicklung mit der Zeit. Sicherlich, solche Informationen sind besonders bei der Vorbeugung der Krankheiten wichtig, aber auch dann werden Handlungsanweisungen die gleichen bleiben wie jetzt: Bewegung, gesundes Essen, genügend Schlaf und aktuell noch der Nasen-Mund-Schutz.

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