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iMac M1: Das wichtigste Mac-Update seit Jahren

21.04.2021 | 14:34 Uhr | Peter Müller

Der iMac M1 ist einfach ein Traum von einem Rechner. Und trotz Rückgriff auf die Geschichte der bunten Apple-Zeiten vor allem zukunftsweisend. Unsere Einschätzung.

Wahlen seien doch nur Veranstaltungen zur Bestätigung der Prognosen von Demoskopen, schrieb einst der Journalist, Autor und Moderator Robert Lembke in seiner Aphorismussammlung " Das zynische Wörterbuch ". Bis zu den Bundestagswahlen im September fließt noch viel Wasser den Allensbach hinab und uns erscheint ohnehin, dass Wählen heuer wichtiger denn je wird. Die Firma Apple könnte der im Jahr 1989 verstorbene Lembke gerade noch gekannt haben, das Phänomen des Keynote-Leakens aber gewiss nicht – er hätte seine helle Freude daran gehabt und den Aphorismus umgedichtet: "Apple Keynotes sind im Wesentlichen dazu da, die Leaks von Prosser, Kuo und L0vetodream zu bestätigen".

Überraschungen im Detail – nicht nur hinsichtlich Farbe

Nun war es am Dienstag dieser Woche nicht ganz so schlimm, aber von Airtags haben wir schon seit ungefähr 18 Monaten gehört. Auch vom iPad Pro mit Mini-LED und 5G , unmittelbar vor der Keynote gab es Spekulationen um einen neuen Podcast-Dienst . Allenfalls die neue Farbe für das iPhone 12 hat uns überrascht und das neue Feature des Farbabgleichs für das Apple TV 4K - aber dass dieses eine neue Remote braucht, war schon lange klar.

AirTags, ein neues iPhone, M1-iMacs, M1-iPad-Pro, ein neues Apple TV und noch vieles mehr: Das heutige Apple Event hatte es richtig in sich. In diesem Video fassen wir euch die gesamte Keynote mit allen wichtigen Infos zusammen.

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Der eigentliche Star der Show, dessen Auftritt  sich schon im Vorspann ankündigte mit dem geschwungenen Schriftzug "hello", war einerseits erwartbar – Apple hatte schon letzten Juni vom Wechsel auf Apple Silicon gesprochen – und andererseits von Gerüchteköchen im Frühjahr serviert worden. Überraschend waren allenfalls Details wie die enorme Breite der Farbpalette, Touch ID in der Tastatur, Ethernet im Netzteil und die recht eingeschränkte Funktionalität des Basismodells. Und dass als SoC kein M1X, also ein aufgebohrter M1, zum Einsatz kommt, hätten wir nicht unbedingt erwartet.

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Was der iMac M1 von 2021 aber zeigt und was auf den Speisekarten der Gerüchteküchen niemals steht: Jetzt haben wir eine Vorstellung von der näheren Zukunft des Mac. Apple hatte seinem einstigen Kerngeschäft nach dem immensen Erfolg des iPhone in den letzten gut zehn Jahren deutlich weniger Aufmerksamkeit zukommen lassen, das ändert sich nun radikal. Die überwältigend schnellen M1-Mac des November 2020 – Macbook Air, Macbook Pro 13'' und Mac Mini - waren nur ein Vorgeschmack und erinnern gewissermaßen an den letzten Wechsel Apples vom PowerPC auf Intel. Damals war der erste Rechner neuer Art ein iMac, der an sich genau so aussah wie sein unmittelbarer Vorgänger, erst nach und nach änderte Apple das Design hin zu Aluminium und Glas, das heute noch der iMac 27'' zeigt. Die ersten M1-Macs waren alte Schläuche mit neuem Wein, der iMac M1 2021 ist der erste richtige Mac der Apple-Silicon-Ära.

Der Erste seiner Art

Und so greift er auch auf die Dinge vor, die da noch kommen werden. Apple geht dazu in Sachen Gestaltung einen Schritt zurück, gewissermaßen weit in die eigene Vergangenheit. Es ist kein Zufall, dass der iMac 2021 neben der neutralen Silber-Variante in den sechs Regenbogenfarben kommt, die Apples Logo von Ende der Siebziger bis Ende der Neunziger trug. Und es hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit dem Abschied des einstigen Design-Chefs Jony Ive vor fast zwei Jahren zu tun, dass sich Apple auf dem Desktop wieder zu mehr Farbe traut. Das nüchterne Weiß, das sich Ive auch nur von Größen wie Dieter Rams lieh, hat vorerst ausgedient. Der iMac M1 ist definitiv kein trister Kasten, sondern ein fröhliches Desktop-Angebot an die Generation iPad. Jony Ive wäre aber sehr beeindruckt von der Schlankheit des Systems, solche Geräte, die ihren eigentlichen Zweck nicht auf den ersten Blick offenbaren, waren immer das Ziel gewesen. Mehr denn je werden sich nun von Apple bisher nicht angesprochene Leute fragen, wo denn zu diesem schicken Bildschirm der Computer steht.

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Genau das ist ja der Punkt beim iMac M1 und all den Modellen, die da noch folgen werden: Form und Farbe sind das eine, ermöglicht hat das aber Apples gewagte Entscheidung, den Computer völlig neu zu erfinden. Der M1 ist mehr als ein Chip, CPU-Kerne, Grafik-Kerne und die für das neuronale Netz teilen sich einen gemeinsamen Speicher, der mit 8 GB und 16 GB nur scheinbar mickrig ausfällt. Denn kurze Wege erhöhen die Effizienz enorm, was auch zur Folge hat, dass für die Abfuhr der Abwärme nur noch mehr recht kleine Kühler gebraucht werden. Dafür ist im Gehäuse mehr Platz für ordentliche Lautsprecher, vernünftige Mikrofone und Kameras. Wir sind gespannt, wie sich der iMac M1 anhört, wenn wir ihn in unsere Testcenter bekommen.

Bunte iMacs
Vergrößern Bunte iMacs
© Apple

Die Rückkehr des iMac Pro – mit M1X

Mehr noch aber auf seine Leistungsfähigkeit. Von den Benchmarks der ersten M1-Macs ausgehen können wir erwarten, dass der neue den letzten Intel-iMac, das Modell vom letzten August mit 27 Zoll Diagonale, in den meisten Bereichen schlagen wird. Vor allem mit an die neue Architektur angepasste Software. Dieser Umstieg scheint wesentlich schneller voranzugehen als der von PPC auf Intel oder gar der vom klassischen System auf OS X.

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Der iMac M1 scheint der beste Apple-Silicon-Mac bisher zu sein, aber schon bald werden noch bessere Modelle kommen, die ihn in den Schatten stellen. So hat es wohl einen guten Grund gehabt, dass Apple den iMac Pro kürzlich einstellte, der Intel-iMac des letzten Jahres war ihm recht nahe gekommen – und vom großen Bruder des neuen iMac M1 dürfen wir Leistungen erwarten, die schon so "Pro" sind, dass sich ein weiteres Modell erledigt hat. Bei etwa gleichen äußeren Maßen wie dem des heutigen 27-Zöllers und einem vergleichbaren Design mit dünneren Rahmen sollten knapp über 32 Zoll herauskommen. Das wären die Maße des Pro Display XDR und warum sollte Apple nicht wenigstens bei einer Spitzenkonfiguration des größeren M1-Macs Mini-LED optional verbauen, oder wie Apple es seit dieser Woche nennt: Liquid Retina XDR. Wir können auch davon ausgehen, dass ein großer iMac die nächste Ausbaustufe des Apple Silicon erhält, einen M1X oder M1Z mit noch mehr Kernen. Eine derart seriöse Maschine wird dann aber wohl weniger bunt werden, so wie das iPad Pro nicht so farbenfroh ist wie das iPad Air. Vielleicht heißt der große iMac dann doch iMac Pro und ist wahlweise in Spacegray oder Silber zu haben?

iMac
Vergrößern iMac
© Apple

Eine Frage, die Leaker im Vorfeld aufgeworfen haben, beantwortet der iMac M1 aber dann doch nicht: Was wird aus dem Mac Pro? Bei allem Respekt vor der Leistungsfähigkeit des M1-SoC, Profis, die sich seit Ende 2019 respektive Anfang 2020 einen Mac Pro angeschafft haben, werden mit so wenigen Grafikkernen nicht mehr zurechtkommen wollen. Für den Mac Pro wird Apple wieder auf leistungsstarke Chips Dritter zugreifen müssen, wie das genau aussehen wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Vielleicht hätte ja ein Mac Pro Mini, wie ihn Leaker prognostizierten, darauf Hinweise gegeben. Aber mit dem Tipp lagen sie falsch. Auch Demoskopen können irren, manchmal sogar noch am Wahlabend.

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