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Wie komme ich an die dringend benötigten isländischen Zeichen?

18.07.2000 | 00:00 Uhr |

Als absoluter Neuling auf dem Computergebiet habe ich mir vor anderthalb Monaten einen LC II gekauft. Der große Bericht über die LC-Reihe hat mich in meiner Überzeugung noch bestärkt, daß ich damit ein gutes Einsteigergerät gekauft habe. Da ich viel mit fremdsprachlichen - vor allem skandinavischen - Texten arbeite, war ich natürlich sehr erfreut, daß Zeichen wie å, æ, œ, ø schon in den Standardschriftsätzen vorhanden sind. Ein Problem hat sich bei näherem Hinsehen dann aber doch ergeben, und zwar mit den isländischen Buchstaben für dentale Frikative. Eine Nachfrage beim Händler ergab, daß die Buchstaben zwar vorhanden sind, mit der deutschen Fassung des Betriebssystems 7.1 aber nicht anzusteuern sind. Dazu müßte ich eine isländische Fassung der System-Software installieren. Das wäre ja an sich kein Problem, wenn ich sicher sein könnte, daß in der isländischen Fassung dann nicht andere Buchstaben herausfallen, die wiederum für deutsche oder schwedische Texte unerläßlich sind. Kann man denn das Betriebssystem nicht um einen Befehl für diese Buchstaben erweitern?

Wir wollten es selbst nicht glauben, aber die von Ihnen gewünschten isländischen Zeichen sind tatsächlich bei den herkömmlichen Fonts von Haus aus dabei. Sie besitzen allerdings einen so niedrigen ASCII-Wert, daß sie nirgendwo angezeigt werden. Popchar beispielsweise beginnt die Anzeige erst mit dem "Leerzeichen" (ASCII 32). Wir haben jedoch eine Möglichkeit gefunden, wie Sie der an sich vorhandenen, aber doch unsichtbaren Zeichen habhaft werden können: Mit dem Fontographer von Altsys (Vertrieb: Prisma, 22013 Hamburg, Telefon 0 40/6 88 60-0) können Sie sich die gewünschten dentalen Frikativen anzeigen lassen und dann auf eine andere Taste umkopieren.

Einen weitern Rat hierzu weiß Macwelt-Leser Andreas Weisert aus Landau:
"Ich hätte hierzu noch ein paar Ideen - nicht zuletzt aus der Überlegung heraus, daß der Fontographer keine ganz preiswerte Software ist.

• Die Zeichen mit ASCII-Werten unter 32 (nicht jedoch vorhandene Zeichen ohne ASCII-Wert) lassen sich mit dem DA "Keyfinder" der Norton Utilities durch Anklicken sichtbar machen, sofern der jeweilige Zeichensatz in diesem Bereich tatsächlich belegt ist. Durch Kopieren und Einsetzen können diese Zeichen im Text verwendet werden.

• Mit Res-Edit lassen sich, ohne gleich ein isländisches System zu installieren, die Tastaturressourcen in ein deutsches oder anderes System hineinkopieren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit: itlk und KCHR sowie die Flaggen für das Tastaturmenü kcs#, kcs4 und kcs8). Die Sonderzeichen können dann durch eine Tastaturumschaltung (Option-Command-Leertaste) relativ einfach angesteuert werden. Oder man gestaltet seine eigene KCHR-Ressource, aber das ist nicht ganz einfach. Eine solche Custom-Tastatur hätte dann natürlich einen Einfluß auf alle installierten Zeichensätze.

• Wie der Fontographer oder der Fontmonger erlaubt auch das kleine typografische Hilfsprogramm Fontmixer von Monotype (zum Beispiel bei Fontshop Berlin, Telefon 0 30/69 58 95, etwa140 Mark) die Darstellung aller Zeichen auf dem Bildschirm, auch die der Superfonts, die über 400 Zeichen enthalten. Der Zeichensatz muß im Postscript-Format vorliegen. Man kann sich dann einen neuen Font zusammenstellen und Sonderzeichen auf gewünschte Tastenkombinationen legen. Dies ist mit Hilfe der kurzen Anleitung leicht in die Tat umzusetzen. Der Original-Font bleibt erhalten, die Systemressourcen werden nicht geändert, und die Tastaturumschaltung entfällt.
Diese Lösung bevorzuge ich persönlich."

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