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iPhone SE: Für wen es sich lohnt

17.04.2020 | 13:30 Uhr | Peter Müller, Dennis Steimels

Apple hat vier Jahre nach dem iPhone SE das Konzept wiederbelebt: Aktuelle Technologie in einem etwas älteren Gehäuse. Für viele Smartphone-Nutzer ist das ein attraktive Angebot – aber nicht für alle.

Update: Ab 14 Uhr am heutigen Freitag kann man das iPhone SE bei Apple bestellen , ab dem 24. April bekommen Kunden das neue Smartphone zugeschickt. Update Ende.

Nach monatelangen Spekulationen hat Apple nun tatsächlich einen Nachfolger des iPhone SE aus dem Jahr 2016 gebracht, das ebenso schlicht iPhone SE heißt, ohne Ordnungsnummer, ohne Baujahr. SE steht für "Special Edition": Das Konzept von vor vier Jahren legt Apple neu auf: Seinerzeit hatten Komponenten des aktuellen iPhone 6S in ein Gehäuse des iPhone 5/5S Einzug gefunden, das iPhone SE brachte Apple seinerzeit ab 399 US-Dollar oder 479 Euro in den Handel – konkurrenzlos günstig, in Apple-Kategorien. Das passiert nun wieder, das neue iPhone SE bringt aktuelle Technik von iPhone 11, wie etwa den A13-Bionic-Chip, die Weitwinkelkamera der 11er-Reihe (Ultraweitwinkel und Zoom fehlen freilich) in ein Gehäuse des iPhone 8, inklusive Home Button (vorne) und Glasrückseite für induktives Aufladen. Auch der Preis ist – für Apples Verhältnisse – konkurrenzlos günstig, erneut ab 479 Euro. Dafür bekommt man 64 GB Speicher, 128 GB kosten 529 Euro und 256 GB 649 Euro.

Für wen sich die Anschaffung des neuen Apple-Smartphones lohnt:

iPhone X bis iPhone 11 Pro Max: Eher nicht

Wer ein iPhone mit der Gesichtserkennung Face ID nutzt, wird kaum zum Home Button oder Touch ID zurückkehren – zu bequem und zu sicher ist die neue Technologie. Natürlich gab und gibt es Stimmen aus dem iPhone-Lager, das mit den modifizierten Bedienungskonzepten der iPhone-Ära seit 2017 schlecht oder überhaupt nicht zurechtkommt, die meisten dürften sich daran aber gewöhnt haben und wollen nicht mehr zurück. Besitzer der Modelle iPhone 11, 11 Pro und 11 Pro Max haben ohnehin kaum einen Grund, zum iPhone SE von 2020 zu greifen, es sei denn, sie gehören zu den Leuten, die der Touch ID hinterhertrauern. Immerhin haben sie jetzt nach einem guten halben Jahr die Möglichkeit, für ihr erst kürzlich angeschafftes modernes iPhone einen hohen Wiederverkaufspreis zu erzielen, der sogar den der Neuanschaffung übertreffen könnte. Für alle anderen gilt aber: Das nächste iPhone sollte frühestens Ende des Jahres fällig werden, das wird dann eher ein 12er. Vor allem, wenn man das iPhone 11 Pro Max einsetzt: Zurück zum deutlich kleineren Bildschirm wird man nicht wollen, zumal ein "Abstieg" von OLED auf LED damit verbunden wäre.

iPhone SE ab 479 Euro bei Apple bestellen

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Das könnte auch die meisten Nutzer von iPhone XS vom Wechsel auf das Neue abhalten, immerhin wäre der Rückschritt in Sachen Bildschirmgröße nicht so groß, nur der Wechsel von Face ID zurück zur Touch ID relevant – beim XS Max spielt die Bildschirmgröße noch eine Rolle.

Wer seit drei Jahren ein iPhone X einsetzt und es bis heute nicht gegen eines mit Touch ID ersetzt hat, wird dieser Tage wohl über ein Upgrade nachdenken, aber eher hin zur Nummer 11 oder 11 Pro. Auch die Nutzer des iPhone XR stehen eher nicht auf der Kundenliste für das neue iPhone SE, nach anderthalb Jahren lässt die Leistung noch nicht so stark nach. Das iPhone SE  kostet bei Apple immerhin 320 Euro weniger als das iPhone 11, das bisher die attraktivste Upgrade-Option für Besitzer des iPhone XR war, bietet aber – wie das XR – nur eine Kamera auf der Rückseite. Das iPhone XR ist ja weiterhin im Angebot, ab 699 Euro.

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iPhone 7 und 8: Gute Option

Kommen wir nun zu einer weit interessanteren Zielgruppe: den Nutzern von iPhone 7 und iPhone 8. Für die könnte die Anschaffung eines neuen SE – eventuell mit Inzahlungnahme – eine gute Idee sein. Mit dem Prozessor A13 Bionic ist das iPhone SE dem bisherigen Gerät um zwei respektive drei Jahre und Generationen voraus, auch die Kamera bringt nochmal massive Verbesserungen. Wobei die der iPhone-Generationen von 2016 und 2017 ja auch nicht schlecht waren. Die Nutzer der Plus-Modelle aus jenen Jahren müssen indes berücksichtigen: Der optische Zweifachzoom entfällt – eine Ultraweitwinkeloption hat das iPhone SE im Gegensatz zu den 11er-Modellen auch nicht. Und der Bildschirm wird natürlich kleiner. In Sachen Authentifizierung gibt es keine Probleme: Die Touch ID bleibt. Vielleicht ja ein Argument zur Neuanschaffung für diejenigen, die sich ein iPhone ohne Home-Button nur schwer vorstellen können.

Bis eben hat Apple noch das iPhone 8 (Plus) verkauft, das 7 (Plus) war im letzten Herbst aus dem Handel gegangen. Da draußen sind also noch viele relativ neue iPhones der Modelljahre 2016 und 2017 in Gebrauch, die noch keine Alterungsspuren im Akku zeigen. Aber genau solche Nutzer spricht Apple mit dem iPhone SE von 2020 zumindest mittelfristig an: Wer sich vor einem halben Jahr oder Jahr nicht das teuerste Modell leisten wollte oder konnte, würde beim Upgrade eben wieder zum günstigsten Modell greifen. Dieses ist jetzt zukunftssicher – für ein paar Jahre zumindest.

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iPhone 6 (Plus), iPhone 6S (Plus), iPhone SE: Schreit nach Upgrade

Kommen wir zu den Nutzern, die Apple das neue iPhone SE gewissermaßen aus den Händen reißen würden: All diejenigen, deren Telefone noch von einem A9 (iPhone 6S, SE) oder A8 (iPhone 6) angetrieben werden und die nun nach einem neuen Gerät suchen. Denn iOS 14, das im Herbst kommen soll, werden diese Geräte womöglich nicht mehr ausführen können. Apple verkauft die Modelle von 2014, 2016 und 2016 auch schon seit einiger Zeit nicht mehr, Alterungserscheinungen sind völlig normal. Zwar lässt sich der Akku beim iPhone SE (2016) und bei den 6ern mit etwas Geschick einigermaßen unfallfrei austauschen, damit zögert man das unvermeidliche Ende aber nur ein wenig heraus. Seitdem Apple mit dem iPhone 6 die Plus-Größe eingeführt hat, war es in Asien besonders erfolgreich. Hintergrund: Dort ist ein Smartphone für viele Haushalte der einzige Computer, je größer das Display, umso besser. Auch soll die Farbe Gold dort sehr beliebt sein, in den 5er-Gehäusen war der Farbton nur dezent aufgebracht, seit den 6er hat er geknallt. Das könnte auch zu Apples Kalküle gehören: Die Abermillionen, die in Asien vor fünf oder sechs Jahren (erstmals) zum iPhone griffen, wollen nun endlich ein Upgrade. Aber: Das iPhone SE (2020) bringt nur einen Bildschirm mit 4,7 Zoll Diagonale und auch keinen Goldton.

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Ohne Smartphone: Aber jetzt

Klar, ist nur ein Apple-Werbespruch: Aber hat man kein iPhone, dann hat man kein iPhone. Auch für diese Zielgruppe ist das iPhone SE  mit seinem Preis/Leistungsverhältnis ein überzeugendes Angebot. Wann, wenn nicht jetzt, auch mal ein Smartphone anschaffen? Gerade im Zeitalter der physischen Distanzierung ist ein Apparat mit einer Kamera für Videotelefonate Gold wert, also weg mit dem alten Feature-Phone, hinein ins Zeitalter des Smartphones! Natürlich gibt es auch andere Hersteller, deren Produkte für diese Zielgruppe interessant wären – aber auch Android-Nutzer schielen nicht zu Unrecht auf das iPhone SE.

Android-Nutzer: Zeit für den Umstieg

iPhone = sehr teuer! Das ist in den Köpfen vieler Smartphone-Nutzer drin, weshalb sich einige Kunden alleine schon aus Prinzip für ein Android-Smartphone entscheiden. Denn tatsächlich gibt es von Samsung, Huawei und Co. ähnlich gute, teils auch überlegenere Handys zu günstigeren Konditionen. So gibt es aber auch Android-Nutzer, die schon länger über einen Wechsel ins Apple-Lager nachdenken, jedoch keine 1000 Euro oder mehr für ein aktuelles iPhone-Flaggschiff hinblättern möchten. Wer derzeit ein Android-Handy etwa aus der Mittelklasse nutzt, das schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und keine neuen Android-Versionen mehr bekommt, der könnte über den Wechsel zum iPhone SE nachdenken. Denn Apple garantiert Software-Updates für etwa 5 Jahre, viele Hersteller von Android-Smartphones gewähren maximal zwei bis drei Jahre lang neueste Android-Versionen. Hinzu kommt das stets hochwertige Design der iPhones sowie die stärkste Performance auf dem Mobilmarkt. Und wer bereits weitere Apple-Geräte nutzt, der erweitert mit dem iPhone sein Portfolio und kann etwa auf unkomplizierte Verbindungen wie Airdrop zurückgreifen.

Wer aber ein hochpreisiges Android-Flaggschiff mit aktueller Software, modernem Design mit Fullscreen und High-End-Features wie Fingerprint-Sensor im Display, Quad-Kameras und Reverse Charging besitzt, für den lohnt sich kein Wechsel – das wäre eine Verschlechterung.

Ihr bisheriges Smartphone können Sie übrigens über eine Gebrauchtbörse zu Bargeld machen. Apple bietet hierzu sein sogenanntes „ Trade In “ Programm an, welches aber eher schlechte Konditionen bietet. Abhängig von Alter und Modell bezahlen andere Dienste wie Flip4new , Rebuy oder Zoxs deutlich attraktivere Preise für ein gebrauchtes Gerät. Auch WirKaufens und Rankauf bieten Bares für gebrauchte Smartphones und viele andere elektronische Geräte. Beim Kauf eines neuen iPhones können Sie somit unterm Strich sparen, wenn Sie das bisher verwendete Smartphone ohnehin nicht mehr brauchen und in einer Schublade verstaubt.

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