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Warum ich nicht vom iPhone auf Android umsteige

04.08.2022 | 17:45 Uhr | Halyna Kubiv

Es gibt genügend Gründe, dem iPhone und iOS Rücken zu kehren und auf die deutlich populärere Plattform umzusteigen.

Der Kollege Lohmann hat Mitte Mai einen passionierten Beitrag geschrieben, warum er nach Jahren Apple-Abhängigkeit dem iPhone und der Apple Watch den Rücken kehrt und zum Android wechselt. Die Google Pixel Watch hat es ihm angetan, sodass er sie als einen der wichtigsten Gründe gesehen hat, sich zumindest die Flucht aus dem berüchtigten „Walled Garden“ zu überlegen. Wie so oft ist die Zeit der nüchternste Richter für allerlei Versprechen, denn der Kollege ist nach meinem letzten Wissensstand immer noch mit dem iPhone und der Apple Watch ausgestattet, aus einem einfachen Grund: Die begehrte Pixel Watch ist immer noch nicht auf dem Markt und wird voraussichtlich Mitte Oktober zum Kauf verfügbar sein . Und das ist einer der Gründe, warum ich bei Apple bleibe:

Einfache Versprechen, die (fast) immer eingehalten werden

Wenn der Hersteller etwas verspricht, spannt er seine Nutzer in den meisten Fällen nicht auf der Folter, die neuen Produkte kommen in wenigen Wochen nach der Vorstellung auf den Markt. Dazu ist auf Apples Wort meist verlass, eher verspricht der Hersteller zu wenig als zu viel: So erschien der neue Macbook Pro M2 überraschenderweise ein paar Wochen schneller als versprochen. Die Apple Watch Series 7 war gleich Anfang Oktober verfügbar, obwohl der Hersteller sich den Zeitrahmen von „später in diesem Herbst“ eingeräumt hat, was theoretisch auch Ende November bedeuten könnte. Okay, die erste Apple Watch wurde auf der Herbst-Keynote 2014 angekündigt und erst im Frühling 2015 auf dem Markt, aber auch der Smartwatch-Markt war damals noch jung, als dass sich Apple solche langen Wartezeiten noch erlauben könnte.

„Walled Garden“ ist eigentlich ein Bullshit-Argument 

Sobald die Diskussion über Vor- und Nachteile von iOS und Android aufkommt, wird „Walled Garden“ als Totschlag-Argument geschwenkt. Doch die Prämissen dafür sind schon längst überholt und veraltet. Ich könnte nach Wunsch Apps nicht aus dem App Store auf meinem iPhone installieren, man muss nur wissen, wie. Auch die ganzen Daten lassen sich ziemlich unfallfrei von iOS nach Android umziehen, Apple stellt sogar das Tool für den Umzug der iCloud-Fotos zu Google-Fotos zur Verfügung. Recht viele Löcher in diesem angeblichen „Walled Garden“, oder?

Bessere Apps

Eine einzige gute App, die ich kenne, die es für Android und nicht für iOS gibt, ist die spanische Wander-App Oruk Maps . Es gibt sicherlich auch weitere Apps, die es in den Google Play Store, nicht aber in den App Store geschafft haben, schließlich gibt es im Play Store 2,87 Mio. Apps, im App Store – 1,96 Mio. Apps . Und dennoch gibt es für iOS einige App-Perlen, die Android einfach nicht hat. Um einige zu nennen: Photoleap (vormals Enlight) von Lightricks, Affinity Suite von Serif, die unter iOS und macOS eine veritable Alternative für Adobe-Tools darstellt, und das ohne Abo und nur mit Einmalkauf. Overkast ist die beste Podcast-App auf der iOS-Plattform, um Längen besser als Apples eigene Podcast-App. Der Entwickler Marco Arment kann mit dem Business-Konzept unter iOS die Entwicklung seiner App gut finanzieren, weshalb die Android-Version fehlt. Halide ist eine Profi-Kamera-Anwendung, die die Möglichkeiten der iPhone-Kamera bis auf Äußerste ausreizt und dem Nutzer volle Kontrolle darüber gibt. 

Meine eigene Bequemlichkeit

Zwar halte ich die vorherigen Argumente alle für valide, doch ein Hauptgrund, warum ich nicht umsteige und warum die anderen Nutzer (auf beiden Seiten der Barrikaden) es nicht tun, ist die eigene Bequemlichkeit. iOS und Android haben in Sachen Funktionalität schon längst Parität erreicht. Bei jeder Hauptversion, sei es Android oder iOS, geht es meist um nette Erweiterungen, die sicherlich das Leben erleichtern, aber für die meisten Nutzer nicht kriegsentscheidend sind. (Ok, für sehbehinderte Anwender mag die Situation anders ausschauen, iOS und iPhones sind vorbildlich in Sachen Barrierefreiheit). Doch letztendlich stellt sich bei jedem generellen Umstieg die Frage: Welche Vorteile erhalte ich, wenn ich mir die ganze Mühe mache und von der Plattform X auf die Plattform Y umziehe. Aktuell schaut die Lage auf dem Markt so aus, als dass auf dem Android-Markt wenig Anreize gibt, die den Aufwand für den Umstieg belohnen würden. Und umzusteigen nur wegen des Umstiegs willen werde ich nicht machen. Dafür kann ich meine Zeit deutlich besser investieren. 

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