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Das iPad als Office-Computer nutzen

07.02.2017 | 13:41 Uhr |

Spätestens seit dem iPad Pro bewirbt Apple sein Tablet massiv als Computer-Ersatz. Obwohl Cupertino dafür schon viel gerügt wurde, ist die Botschaft nicht ganz falsch: Ja, ein iPad (Pro) kann durchaus einen vollwertigen Computer ersetzen. Gerade bei Standard-Anwendungen – etwa im Home-Office.

Das iPad gibt es seit nunmehr sieben Jahren . Ursprünglich war es allerdings kaum mehr als ein Sofa-Surfbrett angesehen, als ein teures und funktional stark beschränktes Spielzeug irgendwo zwischen iPod Touch und Macbook. Produktives Arbeiten? Mangels passender Apps, Hardwareschnittstellen und Funktionen zum Dateiaustausch war es nicht weit her mit dem iPad als Computer-Ersatz.

Apple bewirbt das iPad (Pro) inzwischen offensiv als Computer, wagt aber noch nicht, es als „Alternative“ zu verkaufen.
Vergrößern Apple bewirbt das iPad (Pro) inzwischen offensiv als Computer, wagt aber noch nicht, es als „Alternative“ zu verkaufen.

Das hat sich inzwischen geändert: Spätestens seit iOS 8 ist das iPad durchaus als voll einsatzfähiger Rechner zu gebrauchen. Sicher: Das System ist nach wie vor gegenüber macOS und Windows stark beschränkt und ja: Maßnahmen zur Zwangsbeglückung wie die Airprint-Schnittstelle sind Atavismen einer Zeit, in der der Speicher schlicht zu knapp war, um ein volles CUPS wie auf dem Mac aufzusetzen. Trotzdem ist das iPad inzwischen in vielen Einsatzgebieten durchaus als PC- oder Notebookersatz im (Home-)Office einsetzbar – die richtigen Apps vorausgesetzt.

Apples iWork-Apps – oder lieber Microsoft-Office?

Dass Apple auf den Office-Einsatz abzielt, ist vor allem auch daran erkennbar, dass die vormals kostenpflichtigen iWork-Apps Pages (Textverarbeitung), Numbers (Tabellenkalkulation) und Keynote (Präsentationen) inzwischen bei allen neuen iPads kostenlos geladen werden können. Doch nicht nur das: Auch Microsoft hat das Potential erkannt und bietet die komplette Office-Suite inzwischen auch kostenlos für iOS an.

Eigentlich wird MS-Office auch nicht benötigt: Apples auf neuen iPads kostenlose iWork-Suite reicht in vielen Fällen aus.
Vergrößern Eigentlich wird MS-Office auch nicht benötigt: Apples auf neuen iPads kostenlose iWork-Suite reicht in vielen Fällen aus.

Um Word, Excel, Powerpoint und Outlook auf dem iPad nutzen zu können, müssen Sie allerdings über ein Microsoft-Konto verfügen, zudem sind manche Funktionen erst freigeschaltet, wenn Sie ein kostenpflichtiges Microsoft-Office-365-Abo abschließen. Als Lese-Tool funktionieren die Microsoft-Apps aber auch ohne Anmeldung. Wer allerdings keine Lust auf Microsoft-Konto und -Abo hat, kommt an Apples iWork-Programmen nicht vorbei. Die können übrigens auch MS-Office-Dateien öffnen und exportieren – insofern benötigen Sie Microsoft-Software nur, wenn Sie wirklich viel mit fremden Dokumenten arbeiten müssen. Natürlich gibt es auch noch weitere Alternativen – ob sich die Investition lohnt, muss jeder User selbst entscheiden.

MS Office für iOS (hier Word) lässt sich mit einem Microsoft-Konto problemlos nutzen. Allerdings werden manche Funktionen nur mit einem Office-365-Abo freigeschaltet.
Vergrößern MS Office für iOS (hier Word) lässt sich mit einem Microsoft-Konto problemlos nutzen. Allerdings werden manche Funktionen nur mit einem Office-365-Abo freigeschaltet.

Diktieren mit Dictate + Connect

Nur Apple weiß, warum es auf dem iPad keine Sprachmemos gibt. Vermutlich ist sie dem gleichen Rotstift zum Opfer gefallen, der schon den Rechner gestrichen hat – beide Apps sind auf dem iPhone nämlich verfügbar. Wie dem auch sei: Praktisch ist ein guter Voice-Recorder allemal, zum Beispiel, wenn es darum geht, Briefe aufsetzen zu lassen oder Interviews festzuhalten. Natürlich können das in rudimentärer Form auch diverse Notizen-Apps – richtig komfortabel wird es aber erst mit Dictate + Connect (16,99 Euro), einem vollumfänglichen Diktiergerät für iPad und iPhone: Die Universal-App besitzt große Bedienelemente, um das Aufnehmen, Spulen und Abspielen zu erleichtern und erlaubt den Export der Rohdaten in diverse Cloud-Dienste und auf WebDAV-Server. Überhaupt ist die App diesbezüglich sehr flexibel, auch verschiedene Ausgabe-Dateiformate sind möglich. Das Diktiergerät kann also künftig zu Hause bleiben.

Simple Bedienung, schnelles Spulen: Die App Dictate ist ein vollwertiger Ersatz für ein Diktiergerät.
Vergrößern Simple Bedienung, schnelles Spulen: Die App Dictate ist ein vollwertiger Ersatz für ein Diktiergerät.

Apropos Diktieren: Warum nicht das iPad schreiben lassen?

Natürlich können Sie Text auch einfach direkt ins iPad diktieren lassen. Wie? Ganz einfach: Wenn Sie in einem Textdokument die Bildschirmtastatur einblenden, finden Sie links neben der Leertaste ein Mikrofon-Symbol: Wenn Sie dieses antippen, können Sie Text direkt ins Dokument diktieren – Apples leistungsstarke Texterkennung übernimmt den Rest. Dank zahlreicher Kommandos können auch Satzzeichen, Sonderzeichen oder Absätze eingefügt werden. Die Trefferquote ist bei klarer, akzentfreier Sprache erstaunlich hoch, allerdings sollten Texte anschließend noch einmal redigiert werden: Gerade bei Fremdwörtern oder Anglizismen haut die Funktion gerne daneben.

iOS bringt eine leistungsstarke Diktierfunktion mit. Achtung: Die Spracherkennung läuft über Apple-Server und nicht auf dem iPad selbst.
Vergrößern iOS bringt eine leistungsstarke Diktierfunktion mit. Achtung: Die Spracherkennung läuft über Apple-Server und nicht auf dem iPad selbst.

Eine treffsicherere Alternative ist übrigens das Tool Dragon Anywher e, das es allerdings nur im Abo gibt. Das ältere Dragon Dictation ist leider obsolet und wird seid Jahren nicht mehr aktualisiert.

Dokumente scannen und Drucken mit der passenden Drucker-App

Ebenfalls eine typische Office-Aufgabe ist das Archivieren und Drucken von Dokumenten, am einfachsten mit einem bereits vorhandenen Multifunktionsgerät. Die meisten Drucker-Anbieter haben hierfür Apps im iTunes-AppStore, die mal leistungsstärker, mal eher schlecht umgesetzt sind. Immerhin erledigen Sie die Arbeiten, die im Büro anfallen, auch wenn der Drucker keine Airprint-Unterstützung hat: Im Store finden Sie die Apps von Brother , Hewlett-Packard , Samsun g und vielen anderen Herstellern, die eine Bedienung des Druckers, des Multifunktionsgeräts oder eines Standalone-Scanners ermöglichen – natürlich immer vorausgesetzt, dass sich das Gerät im Netzwerk befindet und per WLAN erreichbar ist. Denn leider unterstützen iPads nach wie vor keine USB-Geräte. Als Alternative bieten sich die Apps Print Central Pro (7,99 Euro) oder Printer Pro (6,99 Euro) an: Sie ermöglichen als Allround-Drucksysteme Zugriff auf alle möglichen Drucker.

Viele Druckerhersteller pflegen eigene Apps, die die Nutzung am iPad deutlich erleichtern
Vergrößern Viele Druckerhersteller pflegen eigene Apps, die die Nutzung am iPad deutlich erleichtern

Wie Sie Ihren Drucker für Airprint aufrüsten können, haben wir in unserem Ratgeber beschrieben .

Sortieren und Archivieren per Cloud-Service

Natürlich müssen gescannte Dokumente auch irgendwo abgelegt werden. Am besten dafür geeignet sind Cloud-Dienste wie Dropbox , Box.net , Google Drive und nicht zuletzt Apples iCloud selbst: Diese integrieren sich in den Teilen-Dialog von iOS und ermöglichen es auf diese Weise, Dokumente schnell in der Cloud abzulegen. Damit sind diese dann auch auf allen anderen Rechnern verfügbar. Dummerweise hat die Cloud einen großen Nachteil: Die Dienste sitzen in den USA, es ist nicht nachvollziehbar, ob etwa Geheimdienste wie die NSA darauf zugreifen können oder nicht – grundsätzlich dürfen ist dort erlaubt! Wer also vertrauliche Dokumente nach deutschen Datenschutzbestimmungen speichern will, sollte sie bei einem deutschen Anbieter wie Strato Hi-Drive lagern – oder eine zusätzliche Verschlüsselungsebene einbauen.

Apples iCloud ist natürlich die einfachste und beste Lösung, um Dokumente zu archivieren. Zumal die iCloud selbst verschlüsselt ist. Allerdings ist nicht klar, inwieweit US-Ermittlungsbehörden auf die Daten Zugriff erhalten)
Vergrößern Apples iCloud ist natürlich die einfachste und beste Lösung, um Dokumente zu archivieren. Zumal die iCloud selbst verschlüsselt ist. Allerdings ist nicht klar, inwieweit US-Ermittlungsbehörden auf die Daten Zugriff erhalten)

Dokumente in der Cloud mit DocWallet schützen

Das geht am einfachsten mit der App Cryptomator (4,99 Euro): Diese legt in einem der großen Cloud-Dienste – iCloud, Dropbox, OneDrive, Google Drive oder einem WebDAV-Laufwerk – eine verschlüsselte Datei, einen sogenannten Tresor, an. Dieser bindet sich in den Teilen-Dialog der iOS-Apps ein. Wenn Sie nun ein Dokument sicher via Cloud archivieren oder mit einem anderen Rechner austauschen möchten, legen Sie es einfach in den Cryptomator-Tresor.

Cryptomator bietet sich für das sichere Lagern von Dokumenten in der Cloud an, …
Vergrößern Cryptomator bietet sich für das sichere Lagern von Dokumenten in der Cloud an, …

Dieser ist per Passwort und AES-256-Verschlüsselung geschützt. Mit dem Client für Windows, Linux oder macOS können Sie die Datei dann auch auf dem Rechner öffnen. Der Tresor an sich funktioniert dabei im Grunde wie ein USB-Stick – nur dass er eben in der Cloud liegt. Auf diese Weise können Sie Cloud-Dienste nutzen, ohne die damit verbundenen Sicherheitsrisiken einzugehen.

… da es diese in verschlüsselte Container legt.
Vergrößern … da es diese in verschlüsselte Container legt.
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